Full text : Gemeindefinanzen. Erster Band. (1)

1.  1611  455

sich  selbst  Ihren  bekannten  Eifer  zeigen  werden;  aber  es  geben  die  Mai  12.
im  Reich  vordem  vorgefallenen  Handlungen  zu  erkennen,  wie  stark
sich  unsere  Widersacher  bei  solchen  Gelegenheiten  bemühen,  das  zur
Handhabung  und  zum  Aufnehmen  unserer  Religion  Dienliche  zu  verhindern.
So  werde  ich  u.  a.  von  glaubwürdigen  Orten  berichtet,  dass  unter
den  böbmischen  Ständen  einige  unserer  Religion  nicht  zugethane  bei
dieser  Gelegenheit  es  dahin  richten  wollen,  die  Gesellschaft  Jesu  aus
Prag  und  aus  der  ganzen  Krone  Böhmen  zu  vertreiben.  „Nun  ist
aber  E.  M.‘  und  L.  ohne  mein  erinnerung  selbsten  unverborgen,
was  diese  societet  und  gottseelige  institution  bishero  sowol  im  heil.
reich  deutscher  nation  als  andern  königreichen  und  ländern,  die  mit
irrtthumben  der  religion  befleckt  worden,  mit  predigen,  unterweisung
der  lieben  jugend,  auch  andern  geistlichen  functionibus  für  frucht
geschaffen  und  wie  stark  hierdurch  der  sonsten  vor  augen  gestandene
völlige  untergang  des  catholischen  glaubens  vermehret  worden,  welches
dann  gewiesslichen  die  vornembste  ursach  ist,  dass  unsere  widersacher
diesen  orden  vor  andern  abhold  sein  und  dessen  vertilgung  alles
angelegenen  vleiss  begehren  und  suchen.  Sintemal  ich  dann  der
ungezweifelten  mainung  bin,  dass  die  vertreibung  und  abthuung  mehrberührter
  societet,  derselbigen  collegien  und  schulen,  wo  nit  die  vertilgung
  der  catholischen  religion  mit  sich  ziehe,  jedoch  ein  gewiesse
vorberaitung  darzue  sei,  so  lasse  ich  mir  auch  derselben  societet
handhabung  umb  sovil  euveriger  angelegen  sein  und  wurde  dardurch
zue  dieser  meiner  erinnerung  angetrieben,  E.  M.'  und  L.  hiermit
beweglich  ersuchende,  Sie  geruehe  mir  diese  meine  erinnerung  nicht
allein  in  unguten  nit  zu  vermerken  sonder  Ihro  bei  gegenwertigen
handlungen  mit  den  böhemischen  ständen  die  societet  Jesu  in  gnaden
lassen  bevohlen  sein,  damit  sie  bei  ihren  unter  der  cron  Behaimb
habenden  collegiis  und  schuelen  und  derselben  unverhindertem  exercitio
  obngedrangt  gelassen  werden  in  vleissiger  erwegung,  dass  durch
den  widerigen  fall  nit  allein  dem  gegentheil  die  tbür  zue  leichterer
undertruckung  unserer  wahren  apostolischen  religion  umb  sovil  mehr
geöffnet  sondern  auch  E.  M.  und  L.  catholischer  eifer  bei  andern
unserer  religion  zugewandten  potentaten,  wie  zumal  der  lieben  posteritet
in  etwas  zweifel  gezogen  werden,  zu  geschweigen,  Sie  es  etwan  in  ander
weg  bei  dem  lieben  Gott  sowol  im  zeitlichen  als  ewiglich  zu  entgelten
  haben  möchten.  Das  schreib  ich  nit  der  mainung,  als  ob  in
Dieselbige  ich  einigen  zweifel  sezte  sondern  vielmehr  aus  vetter-  und
brüderlichen  treuen  und  dienstwilligkeit.e.  Datum  Gräz  den  12.  maii

anno  1611“.
Schl,  17/8,  —  Kopie.!

'  Zugleich  schreibt  der  Erzherzog  in  derselben  Angelegenheit  auch  an  Khleal:
Da  er  wisse,  dass  Khlesl  in  dieser  Sache  viel  tun  könne,  so  ersuche  er  ihn  noch
besonders,  sich  die  Gesellschaft  Jesu  befohlen  sein  zu  lassen  und  nach  Möglichkeit
  Praktiken  gegen  sie  abzuwehren;  denn  die  Austreibung  des  Ordens
aus  Böhmen  würde  dio  Austilgung  der  katholischen  Religion  dort  nach  sich
ziehen  und  den  König  samt  dessen  katholischen  Räten  und  Ministern  beim