Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

 

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Nummex  114

selbst  engibt,  war  die  Truppe  vor  allem  durch
die  aupcrorden  tiiche  Wirkung  der  schweren  Artillerie
  der  Verbündeten  stark  erschüttert.  Am
Morgen  des  5.  Mai  meldeten  die  Flieger,  die
burch  ihre  Unermndlichkeit  und  ausgezeichneen
  Meldungen  die  Führung  außerordentlich  unterütgten
  und  deren  Tätigleit  durch  die  warme
Maiensonne  ganz  w.  sentli  h  begunstigt  wurde.
den  Wuchug  des  Feindes  auf  allen  von  Jaslo
nach  Osten  und  Norden  führenden  Straßen.
Sie  waren  sämtlich  von  in  großer  Unordnung
abziehenden  Kolonnen  bededt.  Die  Straßenbrücken
  bei  Jaslo  brannten  und  die  Eisen
bahnbrücen  krer  die  Ropa  und  die  Wisloko.
waren  gesprengt.

Nun  war  kein  Zweifel  mehr,  daß  der  Feind
nicht  mehr  die  Kraft  besaß,  die  Wislokalinia
zu  verteidigen.  Der  Aerzicht  auf  die  Behaupkung
  dieser  Linie  mußte  aber  von  der  weitesttragenden
  Bedeutung  für  die  russische  Nachbar-Armee
  werden,  deren  Steilungen  im  nördlichen
Zipfel  Ungarns  nummehr  unhaltbar  wurden.
Die  strategische  Wirkung  des  Durchbruchs  mußte
sich  jetzt  fühlbar  machen  und  die  Aufrollung  der
russischen  Karpathenfront  bis  Zum  Lupkowsattel
  als  Frucht  des  gelungenen  Durchbruches  dem
Sieger  in  den  Schoß  fallen.  Zögerte  der
Feind  mit  dem  Abzuge.  dann  wurden  ihm  die
rückwärligen  Verbindungen  verlegt  und  seine
im  Gebirge  stehenden  Truppen  abgeschnitten.

Tatsächlich  brachte  der  Telegraph  von  der
benachbarten  Arme:  des  Generals  der  Infanterie
  Boroevic  von  Bojna  schon  am  frühen
  Worgen  die  Kunde,  daß  der  vor  ihr  gewesene
  Feind  in  der  Nacht  vom  4.  Mai  den  Abmarsch
  nach  Norden  angetreten  habe,  und  daß
er  sich  nahezu  vor  der  ganzen  Front  im  eiligen,
teilweise  fluchtartigen  Rückzuge  befände.  Die
drilte  österreichische  Armee  folgte  dem  Feinde
auf  dem  Fuße.  Um  diesem  aber  womöglich  noch
die  Rückzugsstraße  zu  verlegen,  ließ  der  den
rechten  Flügel  der  Armee  Mackensen  befehligene
de  General  von  Emmich  seine  Truppen,  die  bei
IJmuagrod  dant  dem  eiligen  Abzug  der  Russen
die  Wiolokabrücke  noch  unversehrt  gesunden  hatten.
  in  einem  Gewaltmarsch  bis  zu  Jasiolka
nördlich  Dukla,  vorrücken,  sodaß  seine  Kanonen
  am  Abend  dieses  Tages  die  Stadt  Dukla
und  die  von  dem  gleichnamigen,  vielgenannten
Paß  heranführende  Gebirgsstraße  unter  Feuer
nehmen  konnten.  Während  Hannoveraner  und
Bayern  Wacht  gegen  die  Karpathen  hielten,
damit  aus  ihnen  nichts  nach  Norden  entschlüpfe,
stand  im  Rücken  der  deutschen  Truppen  noch
schanzender  Feind.  Im  übrigen  rückten  Mitte
und  linker  Flügel  der  Armee  Mackensen  an  diesem
  Tage,  gegen  feindliche  Nachhnien  lämpfend,
  an  die  Wisloka  heran.

