50 Oer Weltwirtschaftskrieg.
zusetzen. Auf Grund eingehender statistischer Bergleiche der Bewegungen
in beiden Ländern kam ich damals zu folgendem Schluß:
Wenn im gleichen Zeitmaß der letzten Zahre Volksleben, Volkswirtschaft
und Weltwirtschaftsanteil Deutschlands und Großbritanniene sich
friedlich hätten weiterentwickeln können, so wärc nach einem halben
Menschenalter das folgende Bild zu erwarten gewesen:
Deutschland England
Gesamtbevölkernnng 80 50 Millionen Köpfe
Erwerbstätige in der Industrie etwa. .. 16 10 -
Erwerbstätige in Handel und Verkche. 5 5 - -
Welthandeloanteil.·......... je 14—15 o. H.
Die Aussicht auf eine solche Entwicklung hat das englische Denken
und Trachten in hohem Grade beeinflußt. Ze mehr die Gesamtproduktion
Deutschlande diejenige Großbritanniens überflügelte, je mehr die Ziffern
der deutschen Ausfuhrwerte sich denen der englischen näherten, um so
heißer wurde das Verlangen, eine Weiterentwicklung in diesem Schritt
gewaltsam zu unterbinden. So konnten wir zunächst die englische Schutzzollbewegung
beobachten, der das Ziel vorschwebte, die deutsche Einfuhr
aus England fernzuhalten und die Wettbewerbefähigkeit der britischen
Industrie zu steigern. Der Vater der britischen Schutzzollbewegung aber
war der britische Imperialiemus, und stets blieben die beiden Bestrebungen
gleichlaufend: den englischen Weltwirtschaftsanteil und den englischen
Weltmachtanteil zu stützen und zu steigern — gleichviel, welcher
Mittel die Parteien sich im einzelnen zu bedienen suchten.
Das „Made in GCermany“ und die englische Patentgesetzgebung
waren Meilensteine auf dem Wege, der im Frieden zur Unterbindung des
deutschen Welthandels führen sollte, aber tatsächlich sehr weit vom Ziele
abführte.
Jenes englische Patentgesetz gehörte, wie schon angedeutet, mit zu
den wirtschaftlichen Kriegsvorbereitungen auf gegnerischer Seite. Es
bedeutete durchaus keine innerpolitische Angelegenheit, sondern eine
schwere Beeinträchtigung deutscher Interessen, der man schon damale auf
diplomatischem Wege recht nachdrücklich hätte begegnen müssen, wenn
man nicht immer die ehrliche Hoffnung gehegt, durch größtmögliche Rücksicht
die freundlichen Beziehungen zwischen beiden Mächten erhalten und
fördern zu können. Mit dem englischen Marken-Gesetz konnten wir uns
insofern abfinden, als die zum Brandmal gewählte Marke „Made in
Germany“ zu einer wirkungsvollen Anpreisung deutscher Waren geworden.
Das englische Patentgesetz aber, das deutsche Fabriken zwang, soweit sie
auf englischem Boden Absatz suchten, in England eigene Werkstätten zur
Ausbeutung deutscher Patente für den englischen Markt zu schaffen, und