Full text : Kriegführung und Politik.

Nichtausnutzung  der  Marine.  165

industrie  unentbehrliche  Eisenerz,  und  die  Versorgung  des  linken
Flügels  der  Armeen  des  Oberbefehlshabers  Ost  auf  dem  Seewege
nach  Libau.  Das  Marinekorps  tat  in  Flandern  seine  Schuldigkeit.
Die  Mittelmeer-Division  in  Konstantinopel  hatte  wesentlichen  Anteil
an  dem  Anschluß  der  Türkei  an  den  damaligen  Zweibund.  Kreuzer
beunruhigten  gelegentlich  die  Meere.  Tapfer  kämpften  Matrosen  in
Ostafrika.  Das  war  aber  kein  vollwertiges  Handeln  in  einem  Kriege,
in  dem  das  Heer  bisher  allein  um  den  Sieg  rang.  Das  Heer  hatte
berechtigten  Anspruch  auf  wirksamen  Beistand,  zumal  die  Aus—
gaben  für  die  Marine  im  Frieden,  dank  der  Politik  des  Reichs—
tages  und  der  Regierung,  dem  Heere  Kraft  gekostet  hatten.  Es  war
auch  geradezu  eine  Ungeheuerlichkeit,  daß  der  Vierbund  den  Wirt—
schaftskrieg  mit  seiner  ganzen  Schwere  fühlte,  während  die  Völker
der  Entente  annähernd  wie  im  Frieden  lebten,  obschon  wir  ihnen
Ähnliches  bereiten  konnten,  wie  sie  uns.  Allerdings  hatten  unsere
maßgebenden  Stellen  ebenso  wie  die  Allgemeinheit  auch  jetzt  noch
recht  wenig  über  das  Wesen  des  Wirtschaftskrieges  nachgedacht,
sonst  wäre  bei  uns  ein  Verständnis  für  die  Ungleichheit  der  Kampf—
und  Lebensbedingungen  der  kriegführenden  Völker  vorhanden  gewesen
  und  unsere  Notlage  gegenüber  den  Verhältnissen  beim  Feinde
viel  schärfer  zugunsten  des  U-Bootkrieges  in  die  Wagschale  geworfen
  worden.  Das  Volk  konnte  erwarten,  daß  auch  die  Marine
voll  in  seinem  Daseinskampf  eingesetzt  wurde,  was  diese  selbst  so
sehr  erstrebte.

Gegen  den  uneingeschränkten  U-Bootkrieg  schien  die  Haltung
der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika  zu  sprechen.

Auf  die  Irrwege  unserer  Politik  ihnen  gegenüber  in  der
Führung  des  uneingeschränkten  U-Bootkrieges  vor  dem  29.  August
1916  soll  hier  nicht  eingegangen  werden.  Sie  bekundeten  die
grenzenlose  Schwäche  unserer  Politik  den  kriegführenden  und  neutralen
  Mächten  gegenüber.  Sie  mußten  den  Schein  hervorrufen,
daß  wir  vor  Drohung  stets  zurückwichen.  Sie  waren  somit  eine
ernste  Belastung  für  die  Zukunft.

Der  Verzicht  auf  die  Führung  des  uneingeschränkten  U-Bootkrieges
  im  Frühjahr  1916  unter  dem  Zwang  der  Politik  kann  nur