Am  6.  Mai  vollzog  die  Masse  der  Armee
den  Uebergang  über  den  Fluß.  Der  Feind  versuchte.
  preußischen  Garderegimentern  die  östlichen
  Uferhöhen  streitig  zu  machen  und  ließ  15
Feldianonen  somie  zwei  schwere  Geschütze  in
Hand  des  Siegers.  Die  Gardeiruppen  hatten
bis  dahin  allein  12  000  Gesangene  gemacht.
3  Ceschütze  und  45  Maschinengewehre  erbeutet.
In  engster  Zusammenarbeit  mit  dem  Generalobersten
  von  Mackensen  überschritt  die  Armee
dee  Eriherzogs  Joseph  Ferdinand  mit  ihrem
rechten  Flügel  die  Wislola.

Die  10.  österr.  Division,  die  unter  der  Führung
  ihres  Kommandeurs  Generals  v.  Mecensefjn
  während  der  sänitlichen  bis  cherigen  Kämpfe
sich  besonders  ausgezeichnet  hatte,  sette  sich  am

7.  Mai  nach  einem  erbitterten  Straßenklampf
in  lodes  mutigem  Sturm  in  den  Besitz  der  Stadt
Brzoftel,  die  #i##  Russen  hartnäig  verteidigt
hatten.  Mitte  und.  iuler  Flugel  der  österreichischen
  Armee  warsen  ##.##4  Feind  aus  verschiedenen
zah  verteidigten  Nachhutst-  lungen  und  setzten
ihren  Vormarsch  fort.  Die  erch  rze  liche  Armee
hatte  bis  zum  Abend  dieses  Tag#  2½000  Gefangene
  gemacht,  3  Geschütze  und  45  M.  schinengewehre
  erbeutet.

esscheber  Dachriestes.

Zwickau,  Mai.  Beim  Aussuchen  eines
Brandherdes  in  dct  ttcfllcnvohlcdc  Bürgerachtes
  sind  ein  Steiger,  sein  (ehilse  und  ein
Obersteiger  tödlich  verunglückt.  Alle  drei  waren
verheiratet  und  Familienväter.  Die  Leichen
wurden  geborgen.

Sch  neidemühl,  11.  Mai.  In  Knakendorf
  im  Kreise  Deutsch-Krone  sind  gestern  durch
die  Unvorsichtigkeit  eines  Dienstjungen  die  Gehöste
  dreier  Besitzer  niedergebraunt.  Bei  den
Reltungearbeiten  kamen  drei  andere  Besitzer  zu
Tode,  als  das  Strobdach  eines  Hauses  herunterstürzte.
  Sie  wurden  als  total  verkohlle
Leichen  hervorgezogen.  Die  Frau  eines  anderen
Besitzers  erlitt  schwere  Brandwunden.

12
1*——————
München,  11.  Mai.  Durch  den  Sturm  entstand
  gestern  nachmitlag  ein  schweres  Brandunglück.
  In  ihrer  elterlichen  Wohnung  an  der
Belgradstraße  stand  die  zehnjährige  Schlosseretochter
  Babette  Schmiol  am  geheizten  Ofen,  als
plotzlich  in  den  Kamin  ein  Windstoß  fuhr  und
die  Flammen  aus  dem  Csen  trieb.  Die  Kleider
des  Mädchens  singen  Feuer  und  das  bedauerns?-werte
  Kind  erlitt  am  ganzen  Korper  schwere
Brandwunden.

 

 

 

Bswveriches  Verlend

Miesbach,  11.  Mai.  Wie  verlautet,  werden
auch  die  Wirte  des  Bezirkes  Miesbach  ab  1.

uni  die  in  anderen  Bezirken  bereits  beslehende
Preie  serhölhung  des  vͤtiia.  Z=  und  Abendtisches
eintreten  lassen.  Eine  in  nächster  Zeil  stattfindende
  Versammlung  wird  darüber  beschließen,
wie  es  ermöglickht  werden  kann,  darin  einen  Ausgleich
  zu  finden.

mtühldorf,  11.  Mai.  Ein  gräßliches  Unglück
ereignete  sich  heute  in  der  Lederiegasse.  Der
fünf  Valre  alte  Knabe  der  Sägerseheleute
Amiereller  vergnügte  sich  mit  Reifschlagen.  Dabei
  kam  er  zu  Fall  und  stieß  sich  die  eiserne
Stange,  der  er  sich  zum  Forttreiben  des  Reises
bediente,  mit  voller  Wucht  in  ein  Auge.  Ein
Spielgefährte  2og  dem  unglücklichen  Amereller
die  Stange  aus  der  Augenhöhle.  Der  Vater
des  beklagenswerten  Kindes  steht  im  Felde.

