Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1899. (76)

Front  zwischen  Meer  und  Verdun  zurückgeht.  Die  Wirkung  auf  In=  und
Ausland  würde  in  diesem  Augenblick  die  schwerwiegendsten  Jolgen  haben.  .  .“

So  galt  es  denn  noch  weiter  in  der  gefahrvollen  Lage  auszuharren.
Am  28.  Oktober  rlef  ich  meinen  Truppen  zu:

„Der  Feind  glaubt  uns  erschüttert.  Alles  setzt  er  daran,  unsere
Fronten  zu  durchbrechen.  Gerade  jetzt  kommt  es  darauf  an,  ihm  unsere
Stärbe  zu  beweisen  und  mit  der  Waffe  in  der  Zand  jeden  Jußbreit  zu
verteidigen.“

Rückzug  in  die  Anewerpen  —aas-Stellung.

Während  das  Seer  selner  schweren,  entsagungevollen  Aufgabe  also
weiter  oblag  und  trotz  örtlicher  Mißerfolge  seine  geschlossene  Front  aufrecht
erhielt,  trat  ein  Umstand  ein,  der  die  Lage  aufs  äußerste  erschwerte.  In
der  Zeimat  machten  sich  bedrohliche  Anzeichen  für  innere  Unruhen,  die
Dorboten  des  nahenden  Umsturzes,  bemerbbar.  Die  O.  J.  K.  war  gezwungen,
die  letzten  der  mühsam  gewonnenen  Reserven  dorthin  in  Marsch  zu  setzen.
Sie  fielen  damit  für  den  Endkampf  aus.  Der  Widerstand  in  der  jetzigen
ausgedehnten  Front  war  nur  noch  eine  Frage  von  Tagen  geworden.  Der
bislang  immer  wieder  vermiedene  letzte  Ausweg  der  Frontverbürzung  durch
einen  strategischen  Rückzug  mußte  unter  diesen  Umständen  noch  vor
Abschluß  der  diplomatischen  Verhandlungen  beschritten  werden.

Bereits  im  August  hatte  die  Verschärfung  der  Lage  Veranlassung
gegeben,  Möglichkeiten  für  strategische  Frontwerkürzungen  zu  erwägen.  Wenn
eine  Ersparnis  starker  Reserven  erreicht  werden  sollte,  bonnte  nur  weiteres
Zurückgehen  hinter  einen  von  Natur  starken  Abschnitt  in  Frage  Pkommen.
Denn  es  war  anzunehmen,  daß  weder  Zeit  noch  Rräfte  zum  gründlichen
Heuaufbau  einer  strategischen  Stellung  wie  im  Jahre  1917  zur  Derfügung
stehen  würden.  Im  Gebiet  der  Zeeresgruppe  kam  daher  nur  ein  Jurückgeben
  hinter  die  Maas  in  Frage.  Sie  bildete  ein  starkes  Fronthindernis
und  verkürzte  in  der  Linie  Namur  —  Carignan  die  Augustfront  um  etwa
die  Sälfte.  Der  am  weitesten  westwärts  vorgeschobene  rechte  Flügel  der
Zeeresgruppe  stand  damals  noch  etwa  180  km  vorwärts  der  Maas.

Am  I.  Oktober  hatte  die  G.  J.  K.  die  Prkundung  und  Festlegung
einer  strategischen  Stellung  in  Kinie  Antwerpen  —Charleoille  —  Stenap  befohlen.
  Nach  dieser  Weisung  konnte,  um  den  Anschluß  an  die  Seeres-363