112 III. Schülerspeisungen im Auslande.
Die Zahl der Speisungseinrichtungen ist mit 158 für London
ganz besonders groß. Außerordentlich schwer ist es, für diese Riesenadt
die Zahl der gespeisten Kinder zu ermitteln. In dem Bericht!)
ist die Zahl der gespeisten Kinder für den Durchschnitt der Woche
mit 26 951 angegeben, während die Totalsumme der tatsächlich
innerhalb einer Woche mit Speisung bedachten Kinder im Winter
1904/05 40 432 betrug. Die Differenz rührt davon her, daß das
einzelne Kind nicht alle Tage der Woche, sondern sehr häufig nur
jeden zweiten Tag eine Speisung erhält. Durchschnittlich erfolgt
die Speisung nur während der vier Wintermonate, zum größten Teile
unentgeltlich und umfaßt zumeist ein Mittagsmahl, während nur
selten ein Frühstück allein oder ein Frühstück und ein Tütagesn
verabreicht werden. Wenn auch die Zahl der gespeisten Kinder für
London mit 40 432 angenommen wird, so würde dies von der Gesamtzahl
von etwa 730 000 Kinder 550 Elementarschulen nur 5,200 bedeuten.
Allerdings ist hierbei nicht inbegriffen die Zahl der gespeisten
Schulkinder, die nicht unter der Aufsicht der Schulbehörde stehende
Schulen besuchen. Ob mit dieser Zahl nur annähernd alle bedürftigen
Kinder erfaßt werden, ist an keiner Stelle angegeben. Schulinspektor
Dr. Eichholz glaubt, daß die Zahl der unterernährten Schulkinder
Londons, wie schon hervorgehoben, mit 122 000 d. i. 1600 angegeben
werden müsse. Für eine Reihe anderer Städte wurde die Zahl der
gespeisten Kinder mit 2—40% der Schulkinder überhaupt ermittelt.
uch diese Befunde stimmen mit den angegebenen Zahlen der unterernährten
Kinder von 15—3000 nicht überein. Nach den Gesamtzahlen
dieser Tabelle würde also nach dem Stande von 1904 die
Gesamtzahl der gespeisten Kinder fast 130.000 betragen, und die Kosten
hierfür würden sich annähernd auf 700 000 K belaufen. Die mittlere
Speisungsdauer ist in der Tabelle angegeben. Nur in vereinzelten
Fällen erfolgt die Speisung das ganze Jahr hindurch. Über die
Art der einzelnen Mahlzeiten sind nur sehr spärliche Angaben zu
finden. In einigen Städten wird als Mittagsmahl eine Suppe
mit einem Stücke Brot, manchmal auch mit Pudding gegeben; als
Frühstück vielfach Milch mit Weißbrot oder Haferbrei. Doch ist die
Verabreichung von Tee und Kakao sowie Kaffee in diesen Speisungsanstalten
nicht selten. -
Eine Fachkommission, die auf Grund der gewonnenen Materialien
ein Urteil über die Notwendigkeit von Schülerspeisungen abgeben
sollte, glaubte die Hauptursache des häufigen Vorkommens unterernährter
Elementarschüler auf die soziale Lage der Eltern, auf die
Beschäftigung der Mütter außer dem Hause, dann aber auch auf eine
bedauernswerte Unwissenheit bezüglich der Art und richtigen Zubereitung
der für Kinder passenden Nahrung zurückführen zu müssen.
Allerdings sei es oft schwer — wie es im Gutachten der Kommission
weiter heißt — die Gründe für die Unterernährung richtig anzugeben,
da häufig auch angeborene Zustände, langes Aufbleiben, Arbeit nach
1) Report of the Inter-Departmental Committee on Medical Inspektion
and Feeding of Children Attending Public Elementary Schools. I, 1905.