mühldorf,  11.  Mai.  Eine  schwere  Heimsuchung
  ist  über  die  Vindermeisterssamilie  Hocherl
  in  der  Wies  hereingebrochen.  Die  Höcherleheleute
  befassen  sich  auch  mit  der  Näucherung
von  Fleischwaren.  Gestern  mittag  brach  in  der
Selchlammer  ein  Brand  aus,  dem  die  gesamten
Fleischvorräte  zum  Opfer  fielen.  Es  sollen  etwa
16  Zentner  Schweinefleisch  gewesen  sein.  Höcherl
steht  seit  dem  zweiten  Mobilmachungstage  im
Felde.  Das  ugrunde  gegangene  Floeisch  hatte
einen  Wert  von  etwa  1000)  Ml.  Es  sollen  Awa
30  Personen  Fleisch  zum  Räuchern  übergeben
haben.

 

Kommnunales.

Sitzung  des  Nollegiums  der  Gemeinde.
Bevollmächtigten  in  Resenheim.
am  Dienstag,  den  11.  Mai  1915
vormittags  9  Uhr.

Anwesend:  21  Mitglieder.

Vorsitzender:  (6.-B.  Finsterwalder.

In  die  Rommission  betr.  Getreide-,  Mehlund
  Futtermittelversorgung  werden  vom  Kol-58
  die  G.-B.  Finsterwalder  und  Huber  eni-VBom

  Pochwerkskanal  in  der  Salinstraße.


In  Sachen  der  Verbindungsstraße  zwischen
Salin=  und  Kufsteinerstraße  ist  seinerzeit  beschlossen
  worden,  einen  Teil  der  Arbeiten  jetzt
und  einen  Teil  im  Herbst  als  Notstandsarbeilen
durchführen  zu  lassen.  Nunmebr  hat  sich  herausgestellt,
  daß  in  der  Salinstraße  die  Ueberdedung
des  Pochwerlslanals  vollständig  verrostet  ist,
sodaß  eine  schleunige  Instandsetzung  hrforderlich
wurde,  um  cv.  ein  Unglück  zu  verhüten,  wenn
ein  schweres  Lastfuhrwerk  die  Strecke  passierte.
Auch  die  Mauerung  ist  reparaturbedür.  tig.  Diese
Ausbesserungen  mustien,  wie  der  Vorsitzende  berichtete,
  umgehend  ausgeführt  werden.  Insgesamt
  war  dafür  ein  Betrag  von  500  Mart
erforderlich.  Ohne  weitere  Debatte  stimmte  das
Kollegium  der  Forderung  zu.

Die  Plakatierung  bei  der  Mobilmachung.



Gegen  cin  geringes  Pauschale  besorgt  das
Plakatinftitut  Keil  auch  das  Plalatieren  der
städt.  Belanntmachungen.  Aus  Anlaß  der  Molilmachung
  waren  gröhere  und  zahlreiche  Vorschriften
  längere  Zeit  zu  plalatieren.  Hr.  Keil
ersuchte,  die  Kosten  dafür  in  Höhe  pon  107.50
Mark  gesondert  berechnen  zu  dürfen.  Aus  Billigleitsgründen
  genehmigte  der  Stadtmagistrat
diesen  Betrag.  Diesem  Beschluß  trat  auch  das
Kollegium  der  Gemeindebevollmächtigten  einstimmig
  bei,  umsomehr,  als  Hr.  Keil  das  Plalalieren
  für  die  Wohltätigkeitsveranstaltungen
usw.  gänzlich  unentgeltlich  besorgt.

Rechnungsprüfungen.

Zunächst  berichtete  G.-B.  Schmidt  über  die
Rechnungen  der  Eisenmannschen  und  Högnerschen
  Stipendienstiftungen  für  das  Jahr  1913.
Die  Eisenmannsche  Stiftung  hat  jetzt  ein  Vermögen
  von  7535.79  Mk.,  während  sich  das
Reinvermögen  der  Högnerschen  Stipendienstiftung
  auf  30119.32  Mk.  beläuft.  Ohne  jede  Erinnerung
  wur  urn  die  beiden  Rechnungen  genehmigt.


