Volltext : Am Feierabend.

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59.  Hm  Brunnen  vor  dem  Thore.

1.  Am  Brunnen  vor  dem  Thore,  Da  steht  ein  Lindenbaum;
Ich  träumt  in  seinem  Schatten  So  manchen  süßen  Traum;
Ich  schnitt  in  seine  Rinde  So  manches  liebe  Wort,  Es  zog
in  Freud  und  Leide  ::  Zu  ihm  mich  immer  fort.

2.  Ich  mußt  auch  heute  wandern  Vorbei  in  tiefer  Nacht,
Da  hab  ich  noch  im  Dunkeln  Die  Augen  zugemacht;  Und
seine  Jweige  rauschten,  Als  riefen  sie  mir  zu:  Komm  her  zu
mir,  Geselle,  2  Hier  findst  du  deine  Ruh.  „

3.  Die  kalten  Winde  bliesen  Mir  grad  in's  Angesicht,  Der
Hut  flog  mir  vom  Kopfe,  Ich  wendete  mich  nicht.  Nun  bin
ich  manche  Stunde  Entfernt  von  jenem  Ort,  Und  immer
hör  ich's  rauschen:  2:  Du  fändest  Ruhe  dort.  „

Wilh.  Müller.  f  1827.

60.  Un  der  Saale  hellem  Strande.

1.  An  der  Saale  hellem  Strande  Stehen  Burgen  stolz  und
kühn;  Ihre  Dächer  sind  zerfallen,  Und  der  Wind  streicht
durch  die  Hallen,  Wolken  ziehen  drüber  hin.

2.  Zwar  die  Ritter  sind  verschwunden,  Nimmer  klingen
Speer  und  Schild;  Doch  dem  Wandersmann  erscheinen  Auf
den  altbemoosten  Steinen  Oft  Gestalten  zart  und  mild.

3.  Droben  winken  schöne  Augen,  Freundlich  lacht  manch
rother  Mund,  Wandrer  schaut  wohl  in  die  Ferne,  Schaut
in  holder  Augen  Sterne,  Herz  ist  heiter  und  gesund.

4.  Und  der  Wandrer  zieht  von  dannen,  Denn  die  Abschiedsstunde
  ruft.  Und  er  singet  Abschiedslieder,  Lebewohl  tönt  ihm
hernieder,  Tücher  wehen  in  die  Luft.  Franz  Kugler.  1  1868.

 

61.  RKus  der  Jugendzeit.

1.::  Aus  der  Jugendzeit,  2  Klingt  ein  Lied  mir  immerdar;
  ::  O,  wie  liegt  so  weit,  2  Was  mein,  was  mein  einft
war.  :=  Was  die  Schwalbe  sang,  ::  Die  den  Herbst  und
Frühling  bringt,  2  Ob  das  Dorf  entlang,  :2  Das  jetzt  noch

ingt?