Full text : Fünfzig Jahre aus Preußens und Deutschlands Geschichte.

240  Der  Deutsch-dänische  Krieg.

25.  Januar  noch  ungnädiger  entlassen  als  zuvor.  Ahrliches  wiederholte  sich
in  der  nächsten  Landtagssession  (14.  Januar  bis  17.  Juni  1865),  nur  daß
diesmal  auch  noch  die  Mittel  für  die  Vermehrung  der  Kriegsflotte  sowie  die
nachträgliche  Genehmigung  der  Kosten  des  dänischen  Krieges  verweigert
wurden.  Dagegen  wurde  der  neue  Vertrag  mit  den  Zollvereinsstaaten,  die
Handelsverträge  mit  Frankreich,  Osterreich,  England  und  Belgien  bereitwillig
angenommen.

Unter  solchen  Umständen  durfte  man  sich  nicht  wundern,  wenn  wohlgemeinte
  Vermittelungsversuche  erfolglos  blieben.  Infolge  des  immer  nur
sich  verschärfenden  Konflikts  zwischen  der  Regierung  und  dem  Abgeordnetenhause
  war  von  solchen  Vermittelungsbestrebungen  ein  wesentlicher  Einfluß  auf
die  Entschließungen  der  maßgebenden  Kreise  ebenso  wenig  zu  erwarten,  wie
von  den  hier  und  da  auftauchenden  Bestrebungen  der  politischen  Vereine,
z.  B.  des  „Nationalvereins“,  des  großdeutschen  „Reformvereins“  u.  a.  Bei
beiden  machte  sich  nach  Maßgabe  der  Lage  der  Dinge  und  der  zunehmenden
Abspannung  eher  eine  rückgängige  Bewegung  bemerkbar.  Es  mußten  eben
erst  neue  Thaten  geschehen,  um  diese  politischen  Kreise  mit  neuem  Geiste  zu
erfüllen.

Für  den  Leiter  der  preußischen  Politik  stand  längst  die  Überzeugung  fest,
daß  der  eigentliche  Schwerpunkt  für  die  Entscheidung  der  großen  Tagesfrage
weniger  in  oder  bei  den  vaterländischen  Vertretungskörpern,  auch  nicht  in  den
Herzogtümern  selbst,  als  vielmehr  außerhalb  derselben  liege.  Demgemäß  beschränkte
  sich  die  preußische  Regierung,  da  sie  durch  Verhandlungen  mit  Osterreich
  nicht  zum  Ziele  gelangen  konnte,  vorläufig  darauf,  die  Lösung  der  Frage
hinauszuschieben  und  das  Eintreten  günstiger  Umstände  abzuwarten.

Bismarcks  politischer  Scharfblick  hatte  vorhergesehen,  daß  die  Mehrheit
des  preußischen  Volkes  der  Einverleibung  der  Herzogtümer  sich  schließlich  doch
zuneigen  werde,  zumal  da  Neid  und  Eifersüchtelei  in  Osterreich  und  in  den
deutschen  Mittelstaaten  an  den  durch  Preußen  herbeigeführten  Waffenerfolgen
herumzumäkeln  begannen.  Bei  dem  regen  Ehrgefühl  des  preußischen  Volkes
ward  immer  lauter  und  mit  gerechtem  Stolze  auf  die  „elegante  Weise  der
Kriegführung“,  auf  die  treffliche  Haltung  und  Tapferkeit  des  preußischen
Heeres,  welches  die  Nordmarken  für  Deutschland  gewonnen,  hingewiesen.  Es
war  vorauszusehen,  daß  die  erkämpften  Erfolge  trotz  des  sich  einstweilen  noch
kundgebenden  Mißtrauens  schließlich  auch  in  Preußen  ihre  guten  Früchte  tragen
würden.

Auf  Grund  solcher  Anschauungen  gab  man  sich  auch  der  Hoffnung  hin,
die  noch  Widerstrebenden  im  Landtage  für  den  Gedanken  der  Einverleibung
der  Elbherzogtümer  oder  deren  Anschluß  an  Preußen  doch  am  Ende  zu  gewinnen,
  zumal  sich  für  die  Errichtung  eines  neuen  Mittelstaats  in  Norddeutschland
  immer  weniger  Berufene  erwärmen  mochten.

Der  König  hatte  den  im  Januar  1865  wieder  zusammengetretenen
Landtag  mit  dem  dringenden  Wunsche  eröffnet,  „daß  der  Gegensatz,  welcher
in  den  letzten  Jahren  zwischen  der  Regierung  und  dem  Hause  der  Abgeordneten
obgewaltet  habe,  nun  seine  Ausgleichung  finden  möchte.“  .  „(Die  be-