Ueber  die  Rechnung  der  Reichalmosenstliftung
für  1913  berichtete  G.-B.  Ruedorffer.  Die  Slif.
ung  ist  bereits  auf  das  14.  Jahrhundert  zurückzuführen.
  In  dieser  Stiftung  wird  auch
das  Ellmaierhaus  verrechnet,  welches  im  Jahre
1913  ein  Mieterträgnis  von  4102  Mk.  hatte.
Die  Gesamteinnahmen  betragen  9164  Mk.  Die
Auagaben  setzen  sich  zusammen  aus  verschiedenen
Zuschüssen  zum  Armenhaus,  zur  Suppenanstalt,
zur  Veabreichung  warmen  Essens  an  bedürftige
Kinder  usw.  Dem  Armenfonds  überweist  sie
50))  Mark,  dem  Spitalbaufonds  2000  Mk.,
welch  letzterer  Betrag  heuer  für  die  Unterstützung
von  Gewerbetreibenden  im  Krieg  verwendet
wird.  Die  Gesamtausgaben  stellen  sich  auf
10  245  Mark,  so  daß  die  Rechnung  diesmal  mit
einem  Passiorest  von  1082  Mk.  abschließt  gegen
27439  Mk.  Aktivrest  im  Jahre  vorher.  Besonbeiten

  im  Ellmaierhaus.  Das  Gesamtvermögen
der  Stistung  beträgt  185  457  Mk.,  darunter
59763  Mk.  Kapitalien.  Auch  diese  Rechnung

 

wuxde  ohne  Beanstandung  genehmigt.

ders  in  Betracht  kommen  die  Instandsetzungsar

 

Ueber  die  Rechnung  des  Armenhauses  für
1913  berichtete  ebenfalls  G.-B.  Ruedorffer.
Das  Armenhaus  zählte  in  diesem  Jahre  15  Insassen,
  darunter  3  Männer.  Der  jüngste  Mann
zihlte  58,  die  älteste  Frau  35  Jahre.  Das
Reinvermögen  stellt  sich  auf  40  543  Mk.,  daruner
  19  469  Mk.  Kapitalien.  Ueber  die  Mehrausgaben
  in  Höhe  von  1011  Ml.  wurde  die
Bemerlung  angefügt,  daß  sie  unverhältnismäßig
hoch  seien.  Verursacht  sind  sie  haumsächlich
durch  Verabreichung  des  Frühstücks,  wofür  von
Frl.  Gerfraud  Stumbeck  ein  Betrag  von  600
Mark  zur  Verfügung  gestellt  wird.  G.  V.  Göpsert
  fragte,  ob  die  Bäckerlieferungen  im  Turnus
verteilt  werden.  Der  Berichterstatter  erwiderte,
daß  die  Bäcker  bei  den  einzelnen  Anstalten
berüdsichtigt  würden.  Im  letzten  Jahre  hätten
wei  Bäcker  in  das  Armenhaus  geliefert,  im

Jahr  zuvor  nur  einer.  Es  sei  besser,  wenn  für
die  einzelnen  Sliftungen  der  gleiche  Bäcler  beblbehalten
  werde,  während  G.-B.  Göpfert  von
der  Abwechselung  sich  bessere  Resultale  verspricht.
Im  übrigen  wurde  die  Rechnung  erinnerungelos
angenommen.

Nach  der  Rechnung  des  Zierbrunnenfonds
für  1913  Hhat  dieser  Fonds  ein  Vermögen  von
2146  Mk.  .  Er  wlrd  alljährlich  mit  10100  Ml.
aus  der  Gemeindekasse  gespeist.  Die  Rechnung,
wurde  erinnerungslos  verbeschieden.

Die  Lokalarmenkasse.

