100 Parteielend.
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J.
Das oben wiedergegebene Wahlbild ist zahlenmäßig unwiderleglich und doch rit
richtig. Denn es geht immer noch von der Vorausfetzung eines zu reifen Volke
aus, eines Volkes, das sich am Schluß eines so ungeheuren Ringens um seine
Weltstellung und seine wirtschaftliche Jukunft um die Fragen seiner Weltstellung
und seiner wirtschaftlichen Jukunft auch kümmert. Das sind aber Fragen, über
die noch keine 10 Prozent der Wähler bei der Wahl überhaupt tiefer nachdenken-Weshalb
werden 3. B. Sozialdemokraten gewählt? Der größte Teil der Aet
beiter wählt sie, weil die sozialdemokratische Partei nun einmal als die Partei der
Arbeiter gilt. Ob sie die deutsche Arbeiterschaft in die Höhe oder in den Abgrund
führt, ist dabei nebensächlich. Ebenso wie „man“ in der guten Gesellschaft in ein
Theaterstück oder in einen Vortrag geht, wenn irgendein kleiner Gesellschaftsklüng
die Losung ausgegeben hat, „man“ gehe dorthin, wählt der Arbeiter sozialdemokratist "
weil „man“ eben Arbeiter ist. Der Fabrikarbeiter R. Schulz behauptet in einem
Brief an den Vorwärts (Deutsche Zeitung 157, 7. 4. 1919), der größere 1
der Arbeiter habe sozialdemokratisch gewählt, weil er sich davon Steuerfreiheit un
rasches müheloses Reichwerden ohne viel Arbeit erhoffte. Der nächste Beweggrun
zur Wahl der Sozialdemokraten ist die Absiche, irgendeiner Unzufriedenheit Au--druck
zu geben, die vorübergehender oder grundsätzlicher Natur sein kann. Der wicht
tigste grundsätzliche Punkt dieser Art ist für eine stattliche Anzahl das Vorhandensein
von Leuten, die größere Köpfe, ein feineres Empfinden, besseres Benehmen, me
Geld oder Einkommen oder eine angesehenere Stellung haben, als man selbst hat,
die Unzufriedenheit mit dem Schlechterweggekommen sein. Nur eine Unterabteilung
dieser Leute sind jene Unzufriedenen, welche besonders keine Könige und keinen
burtsadel und keine Beamten“ und Offiziersüberlieferung haben wollen. „Je
wollen wir einmal die Herren sein!“, das ist der treibende Grundgedanke, wel
diese Schicht zusammenhält. Die Einbildung, die Herren zu sein, wenn sie s
doppelt so sklavisch frischeingeströmten Galiziern, verkrachten Journalisten und jüdischen
Rechtsanwälten unterordnen, als sie es jemals der Monarchie gegenũ *
getan haben, läßt sie auch der Revolution treu bleiben, wenn ihnen dieselbe nichtals
Enttäuschungen bringt. Aus dem gleichen Grunde ist unser Heer so unzu
verlässig geworden. Es braucht nur irgendein Hetzer den Soldaten und Arbeis
tern vorzuschwindeln, irgendeine Ordnungsmaßregel wolle an ihre „Herrschaft
tasten, dann hat er die blinden Massen hinter sich. it
Ein großer Teil sozialdemokratischer Wähler vom 19. Januar wollte mi
seiner Wahl den Wunsch ausdrücken, die alten Fürsten möchten nicht me t
wiederkehren, ohne damit den Wunsch zu verbinden, von den Herren Ebert,
Scheidemann, Haase, Eisner usw. regiert zu werden. Eine andere Art unzufriedenheit
richtet sich weniger gegen bestehende Verfassungen als gegen erlebte
Justände des Krieges; man hatte — mit Recht — das Gefühl, die Leute, die un
während des Krieges regiert haben, sind nicht fähig, unsere Geschicke ersprießlich 1#
lenken, und wählte deshalb sozialdemokratisch; daß man damit eben jene Leute wäl t,
welche in Wahrheit während des Krieges regiert haben, stört, entsprechend ihrem
Reifegrad, jene Wähler so wenig wie die eben erlebte Erfahrung der Fortdauer a e
Zustaͤnde unter dem offenen sozialdemokratischen Regiment, des Kriegswuchers
der Höhe der Preise, der Mangel an Lebens= und Bedarfsmitteln aller Art, d
Kriegsgesellschaftenwirtschaft, der ungerechten Verteilung der Güter, des Klünge
wesens usw. Ein anderer Teil der Wähler nahm auch an, der Teufel Bolschewismu