Veutsches Reitz. (März 6.—8.) 265
das Landwirtschaftsministerium in der Weise werden im Auge behalten
werden, wie es der notwendigen Weitererzeugung unserer Lebens= und
Nahrungsmittel unbedingt entspricht. Mit dem Abg. Stull stimme ich ganz
darin überein, in diesem Augenblicke kommt es nicht mehr und nicht allein
darauf an, die Lebensmittel zu verteilen, sondern die Hauptsache ist, neue
Lebensmittel zu gewinnen. Ich hoffe, mit dieser Anschauung auch in Zukunft
Ihre Zustimmung zu erhalten. (Stürm. B. r. u. im Ztr., Widerspruch 1.)
Ein Schlußantrag wird angenommen.
Abg. Pachnicke (Fortschr. Vp.) (zur Geschäftsordnung): Es wird im
Lande nicht verstanden werden, daß nach dem hochpolitischen Charakter der
gestrigen Rede des Landwirtschaftsministers, der heute noch unterstrichen worden
ist, die Debatte geschlossen ist. Dieser Schluß ist auch ungewöhnlich nach den
Vorwürfen, die der Abg. Stull gegen die Linke gerichtet hat.
Abg. Giesberts (Ztir.): Auch ich bedaure, daß die große Mehrheit
auch meiner politischen Freunde den Schluß herbeigeführt hat. Das kann
nur lebhafte Beunruhigung und Verstimmung erzeugen. Man mag über
die Eingabe der Gewerkschaften denken wie man will, den Vorwurf des
Machwerks, den ihr der Landwirtschaftsminister gemacht hat, verdient sie
nicht. Ohne mich mit ihren Einzelheiten zu identifizieren, muß ich doch
sagen, sie ist geboren aus der Not der Zeit. Die Arbeiter tragen diese
mindestens ebenso wie die Landwirtschaft. Die Verantwortung müssen die
Gewerkschaften für alles Weitere ablehnen.
Abg. v. Heydebrand (Kons.): Die Herren können ja doch in der
dritten Lesung noch ausführlich auf die Sache zurückkommen.
Abg. Ad. Hoffmann (Soz. Arb.): Es ist sonst üblich, daß, wenn ein
Minister spricht, damit die Debatte eröffnet ist und Gelegenheit gegeben
wird, darauf zu antworten. Diese ganze Art war nur eine Rettungskomödie
für den Landwirtschaftsminister. (Lachen.)
Ueber den kons. Antrag (s. S. 259) wird absatzweise abgestimmt. Abk. 1
wird mit großer Mehrheit angenommen, die Abs. 2 und 3 gegen die Stimmen
der Soz., Freis. und eines Teils der Natl.
Am B. wird in der Tagespresse bekannt gegeben, daß Frhr. v. Schorlemer
erst kürzlich (am 24. Febr.) an die preuß. Landwirtschaftskammern
einen Erlaß gerichtet hat, worin er nachdrücklich auf die Notwendigkeit
hinweist, die ländliche Bevölkerung mehr, als es bisher geschehen
ist, über die Lage der Lebensmittelversorgung aufzuklären. Der Minister
betont, es müsse den Landwirten immer wieder, möglichst auch von ihren
führenden Berufsgenossen, gesagt werden, daß es nur dann möglich sei,
die städtische Bevölkerung zu ernähren, wenn alles auf dem Lande Entbehrliche
abgeliefert werde.
6. März. (Hessen.) Eröffnung des Landtags.
7. März. (Berlin.) Einea. ö. Generalversammlung der Deutschen
Bank genehmigt die Verschmelzung des Schles. Bankvereins in
Breslau und der Nordd. Creditanstalt in Königsberg mit der
Deutschen Bank.
Diese Verschmelzung der Deutschen Bank mit den beiden großen Bankinstituten
des deutschen Ostens besitzt eine nicht geringe politische Bedeutung.
8. März. über die deutschfeindliche Politik der Vereinigten
Staaten seit Kriegsbeginn veröffentlicht die „Nordd. Allg. Ztg."
unter dem Titel „Fair dealing“ folgende Darlegungen: