Full text : Fabrikschulen.

Bürgerkunde.  95

Lehrer  heranzuziehen  sind,  steht  dahin.  Ich  erörterte  bereits  weiter  oben,
daß  dem  natürlich  nichts  entgegensteht,  daß  aber  die  gleichen  Erfolge
auch  durch  entsprechend  talentierte  Nichtpädagogen  erzielt  werden
können.  Gerade  die  Schwierigkeit  der  allgemeinen  Pflichtfortbildungsschule,
  eine  große  Anzahl  divergierender  Elemente  zu  erziehen,  fällt
für  die  Werkschule  fort:  Mit  der  durch  den  beruflichen  Unterricht  bedingten
  Pflege  des  Egoismus  wird,  wie  wiederholt  betont,  das  Zutrauen
der  Jugend  erweckt,  das  den  besten  Grund  für  die  Einpflanzung  der
höheren  Ideale  in  die  jungen  Seelen  bereitet.

a)  |Bürgerkunde.

Ein  für  Fortbildungsschüler  wirklich  geeignetes  Handbuch  liegt
zurzeit  noch  nicht  vor,  während  für  die  Lehrer  eine  ganze  Menge  wirklich
  trefflicher  Leitfaden  vorhanden  sind,  die  in  einzelnen  Stoffgebieten
natürlich  noch  der  Ergänzung  durch  Spezialwerke  bedürfen.  Es  ist
aus  diesem  Grunde  einstweilen  noch  nach  meinen  Erfahrungen  am  besten,
den  Schülern  nach  jeder  Stunde  den  Inhalt  des  Vorgetragenen  in  kurzem
Abriß  auf  hektographierten  Blättern  zu  überreichen,  für  die  am  Beginn
des  Schuljahres  Schutzumschläge  zur  dauernden  Aufbewahrung  geliefert
werden  können.  Dieser  Ausweg  bietet  noch  den  Sonder-Vorteil,  daß  eine
ganz  persönliche  Wirkung  des  behandelten  Stoffes  auch  im  Gedächtnis
der  Schüler  erreicht  wird,  da  er  in  dem  Schriftlichen  die  eigenen  Worte
des  Lehrers  wiederfindet.  Der  Hinweis  auf  passende  Lesestücke  im  Lesebuch
  ist  ebenfalls  eine  gute  Unterstützung,  und  Lichtbilder-Vorträge
über  die  verschiedensten  Themata,  Heer,  Marine,  Kolonien  usw.  können
das  Gehörte  noch  vertiefen.

Daß  der  Bürgerkunde-Unterricht  die  beste  Gelegenheit  zur  nationalen
  Arbeit  bietet,  versteht  sich  von  selbst;  denn  ist  einmal  bei  den
jungen  Leuten  das  Vertrauen  gewonnen,  daß  man  es  durch  die  Schule
und  in  der  Schule  gut  mit  ihnen  meine,  so  ist  für  einen  taktvollen  Lehrer
auch  der  Boden  für  einen  staatsbürgerlichen  Unterricht  bereitet,  der
gute  Frucht  tragen  wird.  Wenig  beengt  von  staatlicher  Aufsicht  kann  er
seinen  jugendlichen  Zuhörern  gerade  für  sie  passend  Vortrag  halten  über
alles  das,  was  in  Deutschland  zu  Nutz  und  Frommen  dieser  Arbeiterklasse
  geschaffen  worden  ist  und,  weitergreifend,  der  Staatsbürger
überhaupt.  Leicht  kann  er  unmerklich  dazu  übergehen,  den  Wert  der
einzelnen  Staatsformen  zu  schildern,  die  Notwendigkeit  einer  starken
Armee  und  Marine,  die  Bedeutung  der  Erwerbung  von  Kolonien  für
unsere  Volkswirtschaft.  Hier  ist  die  Möglichkeit  gegeben,  in  den  empfänglichen
  Gemütern  der  Erste  am  Platze  zu  sein,  so  daß  die  jungen  Leute
später  wenigstens  mit  Kritik  an  die  vielen  Schlagworte,  die  ihnen  im