Der siebenjährige Krieg. 329
um die Franzosen aus Sachsen zu vertreiben. Nach manchem Hin= und Herziehen traf
er sie und das Reichsheer bei Roßbach, unweit der Saale. Friedrich hatte nur
22 000, der Feind aber 60 000 Mann, und sie frohlockten schon, daß ihnen der König
dieses Mal mit seinem kleinen Haufen gewiß nicht entgehen sollte. Er war auf einem
Hügel gelagert; die Franzosen zogen mit klingendem Spiel vorbei, sie gedachten ihn
einzuschließen. Von Seiten der Preußen fiel kein Schuß, sie schienen von allen diesen
Anstalten nichts zu merken. Aber als es nun Friedrich Zeit dünkte, erging sein Befehl,
schnell waren die Zelte verschwunden, und das Heer zur Schlacht geordnet. Die verdeckten
Batterien begannen ihr schreckliches Spiel, und allen voran brach Senydlitz an der
Spitze seiner trefflichen Reiterscharen in die Haufen der erschrockenen Feinde. Solche
Schnelligkeit hatten die Franzgosen noch nie von den Deutschen gesehen, es war ihnen
unmöglich eine Schlachtreihe zu bilden, ehe anderthalb Stunden vergangen waren, war
die Schlacht entschieden, und das ganze französische Heer auf der Flucht (5. November 1757).
Sie hielten nicht eher stille, als bis sie mitten im Reiche waren, und viele glaubten sich
nur jenseits des Rheins sicher. In den Händen des Königs blieben 7000 Gefangene,
darunter 320 Offiziere, 63 Kanonen und 22 Fahnen, den Preußen kostete der Sieg nur
91 Tote und 274 Verwundete.
Sachsen war gerettet, aber Schlesien bedurfte der Hilfe des Königs, denn während
seiner Abwesenheit war sein Liebling Winterfeld dort gefallen. Die mächtige Festung
Schweidnitz war gefallen, bei Breslau waren die Preußen von den Oesterreichern
geschlagen worden, und Breslau selbst war in Feindeshand übergegangen. Schlesien
schien verloren, Friedrich berief seine Heerführer und hielt eine begeisternde Rede an sie.
Das ganze Heer wartete mit Ungeduld auf das Vorrücken gegen den Feind. Dieser
hatte feste Stellung hinter der Lohe genommen. Daun riet hier zu bleiben, der General
Lucchesi aber und andere redeten dem Prinzen Karl zu, dem Könige entgegen zu gehen.
Dieser Rat gefiel dem Prinzen; er verließ sein Lager. In der Gegend von Leuthen
trafen beide Heere am 6. Degember 1757 aufeinander. Das kaiserliche Heer nahm mit
seiner Schlachtreihe fast eine deutsche Meile ein. Friedrich wählte wieder die schräge
Schlachtordnung, ließ einen verstellten Angriff auf den rechten feindlichen Flügel machen,
während der Hauptstoß auf dem linken geschah, der über den Haufen geworfen wurde.
Kein Widerstand half nun mehr, in drei Stunden war ein völliger Sieg erfochten; das
Schlachtfeld war mit Toten bedeckt und ganze Haufen ergaben sich den Preußen, so daß
ihre Zahl auf 21000 geschätzt wurde. Rastlos verfolgte Friedrich den Sieg, bis die
Oesterreicher von dem Boden Schlesiens über die Grenzen Böhmens hinaus getrieben
waren. Das tat Zieten, während der König Breslau angriff, und dort wieder 17 000
Mann gefangen nahm. Auch Liegnitz ergab sich. Am Ende des Jahres waren alle
preußischen Länder, mit Ausnahme von Westfalen vom Feinde befreit.
Friedrich ließ nun (1758) in Wien Friedensvorschläge machen. Allein Maria
Theresia war noch zu erbittert gegen den Eroberer Schlesiens, der französische Hof redete
eifrig für Fortsetzung des Kriegs, weil er sonst den Kampf gegen die Engländer allein
hätte führen müssen. Von allen Seiten rüstete man sich. Der russische General Fermor
brach im Januar in Preußen ein, und eroberte das Königreich ohne Widerstand, weil
der General Lehwald gegen die Schweden nach Pommern gezogen war. Gegen ein so
ernstes Vorhaben der Feinde mußte Friedrich die äußersten Kräfte seiner Länder, sowie
des sächsischen Landes aufbieten. Mannschaft und Geld mußten mit angestrengter Tätig-