Mai 1907. 45
daß sie fortfahren müssen, ihre Organisationen auszubauen und eine kräftige
Agitation gegen die sozialdemokratische Partei zu führen.
(Sehr richtig!)
Aus allen Ausführungen des Herrn Vorredners sprach der Wunsch, daß sich
die bürgerlichen Parteien untereinander und die Regierung mit den bürgerlichen
Parteien recht bald und recht allgemein in die Haarc geraten mögen.
s ist nicht meine Absicht, diesem Wunsche des Herrn Vorredners Rechnung
zu kragen, und schon deshalb gehe ich nicht auf eine Reihe von Fragen ein,
dic er berührt hat.
(Große Heiterkeit.)
Ich will aber einen Punkt richtigstellen, der mich persönlich berührt.
Der Herr Vorredner hat einen Zeitungsartikel zur Sprache goebracht, den ich
in einer früheren Reichstagssitzung verlesen haben). Ich will konstatieren,
daß ich die Angaben über das mit „Wilhelm Dittmann“ unterzeichnete Flugblatt
aus der „Frankfurter Zeitung“ mit ausdrücklicher Angabe dieses
Blattes als Quelle verlesen habe. Daß der „Frankfurter Zeitung“ darüber
bereits eine Berichtigung zugegangen war, ist mir, als ich die Stelle aus dem
Artikel verlas, nicht bekannt gewesen. Ich habe aber von dieser Berichtigung
sofort in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ Notiz nehmen lassen.
Ich will auch hier Akt davon nehmen, daß nach der gerichtlichen Feststellung
der von der „Frankfurter Zeitung“ bona fide erhobene Vorwurf tatsächlich
nicht begründet war. Sie werden mich, meine Herren, immer bereit finden,
einen Irrtum richtigzustellen und auch dem Gegner Gerechtigkeit widerfahren
zu lassen: ich kann aber nur wünschen, daß auch von Ihrer Seite
ebenso loyal verfahren werden möge.
(Bravo!)
5. Poleufrage und Cuteigunngsgeseh.
Sitzung des Abgcordnetenhauses vom 26. November 1907.
Die Thronrede, mit der am 8. Januar 1907 die III. Session der 20. Legislaturperiode
des Landtags eröffnet worden war, hatte folgenden Passus enthalten:
„Die gegenwärtige Lage in den östlichen Provinzen zeigt dentlicher denn
je, daß Preußens geschichtliche Aufgabe der Stärkung des Deutschtums in
diesen Landesteilen zu ihrer Lösung die ernstesten Anstrengungen erfordert.
Die Königliche Staatsregierung hält die kraftvolle und beharrliche Durchführung
der zur Erfüllung dieser Aufgabe eingeleiteten staatlichen Maß-1)
S. die Rede vom 26. Februar 1907, oben S. 21.