14 Vorschläge zur Ernährung des deutschen Volles in Krieg und Frieden.
an öffentliche Brotfabriken, an Händler und an Mehlmagazine
zu liefern wäre. Zum Brotverkauf wären die Bäcker in der
erforderlichen Zahl mit einer angemessenen Gewinnbeteiligung
heranzuziehen. Ob sich in Zukunft der Privatbäcker in den
Großstädten und Industriezentren noch in dem Maße mit
Brotbacken wird abgeben können, wie er es heute tut, erscheint
zweifelhaft, da kommunale und genossenschaftliche Brotbäckereien
volkswirtschaftlich produktiver und privatwirtschaftlich
rentabler arbeiten können. Soweit die vorhandenen Bäcker
nicht in den großen Brotfabriken Unterkunft finden, werden
sie sich wohl auf den Verkauf des Fabrikbrotes im Kleinen
und die Herstellung feinen Gebäcks zurückziehen müssen —
nur die Erzeugung und Verteilung unbedingt notwendiger
Massenbedarfsartikel fällt unter die Aufgaben der Gemeinwirtschaft.
— Den Rahmen für die Getreide-, Müllereiprodukten-
und Brotpreise hätte das Reich aufäustellen. wobei
aber den Landwirten und Gemeinden die in den örtlich verschiedenen
Verhältnissen begründete Bewegungsfreiheit in der
Preisbemessung zu belassen wäre. Eine zweite Aufgabe, zu
deren Ubernahme einzig und allein das Reich imstande ist,
ist die Monopolisierung der ausländischen Getreideeinfuhr im
Sinne der lex Kanitz.
An volkswirtschaftlicher Bedeutung kommt dem Brot
am nächsten die Milch und die aus ihr gewonnenen Nahrungsmittel.
Deusschland erzeugt jährlich etwa 26 Milliarden Liter,
wovon ein Drittel Trinkzwecken dient und zwei Drittel zu
Butter und Käse verarbeitet werden. Hier sind es im wesentlichen
hygienische und bevölkerungspolitische Gesichtspunkte,
die auf das öffentliche Monopol drängen, wobei keineswegs
die gewaltige wirtschaftliche Bedeutung eines Reichsmilchmonopols
unterschätzt werden soll. Werden nämlich die von
allen namhaften Hygienikern, die sich mit dem Problem der
Bereitstellung gesundheitlich einwandfreier Milch beschäftigt
haben, geforderten Maßnahmen, am besten durch ein Reichsmilchgesetz,
zwingend vorgeschrieben, so würde sich unter Bei-