Full text : Erinnerungen an die Kriegsjahre im Königlich Preußischen Kriegsministerium. Dritter Band. Wehr und Waffen 1914-1918. (3)

104  Sechstes  Kapitel

ihrer  unterstellten  Truppen  zu  prüfen  und  die  Truppe  zum  sparsamen
Verbrauch,  besonders  für  andere  als  Kampfmittel,  anzuhalten.  Bei
den  Armeen  lagerte  das  Gerät  in  den  Armee-Pionierparks,  aus  denen
die  Korps=  und  weiterhin  die  Divisionsparks  gefüllt  wurden.

Auch  diese  Regelung  erwies  sich  auf  die  Dauer  nicht  als  ausreichend,
  da  die  Forderungen  der  einzelnen  Armeen  nach  Menge  und
Dringlichkeit  sehr  verschieden  waren.  Ein  Ausgleich  innerhalb  der
Armeen  wurde  notwendig.  Als  Zentralstelle  für  die  Prüfung  des  Bedarfs
  wurde  der  General  der  Pioniere  im  Großen  Hauptgquartier  bestimmt
  (September  1910).  Er  wurde  Vermittelungsstelle  für  das  gesamte
  Feldheer.  Ihm  wurden  zugleich  die  in  den  nicht  vom  Feinde  bedrohten
  Festungen  vorhandenen  Vorräte  an  Pioniergerät  zur  Verfügung
gestellt.

Holz  und  Steinschotter  (für  Betonbauten)  wurden  nicht  nur  für
die  Pioniertätigkeit  des  Feldheeres,  sondern  auch  in  großem  Umfang
für  andere  Zwecke,  z.  B.  Bahn-,  Straßen=  und  Unterkunftsbauten,
gebraucht.  Die  Gesamtbeschaffung  wurde  daher  1916  besonderen  Zentralstellen
  übertragen.

Für  den  Betrieb  in  den  Pionier-Heeresparks  wurden  Heeresparkskompagnien
  aus  nicht  Kriegsverwendungsfähigen  errichtet.

Im  Jahre  1916  entstand  die  Frage,  ob  das  Ingenieur-Komitee  in
das  „Wumba“  aufgehen  oder  ob  seine  Beschaffungen  an  dieses  Amt
übergehen  sollten.  Denn  das  Ingenieur-Komitee  war  zugleich  die  Konstruktionsbehörde
  für  das  „Pioniergerät  für  Stellungsbau“  und  die
Geräte.

Die  ungeheuere  Masse  des  vom  Ingenieur-Komitee  dem  Heere
zugeführten  Kriegsgeräts  war  in  ihrer  Art  so  verschieden  von  dem  durch
das  Wumba  beschafften,  daß  die  Zentralstelle  des  Wumba  sich  außerstande
  erklärte,  diese  Beschaffungen  zu  übersehen.  In  dem  Augenblick,
wo  es  darauf  ankam,  möglichst  große  Mengen  von  Gerät  für  das  Heer
bereitzustellen,  hätte  ein  Wechsel  gefährliche  Rückschläge  verursacht.
Manche  der  in  den  Bereich  des  Ingenieur-Komitees  fallenden  Gegenstände
  waren  in  ständiger  Entwickelung,  so  daß  sich  Konstruktion  und
Beschaffung  ohne  Schädigung  der  Sache  nicht  trennen  ließen.  Dazu
kam,  daß  eine  übergroße  Zentralisation  auch  ihre  Bedenken  hatte,  sie
mußte  den  Betrieb  verlangsamen.

Das  K.M.  ließ  daher  das  Ingenieur-Komitee  als  Beschaffungs-