Full text : Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) vom 18. August 1896 nebst dem Einführungsgesetze vom 18. August 1896.

Kaiser  wurde  gelobt,  weil  er  den  politischen  Katholizismus,  der  in  diesem
Sinne  zugleich  polnischer  antideutscher  Katholizismus  war,  freien  Lauf  ließ
und  seine  Führer  zu  hohen,  einflußreichen  Stellen  emporhob  und  sie  für  den
Kulturkampf  des  ebenso  bösen  wie  politisch  unfähigen  Bismarck  um  Verzeihung
  bat.

In  Ansprachen,  die  der  Papst  Leo  XIII.  an  Pilger  hielt,  nannte  er  Deutschland
  bereits  ‚Germania  mea‘‘.  Friedrich  Naumann  schrieb:  ‚‚Der  Kaiser  lobt
die  ‚edlen  Herren  der  Kirche‘,  der  Papst  aber  lobt  den  Kaiser.  In  seiner  Rede
in  Aachen  1902  sagte  der  Kaiser,  daß  ihm  der  Papst  habe  bestellen  lassen:
‚Das  Land  in  Europa,  wo  noch  Zucht,  Ordnung  und  Disziplin  herrsche,  Respekt
  vor  der  Obrigkeit,  Achtung  vor  der  Kirche,  und  wo  jeder  Katholik  ungestört
  und  frei  seinem  Glauben  leben  könne,  das  sei  das  Deutsche  Reich,
und  das  danke  er  dem  Deutschen  Kaiser!‘  ‘“  —  Naumann  bemerkt  hierzu:
„Diese  kirchliche  Zensur  für  den  Nachfolger  Bismarcks  war  selbst  einigen
katholischen  Blättern  zu  gut,  aber  Generaloberst  von  Loe,  der  Vertrauensmann
  der  Kurie,  hat  sie  dann  nochmals  bestätigt.  Canossa  ist  —  anders  genannt
  worden.  Der  Kaiser  stellt  seine  Söhne  dem  Papst  in  Rom  vor,  der
Reichskanzler  verbeugt  sich  lächelnd  vor  jedem  Bischof,  es  ist  ein  goldiges
Wetter  für  die  Römer.‘  Hinzuzufügen  wäre,  daß  die  Botschaft  des  Papstes,
besonders  deren  Veröffentlichung,  in  richtiger  politischer  Berechnung  auf  den
damaligen  Kirchenstreit  in  Frankreich  gemünzt  war,  den  großen  Freimaurerangriff,
  es  braucht  nur  an  die  Namen  Combes,  Waldeck-Rousseau,
Andre,  die  Austreibung  der  Kongregationen  erinnert  zu  werden.  Wäre
Leo  XIII.,  der  ein  Mann  von  hohen  Gaben  war,  zwanzig  Jahre  jünger  gewesen,
  so  würde  sein  außerordentlicher  Einfluß  auf  den  Kaiser,  auf  die
deutsche  Politik  und  das  Leben  in  Deutschland  überhaupt  tiefe  Furchen  gezogen
  haben.  Derselbe  Friedrich  Naumann  schreibt  in  anderem  Zusarumenhang,
  ebenfalls  in  den  ersten  Jahren  des  Jahrhunderts:  ‚Es  gibt  von  Rom
aus  eine  doppelte  Methode  katholischer  Weltpolitik  gegenüber  Deutschland
  :  entweder  der  Katholizismus  zersetzt,  oder  er  vergrößert  und  beherrscht
das  Reich.‘‘  Das  war  für  jene  Zeit,  auch  geschichtlich,  richtig  gesehen,  und
dann  stellte  er  ratlos  die  Frage:  ‚Und  wo  soll  das  alles  hinaus  ?  Soll  etwa
doch  die  Geschichte  des  neuen  Deutschen  Reiches  in  Ultramontanismus
enden  ?  Soll  die  Größe  der  Zentrumspartei,  der  Blick  auf  Österreich  und  die
Angst  vor  den  Demokraten  das  Kaisertum  endgültig  romanisieren  ?  Wir
glauben  es  nicht,  aber  wir  fühlen,  daß  es  großer  Anstrengungen  bedürfen
wird,  um  das  Verhängnis  abzuwenden.‘  —  Naumann  hatte  Anfang  der
neunziger  Jahre  die  Nationalsoziale  Partei  gegründet,  ohne  sie  vorwärtsbringen
  zu  können.  Nach  ihrer  baldigen  Auflösung  ging  dieser  ehrliche,
durchaus  deutsche  Mensch  zur  jüdisch  geführten  Demokratie  über,  die  ihn

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