Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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deren  wohlverdiente  Lorbeeren  er  in  seinen  Bulletins  sich  anzueignen  suchte,  zu
benntzen.  Er  betrieb  die  Verfolgung  höchst  saumselig  und  gestattete,  daß  der
Feind  sich  noch  auf  dem  rechten  Ufer  der  Elbe  bei  Wittenberg  in  einem  ver—
schanzten  Lager  von  neuem  festsetzte,  gegen  welches  der  Kronprinz  trotz  der
dringenden  Vorstellungen  Bülows  keinen  Augriff  zu  unternehmen  wagte.  So
konnte  es  geschehen,  daß  Napoleon  bereits  zwölf  Tage  nach  der  Schlacht  bei
Groß-Beeren  einen  neuen  Offensivstoß  gegen  Berlin  ausführen  ließ.  Bevor
wir  auf  diesen  eingehen,  wenden  wir  uns  den  Schicksalen  der  beiden  anderen
Armeen  zu,  welche  die  Verbündeten  gegen  Napoleon  ins  Feld  gestellt  hatten.

Fürst  Schwarzenberg  und  die  Hauptarmee  bei  Dresden.  Als
nach  dem  Ablauf  des  Waffenstillstandes  Mitte  August  die  Feindseligkeiten  wieder
eröffnet  wurden,  befand  sich  der  Kaiser  Napolcon  über  die  Stärke  und  Stellung
der  verbündeten  Armcen  ebenso  im  unklaren,  als  es  die  Verbündeten  bezüglich
der  Maßnahmen  Napoleons  waren.  Jusbesondere  war  dieser  ohne  Kenntnis
von  der  Entsendung  eines  großen  Teils  der  schlesischen  Armee  nach  Böhmen
und  nahm  alle  Meldungen  darüber  mit  ungläubigem  Kopfschütteln  auf.  Napoleon
  glaubte  vielmehr,  die  Hauptmacht  der  Verbündeten  noch  in  Schlesien
gegenüber  zu  haben,  und  war  der  Meinung,  daß  die  OÖsterreicher  aus  Böhmen
durch  die  Lausitz  gegen  ihn  vorbrechen  würden.  Er  hatte  Dresden  am  15.  August
verlassen,  war  am  18.  in  Görlitz  und  beabsichtigte,  von  der  Lausitz  her  einen
entscheidenden  Vorstoß  nach  Böhmen  zu  machen,  um  die  schlesische  und  böhmische
Armee  vollständig  auseinander  zu  halten.  Er  ließ  das  8.  Corps  Poniatowski
nebst  zwei  Divisionen  der  jungen  Garde  von  Zittan  gegen  Rumburg  und
Gabel  vorbrechen  und  ging  selbst  nach  Gabel.  Hier  erfuhr  er,  daß  die  böhmische
oder  die  Hauptarmee  der  Verbündeten  jenseits  der  Elbe  an  der  unteren  Eger
stünde  und  daß  bereits  jene  100000  Mann  aus  Schlesien  unter  Barclay  de
Tolly  zwischen  Prag  und  Budyn  zu  ihr  gestoßen  seien.  Nach  Zittau  zurückgekehrt
  (19.  August),  erfuhr  Napoleon  sodann,  daß  Blücher  den  Feldzug  in
Schlesien  eröffnet  habe,  über  die  Katzbach  gegangen  sei  und  den  Marschall  Ney
bis  über  den  Bober  zurückgedrängt  habe.  Napoleon  änderte  nun  seinen  Plan
und  beschloß,  sich  mit  seinen  Hauptkräften  gegen  Blücher  zu  wenden,  um  zunächst
diesem  eine  derbe  Lektion  zu  erteilen.  Er  setzte  den  größten  Teil  der  Garden
und  das  1.  Kavalleriecorps  (Latour-Manbourg)  von  Görlitz  über  Lanban  auf
Löwenberg  in  Marsch  und  traf  persönlich  am  20.  Angust  nachmittags  in
Lauban  ein.  Um  die  Unternehmung  in  Schlesien  möglichst  zu  verbergen,  ließ
er  das  Corps  Poniatowskis  und  einen  Teil  der  Garden  unter  Lefebore-Desnonettes
  vorläufig  noch  einige  Märsche  weiter  in  Böhmen  vordringen.

In  dem  Hauptgquartier  des  Fürsten  Schwarzenberg  zu  Melnik  hatte  man
die  falsche  Nachricht,  daß  Napolcon,  während  er  einen  Teil  seiner  Truppen
zum  Schein  an  der  böhmischen  Grenze  und  in  Schlesien  ließe,  seinen  Haupt-