14 Ole allgemeinen Krlegsvorbereitungen unserer Felnde.
Es ist genugsam bekannt, daß gerade Bismarck es war, der in den 80er
Jahren die Ausbreitung des französischen Kolonialreiches begünstigte,
weil er die Hoffnung hegte, auf diese Art den Blick der Franzosen von dem
„Loch in den Vogesen“ ablenken zu können. Vor dem Kriege erwice sich
kein Weg zur deutsch-französischen Auesöhnung als gangbar. Frankreich
hat auch aus seinen afrikanischen Kolonien schließlich nur schwarze Soldaten
gegen Deutschland gepreßt, wozu es besonders in die Lage versetzt
wurde durch die mangelnde Folgerichtigkeit der späteren deutschen Marokkopolitik.
Unter Biemarck und Moltke hatte man deutscherseite sein Llugenmerk
auf eine militärische Stärkung des selbständigen Marokko gerichtet
in dem Gedanken, Frankreich so verhindern zu können, im Kriegefalle wieder
schwarze Kolonialtruppen aus seinem nun bedeutend erweiterten nordafrikanischen
Kolonialreich in Europa zu verwenden. Die freie Hand, die
Deutschland schließlich Frankreich in Marokko gewährte, durchkreuzte
diese vorausschauende Politik.
Als Kaiser Wilhelm II. zur Herrschaft gekommen war, machte die
Kaiserinwitwe Viktoria auf eigene Hand unverzüglich den Versuch, durch
die Veranstaltung einer deutschen Kunstauestellung in Paris und durch
ihren Besuch in der französischen Hauptstadt für eine deutsch-französische
Verständigung zu wirken. Der Versuch ist überaus kläglich gescheitert.
Wenn Deutschland während des Burenkrieges in die ausgerechnet
von Herrn Delcassé dargebotene Hand Frankreichs zum Zusammengehen
gegen England nicht einschlug, so hatte das seinen guten Grund in der
Befürchtung, daß Oeutschland Frankreich lediglich die Kastanien aus dem
Feuer holen und Frankreichs Stellung gegenüber England verbessern
solle, ohne eine Gewähr dafür zu erhalten, daß späterhin dieses gestärkte
Frankreich von einem durch die Hauptlasten des Krieges gegen England
wesentlich geschwächten Deutschland nicht etwa die Begleichung der alten
Rechnung für Sedan fordern würde. Diese Gründe der deutschen Diplomatie
sind beispielsweise von seiten der belgischen diplomatischen Beobachter
klar erkannt und gewürdigt worden, wie denn überhaupt die weiterhin
noch zu besprechenden belgischen Dokumente, die der Krieg in unsere
Hände gespielt hat, außerordentlich wertvolle Beweiestücke zur richtigen
Beurteilung der feindlichen Kriegevorbereitungen geben.
Geschichtelüge ist die Behauptung, daß Deutschland den östlichen
Nachbar zum Krieg getrieben habe. Nie ward einer Großmacht von einer
andern wertvollerer Dienst erwiesen, als Rußland von Deutschland
während des ostasiatischen Krieges. Eher hat das Übermaß deutschen
Entgegenkommene zu jener Zeit Rußlande Bedürfnie geweckt, sich des
Gefüble der Dankbarkeit gegen den Nachbarn zu entschlagen.
Wahrheit freilich ist es, daß die deutsche Politik impulsiver Nervosität