168 Allgemeiner Überblic.
Zn der zeitlichen Reihenfolge waren zuerst Kriegsausschüsse
einzelner Industrieverbände: am siebenten Mobilmachungstage der
das Gesamtbereich des Zentralverbandes deutscher Industrieller und des
Bundes der Industriellen umfassende Kriegsauesschuß der deutschen
Industrie geschaffen, einige Tage später im Reichsamt des Innern die
zentralistische Zusammenfassung des Alrbeitsnachweiswesens. In der
Folgezeit führte dann zunächst das Reichsamt des Innern die Aufgabe
der wirtschaftlichen Mobilmachung weiter durch, insbesondere mit Bezug
auf die Nahrung sorgung — allerdings in einem sehr langsamen
Tempo. Im Laufe der Zeit mehrten sich jedoch gerade diese Arbeiten
derartig, daß im April 1915 eine neue Ministerialabteilung im Reichsamt
des Innern lediglich für die Bearbeitung der Kriegsernährungsfragen
geschaffen werden mußte. Inzwischen hatte das Preußische
Kriegeministerium eine besondere Kriegs-Rohstoffabteilung errichtet,
die sich gleichfalls immer weiter auswuchs. Als Unterorgane dieser
NRohstoffabteilung arbeiteten private Organisationen mit staatlichen
Machtbefugnissen in Gestalt der sogenannten Abrechnungestellen, die bei
einzelnen Großbanken ins Leben gerufen wurden und die Kontrolle
und Berteilung bestimmter Kriegsrohstoffe in die Hand bekamen. Ursprünglich
durch ins Kriegeministerium berufene Persönlichkeiten aus der
kaufmännischen Praxis ins Leben gerufen, erhielt die Kriege-Rohstoffabteilung
später — seit dem 1. April 1915 — mit anerkanntem Erfolge
militärische Leitung. Sie dehnte ihren Arbeits- und Machtbereich mehr
und mehr aus bis zu einer Arbeitsteilung in dem Sinne, daß die Kriegsernährungsfragen
im Reichsamt des Innern verblieben, die Angelegenheiten
der Kriegsindustrie aber dieser wirtschaftlichen Abteilung des
Kriegeministeriums zufielen. Auch die Führung des Wirtschaftskrieges
wurde von ihr, vorläufig wenigstens, in die Hand genommen, insofern,
als sie ihren Einfluß geltend machte auf die Verhütung solcher Ausfuhren,
deren Aufrechterhaltung dem feindlichen Auslande einen den Zwecken
unserer Kriegführung abträglichen Rutzen gebracht haben würde.
Wie die materielle wirtschaftliche Mobilmachung, so war auch die
personelle im großen und ganzen unvorbereitet. Alles, was nicht unmittelbar
unter die Fahnen gehörte, befand sich vom Augenblicke der
Mobilmachungserklärung an zunächst in einer gewissen Berwirrung, die
bisweilen tragikomische Erscheinungen des Betätigungeeifers zeitigte.
Vor allen Dingen war es die Ziovilintelligenz, die absolut nicht wußte,
wohin sie gehörte. Männer, die sich nie mit dem Gedanken von Kriegsmöglichkeiten
hatten vertraut machen mögen, die sich nun aber nach
Kriegsausbruch dem Vaterlande doch irgendwie nützlich erweisen wollten,
verfielen oft auf absurde Auswege. Das in dieser Weise entstehende