Metadata : Das Staatsrecht des Königreichs Bayern.

84  Zweiter  Abschnitt:  Staat  und  Staatsverfassung.  IV.  Die  Staatsbehörden.  §  31.

erwähnten  Gesetzen  über  die  freiwillige  Gerichtsbarkeit  und  der  Grundbuchordnung,  hierin
nur  einzelne  Aenderungen  getroffen ¹).

Die  Vorstände  der  Gerichte  sind,  neben  der  Staatsanwaltschaft,  die  Organe  des
Staatsministeriums  der  Justiz  bei  den  Geschäften  der  Justizverwaltung.  Sie  können  hiebei
  die  Mitwirkung  der  Beamten  in  Anspruch  nehmen,  die  ihrer  Aussicht  unterstellt  sind  ²).
Die  Gerichte  sind  ferner  gleich  den  Staatsanwälten  verpflichtet,  auf  Verlangen  der  Aufsichtsbehörden
  über  Angelegenheiten  der  Gesetzgebung  und  der  Justizverwaltung  Gutachten
abzugeben  ³)  und  sich,  wie  in  reichsrechtlich  geordneten  Angelegenheiten,  auch  in  den  Angelegenheiten,
  für  welche  die  Landesgesetze  maßgebend  sind,  Rechtshilfe  zu  leisten ⁴).

Für  die  in  Angelegenheiten  des  bürgerlichen  Rechtes  oder  nach  den  Vorschriften
über  das  gerichtliche  Verfahren  erfolgenden  Hinterlegungen  ⁵)  sind  bei  dem  Amtsgericht
Hinterlegungsstellen  errichtet;  die  Staatsregierung  kann  die  Besorgung  des  Hinterlegungswesens
  der  k.  Bank  übertragen  ⁶).

Das  Notariat  bileibt  aufrecht  erhalten ⁷);  es  besteht  für  den  Bezirk  eines  jeden
Amtsgerichtes  mindestens  ein  Notariat  zur  Wahrung  der  den  Notaren  durch  das  Notariatsgesetz
  vom  9.  Juni  1899  (G.-V.-Bl.  1899  Beil.  IV  zu  Nr.  28  S.  132)  übertragenen  Geschäfte,
  die  in  der  Hauptsache  darin  bestehen,  öffentliche  Beurkundungen  und  Beglaubigungen
zu  bewirken  und  Urkunden,  namentlich  Erbverträge  und  Testamente,  Gelder  r2c.  amtlich  zu
verwahren  —  vorbehaltlich  der  besonderen  Zuständigkeiten  anderer  Beamten  und  Behörden
  —,  öffentliche  Versteigerungen  vorzunehmen,  Vermögens=  und  Nachlaßverzeichnisse  aufzunehmen
  etc.  In  einer  Anzahl  von  Fällen  besteht  eine  konkurrierende  Zuständigkeit  der
Amtsgerichte  und  Notariate.  Die  Notare  sind  öffentliche,  vom  König  auf  Lebenszeit  ernannte
  Beamte,  welche  abgesehen  von  organisatorischen  Aenderungen,  wider  ihren  Willen
nur  kraft  richterlicher  Entscheidung  ihres  Amtes  enthoben  oder  versetzt  werden  können.
Zahl  und  Sitze  der  Notariate  wurden  durch  Verordnung  vom  22.  Dez.  1899  (G.-V.-Bl.
S.  1202)  bestimmt  ⁸).

Beibehalten  ist  ferner  das  Merkantil-Friedens=  und  Schiedsgericht  der  Stadt  Nürnberg
  in  seiner  bisherigen  Einrichtung  als  Vermittlungsamt  für  Streitigkeiten  in  Handelssachen
  und  mit  seiner  seitherigen  Zuständigkeit  zur  öffentlichen  Beglaubigung  der  Handelsbuchsauszüge
  und  Handelsvollmachten  ⁹).

Das  Vermittlungsamt  der  Gemeinden  und  Militärbehörden  in  bürgerlichen  Rechts-—

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1)  Ausf.  G.  z.  B.  G.B.  v.  9.  Juni  1899  Art.  129-133,  167  Z.  I.,  V—VIII,  XllI;  ferner
Novelle  z.  Einf.G.  z.  C.  P.  O.  vom  17.  Mai  1898  (R.G.Bl.  S.  332)  Art.  11  Z.  2—4.

2)  Ausf.G.  z.  G.  V.  G.  Art.  68.

3)  Ausf.G.  z.  G.  V.  G.  Art.  75.

4)  Ausf.G.  z.  G.  V.  G.  Art.  77,  §  12  d.  Einf.G.  z.  M.  St.  G.  O.  v.  1.  Dez.  1898  (R.G.  Bl.
S.  1289),  Art.  8  des  Ausf.G.  z.  G.  B.O.

5)  Ausf.G.  z.  G.  V.G.  Art.  76,  vgl.  hiezu  Art.  144—143  d.  Einf.  G.  z.  B.G.  B.,  Art.  167
Z.  XXI  d.  Ausf.  G.  z.  B.G.  B.  —  V.O.  v.  18.  u.  25.  Dez.  1899  (G.  V.  Bl.  “  1033,  1235),  ferner
J.M.  Bl.  1899  S  1080,  1900  S.  301,  1901  S.  1.

6)  Von  dieser  Befugnis  wurde  schon  Gebrauch  gemacht  (J.  M.  Bl.  1899  S.  1115  u.  s.  w.)

7)  Ausf.  G.  z.  G.  V.G.  Art.  81,  z.  B.  G.B.  Art.  168.

8)  Geschäftsordnung  für  die  Notariate  v.  27.  Dez.  1899  (J.M.  Bl.  S.  591),  V.O.  v.  28.
Dez.  1899  über  Notariatogebühren  (G.  V.  Bl.  S.  1183),  V.  O.  v.  4.  Mai  1900  über  die  Bildung
der  Notariatskammern  (G.  W.  Bl.  S.  435),  v.  28.  Juli  1900  über  Gebühren  in  Grundbuchsachen
(G.  V.  Bl.  S.  741),  v.  5.  Aug.  1900  u.  1.  Febr.  1902  über  den  Pensionsverein  der  Notare  (G.  V.=Bl.
  S.  1017,  27)  Bek.  v.  1.  Mai  1901  (J.M.  Bl.  S  341)  über  das  Kanzleipersonal  der  Notare
dazu  Min.  Bek.  v.  2.  Febr.  1902  (G.  V.  Bl.  S.  57).  Inl  im  einzelnen  Kaisenberg  H.,  Komm.
zum  Notariatsgesetze  und  zur-  Notariatsgebührenordnung,  München  1900.000.  Habel  E.,  Auef.G.
z.  G.  V.  G.  Art.  15  Anm.  2  ff.  Böhm-Klein  a.  a.  O.  S.  344.

9)  Ausf.G.  zum  G.V.G.  Art.  7  Abs.  II.  Vgl.  Einf.G.  zum  Handelsgesetzbuche  vom  10.
November  1861  (G.  Bl.  S.  425)  Art  61,  V.O.  vom  19.  April  1862  R.  Bl.  S.  5060)  1.  Abs.  II,
Einf.G.  z.  9  O.  in  bürgerlichen  Rechtsstreitigkeiten  vom  29.  April  1869  (G.  V.  1866.  69  S  .  1233),
Art.  8  Abs.  1,  V.  O.  vom  21.  Juli  1892  (G.  V.  Bl.  S.  585).