Weiter  beschäftigte  sich  das  Kollegium  mit
dem  Voranschlag  der  Lokalarmenkasse  für  1915.
Berichterstatter  war  G.-B.  Dachs.  Das  Schlußergebnis
  des  Voranschlages  ist,  daß  das  Gesamterfordernis
  91  747.86  Mk.  beträgt,  dem
Einnahmen  in  Höhe  von  nur  24  146.86  Mark
gegenüberstehen.  Somit  ist  der  Fehlbetrag  von
67000  Mk.  durch  Umlagen  zu  decken.  Gegenüber
  dem  Vorjahre  hat  diese  Summe  eine  nicht
unwesentliche  Erhölung  erfahren.  Damals  stellten
  sich  die  Ausgaben  auf  83  837.36  Mk.,  denen
Einnahmen  in  Höhe  von  27537.86  Mk.  gegenüberstanden,
  sodaß  ein  Fehlbetrag  von
56  300  Mark  sich  ergab.  Angesichts  dieser  Steigerung
  meinte  der  Verichterstatter,  der  Bedarf
würde  sich  vielleicht  in  drei  bis  vier  Jahren
schon  auf  100  000  Mk.  stellen.  Mangels  irgendwelcher
  Fonds,  über  welche  andere  Städte
verfügten,  müßten  hier  diese  Beträge  auf  die
Umlagen  übernommen  werden.  Dem  Armenbflegschaftsrat
  stellt  die  Kasse  2610  Mk.  zur
Verfügung  für  Unterstützungen,  für  die  Unterbringung
  von  Peisteskranken  sind  170/.00  Mark,
für  die  Ausbildung  und  Pflege  von  Kindern

18000  Mark  aufzubringen.  Von  diesen  letzteren
Posten  werden  Dreiviertel  wieder  vom  Kreisei
vergütet.  Die  Kranlenbehandlung,  einschließlich
Arzt  und  Apothelsc,  ist  mit  9000  Mk.  eingesetzt.
Wie  stark  der  städtische  Zuschuß  gewachsen  ist,
ergibt  sich  aus  der  Tatsache,  daß  er  im  Jahre
1876  noch  6800  Mt.  betrug.  Im  Jahre  1907
und  1911  blieb  der  jeweilige  Zuschuß  von  einer
Erhöhung  verschont.  Zu  berücksichtigen  ist  auch
die  Uebernahme  von  Unterstützungsbedürftigen
von  auswärts.  Bereits  sind  330#1  von  auswärts,
übernommen  worden.  Weiteren  Einfluß  wird
auch  der  am  kommenden  1.  Januar  in  Kraft
tretende  Unterstützungswohnsitz  ausüben.  Die
Glückwunschenthebungskarten  brachten  den  Einnahmen
  1200  Mk.  Der  Voranschlag  wurde
erinnerungslos  genehmigt,  jedoch  die  Bemerkung
angefügt,  daß  man  der  Rechnung  für  1913  und
191  baldigst  entgegensehe.

LCatalnackrichen.
Rosenheim,  12.  Mai.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gesallen:
Uiltualienhändler  Mar  Strohmaner  aus  Bad
Aibling  (seine  Kameraden  sandten  der  Witwe
und  den  zwei  Kindern  130  Mk.);  Franz  Taver
Ester  aus  Loholz,  Oberjäger  im  Res.  Zäger-Bat.

Das  Eiserne  Kreuz  wurde  verliehen  vom
Landsturm-Infanterie-Bataillon  Wasserburg:
dem  Offiziersstellvertreter  Albert  Heizer,  dem
Feldwebel  Emil  Schweighardt,  den  Vigefeldwebeln
  Otto  Bühlmann  und  Ludwig  Hinterneder,
  den  Unteroffizieren  Georg  Lachenmaier
und  Matthias  Stecher,  den  Gefreiten  Johann
Ascherl  und  Albert  Dergmam,  dem  Landsturmmann
  Franz  Oßwald.

Bayerische  Kriegsfürsorge.  Zn  der
Zeit  vom  14.  bis  22.  Mai  1915  soll  in  gan:
Vayern  unter  Leitung  der  Orts=  und  Bezirkeausschüsse
  für  die  Kriegeinvalidenfürsorge  eine
Webzeugsammlung  von  Haus  zu  Haus  vorgenommen
  werden.  In  jedem  Haushalt  gibt  es
Dinge,  die  unverwendbar  und  doch  zu  schade  zum
Verbrennen  sind:  Tuchreste,  Kleiderstoffe,  abgetragene
  und  zerrissene  Kleider,  Vorhänge.
Fanelssachen,  alte  Soden,  Lappen.  Unterkleider,
  Tuchdecken,  kurz,  Sachen,  die  in  Schrank
und  Kasten  nur  den  Plotz  beengen  und  von
Motten  zerfressen,  schließlich  doch  in  den  Lumpensack
  wandern  müssen.  Durch  die  Reichswollwoche
  ist  zwar  schon  ein  Teil  dieser  Stofse  und
Stoffreste  für  unsere  Soldaten  gesammelt  worden,
  es  gibt  aber  licher  noch  genug  solchen  unbequemen
  Kram  in  KRisten  und  nschften  aus
dessen  Verkauf  noch  erhebliche  Mittel  für  die
Kriegeinvalidenfürsorge  gewonnen  werden  können.
  Deshalb  empfehlen  wir  dringend  Nachschan
  und  Bereitlegung  zur  Abholung.

