140 Die Gemeindebesteuerung im Großherzogtum Baden.
wichtiges Hilfsmittel zu einer rationellen Ausgestaltung der städtischen
Bau- und Bodenpolitik, wie er auch den wirksamsten Hebel zu einer
zweckmäßigen Fortentwicklung der industriellen und Verkehrsverhältnisse
bildet. Die meisten größeren Städte haben daher ihr besonderes Augen—
merk auf die Vermehrung des städtischen Grundeigentums in den letzten
beiden Jahrzehnten gerichtet. In Mannheim z. B. trat die Gemeinde
bei allen Zwangsversteigerungen, Veräußerungen im Teilungswege, jedem
günstigen freihändigen Angebot unbebauten Landes als Kaufliebhaberin
auf; keine irgendwie sich bietende Gelegenheit zum Erwerbe eines Grundstücks
und zur gleichzeitigen Ausschaltung der privaten Spekulation
wurde unbenutzt gelassen. Als Bau= und Straßengelände wurden bis
Ende 1905 155, 97 ha, zur Erweiterung der gewerblichen Unternehmungen
40,87 ha, für Zwecke des von der Stadt angelegten Industriehafens
113,59 ha und zur Arrondierung des sonstigen Besitzes 351,66 ha im
Kauf= oder Tauschwege erworben. Eine sehr wertvolle und ausgedehnte
Bereicherung erfuhr der Gemeindegrundbesitz sodann durch die Einverleibung
von Käfertal (1048,53 ha) und Neckarau (371,39 ha). Anderseits sind
in den Jahren 1891/1905 vom Liegenschaftsbesitz der Stadtgemeinde für
Straßen, Plätze und Anlagen 57,89 ha, für städtische Werke, Schulen
und Verwaltungsgebäude 15,63 ha benötigt und 110.78 ha als Bauterrain
für industrielle Anlagen und Wohnungszwecke veräußert worden.
An den in der Periode 1892/1905 durch Kauf und Tausch vollzogenen
980 8 Eigentumsübergängen mit einem Wert von insgesamt 364 929 688 Mk.
war die Stadt mit 1599 Rechtsgeschäften (16,3 %) und einer Summe von
30 965 614 Mk. (8,5 %) beteiligt. Ende 1905 betrug die Gesamtfläche des
städtischen Grundbesitzes 2431,62 ha. Davon entfielen auf dem Gemeingebrauch
gewidmetes, daher nicht bewertbares Areal (Straßen, Wege, Plätze)
244,10 ha, auf die städtischen Betriebsunternehmungen 40,87 ha; 21,87 ha
waren überbaut und 172,83 ha als Promenaden und Anlagen verwendet.
Die Exerzierplätze, Friedhöfe, Lagerplätze und das baureife Gelände in
den verschiedenen Stadterweiterungsgebieten umfaßten 289,17 ha, die
Stadtwaldungen 753,18 ha und der landwirtschaftliche Besitz 900,58 ha.
Die Fläche des städtischen Grundeigentums ist von 28 % im Jahre 1870
auf 36,8 % der Gemarkung im Jahre 1905 gewachsen. Ende 1891 war
der nutzbare Besitz unter Außerachtlassung der bebauten Flächen und des
Straßenterrains auf etwa 22 Millionen, Ende 1905 aber auf nahezu
50 Millionen bewertet. Mannheim hat mit seiner rationellen Bauund
Bodenpolitik für viele Städte vorbildlich gewirkt und geradezu
glänzende Erfolge erzielt. Auf der einen Seite ist es der Stadt