Volltext : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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gedankenlos  nach  dem  alten  Herkommen  wirtschaftet,  sondern  sich  der
Gründe  und  Folgen  in  ihrem  Treiben  überall  bewußt  zu  werden  sucht.
Von  nun  an  erhielt  die  Landwirtschaft  nicht  bloß  eine  Literatur,  sondern
auch  verbesserte  landwirtschaftliche  Geräte  und  mancherlei  Maschinen,
welche  Arbeitskräfte  ersparen  und  die  Arbeit  selbst  erleichtern  und  be—
schleunigen.  An  vielen  Orten  entstanden  landwirtschaftliche  Schulen,
auf  welchen  junge  Männer  für  einsichtigere  und  erfolgreichere  Betreibung
der  Landwirtschaft  vorgebildet  werden.

Als  im  Laufe  des  19.  Jahrhunderts  die  Chemie  wunderbare  schnelle
Fortschritte  machte,  wandte  sie  sich  auch  dem  landwirtschaftlichen  Betriebe
zu.  Sie  hat  manche  Verbesserungen  in  der  Landwirtschaft  zustande  gebracht;
  besonders  hat  der  1872  in  München  verstorbene  Professor  Justus
von  Liebig  sich  um  die  Agrikulturchemie  große  Verdienste  erworben.
Seiner  Forschung  namentlich  verdankt  man  die  zweckmäßige  Anwendung
der  künstlichen  Düngemittel.

Anfangs  hat  sich  der  kleine  Landmann  gegen  Aufnahme  mancher
Verbesserungen  in  der  Landwirtschaft  gesträubt;  aber  durch  den  Erfolg
überzeugt,  ist  er  in  der  letzten  Zeit  immer  mehr  zu  ihrer  Aufnahme  ge—
neigt  geworden.  Gegenwärtig  steht  er  auf  dem  Punkte  selbst  zu  einem  verständigen
  Betrieb  der  Landwirtschaft  überzugehen.  Nach  Kirchmann.

 

63.  Der  Einsluß  Karls  des  Großen  (768—814)  auf  die
Entwicklung  der  deutschen  Landwirtschaft.

Mit  Karl  dem  Großen  beginnt  ein  neuer  Zeitabschnitt  für  den  Ackerbau
  Deutschlands.  Dieser  Fürst  widmete  dem  Landbau  die  eifrigste  Sorgfalt,
  munterte  zur  Ausrodung  der  Wälder  auf  und  überließ  denen,  welche
solche  Arbeit  verrichteten,  einen  Teil  des  neugewonnenen  Bodens  als
Grundzins  leistendes  Eigentum.  Und  nicht  nur  durch  Gesetze  und  Verordnungen
  suchte  er  Ackerbau  und  Viehzucht  zu  heben,  er  selbst  ging  durch
Einrichtung  von  Musterwirtschaften  auf  seinen  Hausgütern  (Meierhöfen)
den  Landbauern  mit  gutem  Beispiel  voran.  Auf  alles  sah  er  hier  persönlich
  und  ließ  sich  selbst  die  Rechnungen  vorlegen.

Noch  zwei  Jahre  vor  seinem  Tode  erließ  Karl  der  Große  eine  Verordnung
  über  die  Bewirtschaftung  seiner  Güter,  welche  über  den  damaligen
Stand  des  Ackerbaus  höchst  wissenswerte  Aufschlüsse  gibt.  Darin  wird
gehandelt  von  der  Bebauung  der  Getreidefelder  und  der  Wiesen,  von  der
Bewirtschaftung  der  Wälder,  von  der  Viehzucht,  von  der  Pflege  der  Pferde,
von  der  Bienenzucht  und  bis  ins  einzelnste  vom  Gartenbau.  So  erfahren
wir,  auf  welche  Blumen  und  Gemüse  die  deutsche  Gärtnerei  zu  Anfang  des
9.  Jahrhunderts  Fleiß  und  Sorgfalt  verwandte;  wir  erhalten  Kunde,  daß
Lilien,  Rösen  und  andere  Ziergesträuche  gepflegt,  daß  Kümmel,  Fenchel,
Petersilie,  Kresse,  Gurken,  Bohnen,  Karotten,  Zwiebeln,  Lauch,  Kerbel,
Rübenkohl  und  andere  Gemüse  gezogen  wurden.  Auch  der  Obstbau  wird
betont  und  auf  die  verschiedenen  Arten  des  Stein=  und  Kernobstes  näher