Metadata : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

19  Raspel  —  rasseln.

Rast  —  rasten.  20

gramineus,  cespite  vestitus  Stieler;  kollert  er  nieder-boden  (fiel  rasselnd)  Freytag  Soll  2,  245;  wagen,

zum  rasigen  streifen  Droste  266.  2)  von  Naserei  ergriffen,
  unfinnig,  toll:  wic  toll,  rasig  und  unsiunig  sie
waren  Luther  3,  1695;  rasig.  rasicht,  rabidus,  vecors,
demens,  rasicht  werden,  einen  rasicht  machen  Stieler.

Naspel,  k.  Gerät  zum  Raspeln,  Art  grober  Feile:
holzfeile,  raspel  Stieler;  bolz-,  hornraspel;  besondere
Art  früher  in  Zuchthäusern,  vgl.  raspelhaus  —  Name
der  Muschel  oskrea  J/#4,  auch  Feile.  —  raspeln,  kratzen,
scharren,  schaben,  in  mehrfacher  Bed.;  Wiederholungsbildung
  zu  einem  ausgestorbenen  raspen,  kratzen,  scharren
(mit  raspe  Scharre,  Feile),  ahd.  raspôn,  mhd.  raspen,
das  wieder  mit  einem  starken  Verbum  ahd.  brespan,
scharren,  zupfen,  zusammenhängt.  raspeln  in  der  Bed.
scharren,  kratzen,  im  16.  Ih.  hänfig:  der  wan  raspelt
an  der  thur,  wil  hinein  Frey  Gartenges.  87;  raspeln
der  lent  gelt,  gut  und  hab  B  Waldis  Esop  1,  4,  und
noch  im  18.  Ih.:  wenn  wir  mit  anget  und  noth  ein
paar  thaler  geid  zusammen  geraspelt  haben  Rabener
3,  300;  bildlich:  jeder  schuleollega,  der  ein  lateinisches
programma  zusammen  raspeln  kunn  Lessing  Anti-Goeze

  1;  jetzt  kaum  mehr;  —  mit  der  Naspel  arbeiten:  h

raspelen,  d  lignaria  redolare  Stieler;  begann
ein  sägon,  bohren,  hobeln  und  raspeln  Freytag  Soll
1,  411;  früher  fürbehölzer  raspeln  schwere  Arbeit  in

uchthäusern  Jacobssonz  scherzend  suszholz  raspeln
süße  Worte  sagen,  den  Hos  machen  Freytag  Soll
1,  177.  —  In  Zusammensetzungen:  Raspelhaus,  n.
Haus  wo  man  raspelt,  früher  Bezeichnung  des  Zuchthauses
  (vgl.  unter  raspeln):  karbatsche  und  raspelhaus
Schiller  Fiesko  1,  9.  —  Raspelspan,  m.  Span  der
beim  Raspeln  abgeht.

Nasse,  k.  Stammart;  Lehnwort  aus  franz.  raee  (das
auf  ahd.  reiza  Strich,  Linie  zurückgeht);  im  18.  Jh.  in
franz.  Schreibart  übernommen,  die  anch  jetzt  noch  teilweise
  dauert;  von  Tieren,  aber  auch  von  Menschen,
tier-,  menschenrusse;  gute,  schlechte  rasse;  rasse  haben,
Eigentümlichkeiten  der  Stammart,  in  körperlicher  und
geistiger  Bezichung:  das  pferd,  der  hund  hat  rasse,  es
ist  rasse  in  ihm;  die  jugend  hier  ist  gesund  aueh
haben  sie  noch  race  Heyse  6,  39;  auf  rasse  balten;
in  verächtlichemn  Sinne:  das  volk  hier  ist  sehlechte
rasse.  —  Nassel,  k.  Gerät  zum  Rasseln,  Klapper  der
Nachtwächter  oder  Kinder:  sind  die  klappern  bei  der
hand  und  die  russeln?"  Goethe  Triumph  d.  Empfinds.  3;
die  rassel  am  hofthor  erklang  Freytag  Ahnen  5,  230.
—  rasseln,  lärmen,  klappern,  Wiederholungsbildung  zu
mhd.  razzen,  älter  uhd.  rassen.  lärmen,  toben;  in  älterer
oberdeutscher  Spr.  —  lärmen,  lustig  toben:  wir
Sanfen,  trinken,  ruslen,  praslen  werchtag,  feicrtag
Aventin  1,  60;  raszlen  und  spielen,  sechlemmen  und
demmen  Simpl.  1,  55;  auch  schnarchen,  röcheln:  rasseln
von  Saufenden  oder  Sterbenden  Frisch;  oberd.  noch
jetzt  stark  und  hörbar  Atem  holen,  schnarchen,  röcheln;
in  die  heutige  Spr.  der  ärztlichen  Wissenschaft  aufgenommen:
  russelndes  atemholen.  rasselgerausch  beim
atemholen;  —  sonst  im  nieder=  und  mitteldeutschen.

