Wenige Tage nach dem 8. August 1918 berief ich einen Kronrat,
um Klarheit über die Lage zu gewinnen und die daraus
zu ziehenden Schlüsse für die vom Grafen Hertling zu befolgende
Politik ziehen zu können. Die Oberste Heeresleitung billigte den
Gedanken, daß der Reichskanzler die Möglichkeit einer Annäherungsaktion
an den Feind ins Auge fassen solle, betonte aber die Notwendigkeit,
zuvor die Siegfriedstellung zu beziehen und den Feind
dort gründlich abzuschlagen; dann erst könne man mit dem Verhandeln
beginnen. Daraufhin wurde von mir befohlen, daß der
Kanzler sich mit einer neutralen Macht — den Niederlanden — in
Verbindung setzen solle, um zu erkunden, ob sie bereit sei, einen
solchen Vermittlungsschritt zu tun.
Sehr erschwerend für den über Holland beabsichigten Schritt
war es, daß Österreich zu keinem klaren Einverständnis zu bringen
war, sondern seine erbetene Erklärung endlos hinschleppte. Sogar
eine mündliche Verabredung des Kaisers Karl mit mir wurde bald
nachher unter Burians Einfluß von ihm wieder umgestoßen. Die
niederländische Regierung war von mir schon benachrichtigt und hatte
ihre Bereitschaft erklärt. Inzwischen hatte Österreich ohne unser
Wissen das erste Sonderfriedensangebot gemacht und brachte dadurch
den Stein ins Rollen. Kaiser Karl war wohl unter der Hand
schon von sich aus mit der Entente in Fühlung getreten und längst
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