Full text : Fürst Bülows Reden. 2. Band 1903-1906. (2)

November  1906.  331

Welcher  Nutzen,  meine  Herren,  für  unsere  auswärtige  Politik  und  für
unsere  Interessen  im  Ausland  ist  beispielsweise  davon  zu  erwarten,  wenn
ein  freisinniges  Berliner  Blatt  in  einem  mir  vorgelegten  Artikel  schreibt:

Wo  es  sich  um  den  Schutz  der  Deutschen  im  Auslande  handelt,

würde  man  heute  wahrscheinlich  erst  fragen:  was  ist  der  Mann?

welcher  Konfession  gehört  er  an?  welcher  Partei  zählt  er  sich  zu?s
(sehr  richtig!  links)

und  wenn  die  Auskunft  verdächtig  erscheint,  dann  läßt  man  ihn

eben  in  der  Patsche  sitzen.

(Sehr  richtig!  bei  den  Sozialdemokraten.)
Meine  Herren,  das  ist  eine  leichtfertige  Unterstellung!
(Widerspruch  links.)

Natürlich  fehlt  auch  in  dem  Artikel  wieder  nicht  jener  schematische  Hinweis
  auf  Bismarck.  Wo  sind  die  Tatsachen,  die  dieses  unseren  ganzen
auswärtigen  Dienst  herabsetzende  Urteil  rechtfertigen  sollten?

(Bravol  rechts.)

Ich  weiß  sehr  wohl,  daß  man  hier  und  da  geklagt  hat  über
mangelnden  Schutz  im  Auslande.  Bei  näherer  Untersuchung,  an  welcher
ich  es  niemals  habe  fehlen  lassen,  hat  sich  in  der  Regel  ergeben,  daß
entweder  die  Tatsachen  falsch  wiedergegeben  waren,  oder  daß  es  sich
um  frühere  Deutsche  handelt,  die  ihre  Staatsangehörigkeit  längst  aufgegeben
  hatten.

(Hörtl  hört!  rechts.)

Der  Schutz  des  Reiches  wird  heute  allen  Deutschen  ohne  Unterschied
des  Standes,  der  Konfession  oder  der  Partei  zuteil;  auch  deutschen
Sozialdemokraten  ist  selbst  in  zweifelhaften  Fällen  nach  Recht  und  Gesetz
  beigestanden  worden.

(Zurufe  von  den  Sozialdemokraten.)

In  solchen  summarischen,  wegwerfenden  Urteilen  vermag  ich  keine
Förderung  unserer  nationalen  Interessen  zu  erblicken

(sehr  richtig!  rechts),

sondern  nur  eine  das  Interesse  schädigende  blinde  Kritiksucht.  Wer  sich
im  Auslande  umgesehen  hat,  der  weiß,  daß  wir  draußen  im  allgemeinen
über  ein  pflichttreues,  seinen  nationalen  Aufgaben  bewußtes  Beamtenpersonal
  verfügen.  Ich  erwarte,  daß  sich  unsere  Beamten  auch  durch
kränkende  und  ungerechte  Angriffe,  die  sie  über  sich  ergehen  lassen