Gebiet  von  dem  harten  Geräusche  das  durch  bewegtes

Holz,  Steine  oder  Eisen  hervorgebracht  wird,  oberdeutsch
einst  unbekannt,  daher  im  Basler  Nachdruck  des  neuen
Test.  durch  brasplen.  rausehen,  roszien  übersetzt;  nach
dem  16.  Ih.  aber  in  der  Schriftspr.  allgemein:  rasselen,
erenare  Schottel;  von  verschiedenen  Gegenständen:
rasschn  der  wagen  (Joel  2,  5),  rücker  (Nahum  3,  2),  der
fugel  (Offenb.  9,  9),  der  pferdefusze  (Richt.  5,  22);  die
kutsche  rasselt  gar  zu  schr  Stieler;  rasselnde  ketten
Schiller  Räub.  1,  5;  wenn  ..  die  schwerter  rasseln
Hauff,  93;  dort.  rasselte  die  permancnte  guillotine
Grabbe  3,  99;  schlug  er  das  fell,  dasz  es  rasselnd
2crsprang  Freiligrath  1,  38;  rasselnd  winterlauh
Droste  30;  rasselnde  hlitze  Körner  Gebet  während

der  Schlacht,  u.  a.;  sein  gewechr  .  rasselte  aul  den

kanonen  rasseln  durch  die  strasze;  mit  allgemeinem  es:
unterdesz  klirrte  und  rasselte  es  im  hofraum  Freytag
Soll  1,  414;  von  Lebewesen,  die  sich  rafselnd  bewegen:
laut  rasschnd  sturzt  ihm  nach  der  trosz  Bürger  d.  wilde
Jäger;  hinter  uns  rasselt  der  feind  Geibel  2,  15d;
nachdem  die  gesellschaft..  auseinander  gerasselt  war
Keller  Sinnged.  120;  der  kettenhund  bekundet  dureb
zeitweiliges  rasseln  seine  wachsamkeit  Rosegger  Waldheim.
  1,  114;  daher:  der  einen  mann  mit  rasselnder
eile  daher  fahren  sieht  Goethe  Egm.  2;  dahin,  vorbei,
fort,  weg  rasseln;  mit  vier  pferden  durch  die  straszen
dahinrasseln  Schiller  Ränb.  2,  1;  mit  etwss  rssseln:
mit  ketten  rasseln,  er  rassclt  mit  thalern  Stieler;
von  Mufikinstrumenten:  schnarrende  lieder,  dic  er  mit
dem  raszlen  seiner  harfe  .  accompagnierte  Klinger
Theater  3,  116;  ein  ultes,  rasselndes  klarier;  verächtlich
von  marktschreierischem  Gebaren:  nieht  einer  zeit.  die
rassclt,  gilt  das  streben  des  dichters  Leuthold  Ged.
195;  —  statt  rascheln  (s.  d.):  auf  ärmlichem  lager
von  rasseludem  laube  Bürger  Pfarr.  Tocht.  v.  Taubenain.



Nast,  k.  Ausruhen,  Ruhe;  gemeingerm.,  in  der  Form
nicht  ganz  übereinstimmendes  Wort,  goth.  rasto,  altnord.
  röst,  altengl.  rüst,  altsächs.  ahd.  rasta.  resta,  den
Ruheort  nach  einem  Wege,  dann  auch  die  durchmessene
Wccgstrecke  (zu  ctwa  drei  Stunden  angenommen)  bezeichnend;
  ohne  urverwandte  Vergleiche;  die  Bed.  des
Halteplatzes,  Lagerortes  ist  im  mhd.  raste,  rsst,  auch
nhd.  nicht  vergessen,  namentlich  in  der  Formel  die  sonne
geht  zu  rast  (H  Sachs  Fastn.  Sp.  1,  22),  tirolisch  die
rast,  Station  auf  dem  Wege,  wo  gerastet  wird  Schöpf;
auch  die  Bed.  der  Wegstrecke  und  des  Streckenmaßes
tritt  mhd.  und  fpäter  noch  hervor:  le#ca,  leiga  rast
wegs,  zwu  meyl  wegs  Dies.;  doch  hat  sich  schon  in  der
älteren  Spr.  die  überwiegende  Bed.  des  Junehaltens
im  Wege  und  in  der  Arbeit,  Ansruhens  ergeben:  quies,
requies  raste,  roste,  rost  Dief.;  den  truppen  auf  dem
marsche,  den  tieren  rast  gewähren,  gönnen;  in  dichterischer
  und  gehobener  Spr.  rast  suchen,  finden,  keine
rast  haben,  sonder,  ohne  rast;  liche  gibt  dem  herzen
rast  in  der  muh-  und  sorgenlast  PGerhard  306;
daher  triebs  ibn  sonder  rast  Grillparzer  2,  210;
o  selige  rast,  wic  verlang  ich  dein!'  Uhlands;  auch
Aushören  von  Unglück,  Pause  in  Widrigem  bezeichnend:
wotern  ich,  gott,  nicht  merke  dasz  du  sie  (die  Schicksalslast)
  angefaszt,  so  weisz  ieh  keine  rast  Königsberger
  Dict.  267;  ruhig  herrschte  der  könig,  und  es
war  dem  hause  Tantals  die  lang  entbehrte  rast  gewährt
  Goethe  Iphig.  1,  3;  in  Bezug  auf  das  Grab:
im  grabe  ist  rast;  in  starrer  rast  .  schlummert  das
gebein  Droste  307;  in  der  Formel  rast  und  ruhe;  du
aller  muden  ruh  und  rast  PGerhard  46;  ich  wandle
ohne  rast  und  ruh  Schiller  Rätsel  14.  An  einem
Gewehr  Kerbe  in  der  Nuß  des  Gewehrschlosses,  wodurch
der  Hahn  in  Nuh  gestellt  wird;  beim  Hinterlader:  in
den  einzelnen  stellungen  wird  der  schieber  durch  kleine
.  rasten  festgehalten  Instr.  5;  am  Hochofen  rast  der
abschüssige  Teil  unterhalb  des  Kohlensackes.  —  Zusammensetzungen:
  rasllos,  ohne  Nast:  ein  rastloser  geist,
rastlose  senfzer  Adelung;  winde  ieh  mich  rastlos
Schiller  2,  393;  rastlose  sorge  Kab.  1,  7.  —  Naststelle,
  k.  Stelle  zur  Rast,  zumal  auf  dem  Marsche  Freytag
  Abnen  5,  57.  —  Nasttag,  m.  Tag  für  die  Nast,  besonders
  aus  Marsch  und  Neise:  ruhe-  iite  rasttag
Stieler;  konnten  rasttage  ihnen  (den  Truppen)  nicht
bewilligt  ..  werden  Moltke  3,  368.

Nasten,  Rast  machen,  ausruhen,  ahd.  rastön  neben
restan,  mhd.  rasten  und  resten,  die  letztere  Form  lebt
nhd.  nicht  mehr;  acquleseere,  quiere  rasten,  resten
Dies.;  an  einem  orte,  nuf  dem  marsche  rasten;  ubernachten
  und  rasten  Goethe  Herm.  u.  Dor.  2;  bier