Entflohene  Gefangenec.  Aus  dem  Gefangenenlager
  Puchheim  entfloh  der  russische
Kriegsgefangene  Maley  Anton  (25  Jahre  alt,

 

 

Oonnersfag,  I3.  Mal  1915

1.70  Meter  groß,  braunes  Haar,  bartlos,  graue
Augen,  abgemagerte  Gestalt,  bekleidet  mit  grüner
  Uniformbluse,  russlsche  Feldmütze,  schwarze
Zivilhose  mit  rotem  Oelfarbstreifen,  Holzschuhen
  mit  Vederbesatz,  spricht  vict  deutsch).  In
Münsingen  entwichen  Schott  Erust,  Sergeant.
(braunhaarig),  Maillaud  Heuri,  Sergeant:
Peguignod  122  Jahre  alt.  1.65  Mocter  großt.
schmächtig,  dunkelhaarig,  finsterer  Bleck,  schielt,
gebogene  Nase,  bartlos);  Manguls  de  Vracomdal,
  Student,  Fileger  (21  Jahre  alt.  1.60
Meter  groß.  rote  Haare,  Sommersprossen.  blaut
Augen,  roter  Barianflun,  spricht  etwas  deutsch
hat  Geld);  Puchen  stud.  med.  (25  Jahre,  1.6.,
Meter  groh,  dunkelhaarig,  vorstehende  Angen,
spricht  etwas  deutsch);  Combarmont  Bictor  (2.
Jahre  alt,  1.70  Meter  groß,  blond,  lleiner
Schnurrbart);  Leon  Louis  (26  Jahre  alt.  1.72
Meier  groß,  braunhaarig,  kleiner  Schnurrbart).

Gefunden.  Eine  Brille  und  eine  Uhr  wiur.
den  gefunden;  abzuholen  im  magistratischen  Ce
schäftszimmer  Nr.  2.

Mufik  und  Theaker.

Ein  heimischer  Komponist.  Aus
Traunstein  brachte  die  „M.  N.  N."“  in  ihrer
Nummer  222  vom  2.  Mai  folgenden  Bericht:

Dieser  Tage  fand  hier  ein  Wolltätigleils
ionzert  statt.  Frau  Landgerichtsdireltor  Riedl
sang  auszer  zwei  arößeren  Arien  mehrere  pracht
voll  empfundene  Lieder,  entnommen  der  Lie  derreihe
  „Aus  Deutschlands  Heldenzeit“;  die  Sän
gerin  sowie  der  Komponist  Ph.  Weber  ernteten
starlen  Beifall.  Mit  großem  Erfolge  trat  hier
die  junge  Geigerin  Frl.  Marie  Stamm  auf,
eine  Schülerin  des  Professors  Felir  Berber,
die  bei  starker  Begabung  ernstes  Streben  be
lundete.“  Es  wird  von  Interesse  sein,  zu  er
sahren,  daß  der  oben  erwähnte  Komponisl  Ph.
Wekter  der  hiesige  protest.  Stadtpfarrer  ist,  der
eine  Folge  von  schnell  beliebt  gewordenen,  viel
gesungenen  Kriegeliedern  herausgegeben  Bal.
Auch  hier  sind  sie  schon  in  einem  engeren  Kreise
rühmlichst  bekannt.  Die  begabte  junge  Geigerin,
Frl.  Marie  Stamm,  ist  die  Tochter  des  Bau
rates  Stamm  in  München,  der  einige  Jahre
hier  als  Vorstand  des  Kgl.  Landbauamtes
wirkte.

 

Dergnügungsanzeiger

Lichtspiele  Helios.  Im  Hotel  „Deuticher
  Kaiser“  gelangt  am  Christihimmelsahrts
tag,  ab  mittags  1  Uhr,  der  grohartige  Kunflsilm
  „Die  Toteninsel“,  Lebensroman  nach  Bodlinschen
  Motiven  in  4  Akten,  zur  Vorführung.
Herrliche  Szenerien  und  wunderbare  Ausstat
tung  gestalten  diesen  Prachtfilm  zu  einem  Mei
sierwerl.  Der  allerneuest:  Kriegswockenbckricht
und  verschiedene  erstilalfige  Nebennummern  sind
dem  Pro:  ara  ssioiin

Mark-es-  W

München.  11.  Mai.  Der  Münchener
Schlachtviehmarkt  am  Montag  hatte  ein
Gesamtangebol  von!  2078  Schlachttieren,  und
zwar:  380)  Ochsen,  64  Bullen,  175  Kühe,  39
Jungrinder,  657  Kälber,  1007  Schweine,  49
Schafe  und  7  Lämmer,  sowie  Kitze.  Der  Groß
viehmarlt  hatte  der  Zahbl  nach  nur  schwaches
Angebot.  Der  Beschaffenheit  nach  waren  vom
neu  zugeführten  baycrischen  Vich  13  Ochsen
und  52  Kühe  gute,  eltwa  70  Stück,  haun!l
sächlich  Küde  und  Jungrinder  mindere,  alle
übrigen  Tiere  mittlere  Mare.  Vom  außerbayerischen
  Inlandsvieh  waren  von  den  Ochsen
26,  von  den  Kühen  6  Stück  gute,  alle  übri
gen  Tiere  bessere  Mittelware.  Der  Handel  setzte
ansangs  etwas  zurückhaltend  ein,  da  wegen
Ausbruchs  der  Maul-  und  Klauenseuche  die  ganden,
  mit  Beginn  des  Marktes  vorhanden  geme
senen  Vorräte  zur  Schlachtung  geräumt  werden
  mußien,  und  man  dadurch  sich  einigen  Einfluß
  auf  die  Preise  ausmüben  verhoffte.  Später
  entwickelte  sich  die  Kauflust  etwas  besser,  sodaß
  nicht  bloß  die  Preise  des  letzten  Freitagsmarktes
  durchwegs  gehalten  werden  lonnien,
sondern  für  beste  Ware,  insbesondere  Kalbinnen
einzeln  höhere  Preise  angelegt  werden  munten.
In  der  Hauptsache  galten  der  Zentner  Lebendgewicht:
  bayerische  Ochsen  52  73  Mk.,  norddeutsche
  Ochsen  64  68  Mk.,  Bullen  43.56
Mark,  Kühe,  sowie  Kolbinnen  32  63  Ml.  und
Jungvieh  30  42  Mk.  Der  Kälbermarkt  hatte
der  Zahl  nach  nur  schwach  mittelmäßiges  An
gebot.  Der  Beschaffenheit  nach  waren  elwa
100  Stück  des  Vorrates  gute,  250  Stück  mitllere
und  der  Rest  mindere  Ware.  Die  Nachfrage
setzte  schon  ab  Beginn  des  Marltes  ziemlich
flott  ein,  insbesondere  bei  besseren  und  mittlercht.
Qualitälen,  was  zur  Folge  hatte,  daß  gegen
Freitag  die  Preise  neuerlich  um  bis  gu  7  Mark
per  Zentner  anzogen.  Der  Schweinemartt  hatte
der  Zahl  nach  gegen  frühere  Montagsmärkte
schwere,  die  übrigen  junge  Tiere  unter  120
Vorrates  waren  Fettschweine,  500  Stück  mittelschwere,
  die  übrigen  jungen  Tiere  unter  120
Pfund  Lebendgewicht.  Der  Handel  gestaltete
sich  etwas  schleppend,  da  die  Verkäufer  ihre
Preisforderungen  gegen  den  letzten  Freitagsmarkt
  sowohl  in  lebender  als  auch  in  geschlachteter
  Ware  neuerlich  um  2—3  Mark  #er
ner  erhöhten.  der  Hauptsache  galn  1  tevende
Tiere  85—95  Mk.,  geschlachtete  I.,  107  Ml.
Beste  Ware  erzielte  lebend  bis  zu  0#  dllI.,  ge
schlachtet  bis  zu  118  Mk.  der  Zentner,  in  einzelnen
  Fällen  sogar  auch  darüber.