Besuch in Wien und Ischl. Einzug in Leipzig. 207
Wie habe ich Deiner da gedacht.“ Am 16. berichtet er ihr
von Besuchen: „Auch bei Beust war ich, der ausnehmend wohl
und frisch ist trotz aller Krisen, die er eben jetzt durchzumachen
hat. Dabei ist er doch der alte Kindskopf, am Ende unserer
Unterhaltung sagte er mir, er wolle mir die beiden jüngsten
Attachés des Ministeriums zeigen. Es waren zwei winzige
Affen, die ihm unendlichen Spaß machten. Gestern früh
nach der Meße machte ich meine Aufwartung bei den Hunden
Ihrer Majestät.“ Von Wien reiste er nach Sibyllenort, wo
er ein Schlaraffenleben führte, wo man spät aufsteht, wenig
jagt, viel ißt und leider keine Berge sieht. Am 22. kehrte er
zurück. Nur sein Hund Puffi begrüßte ihn. Sonst war
alles leer. Carola kam erst einige Tage später heim.
Am 2. Aovember hielten die Truppen der Leipziger Gar-
nison im Beisein Alberts ihren Einzug, den Tag darauf kam
das Schützenregiment nach Dresden. Im Winter beschäftigte
Albert außer seinen militärischen Geschäften die gewohnte
Tätigkeit im Landtag. Im Frühjahr 1872 reiste der König
nach Niva zu seiner Erholung, während ihn Albert im Lande
wieder vertrat. Aus dieser Zeit ist wieder einiges aus
ibrem Briefwechsel zu erwähnen. Am 16. April schreibt
Albert: „Von hier ist wenig zu berichten, in Geschäften alle
Tage ein Sack voll Begnadigungssachen, es geht immer gleich-
mäßig fort. Friesen ist auf einige Zeit nach Berlin, um
einmal wieder nachzusehen, ich glaube, es ist ganz gut, denn
Könneritz (der damalige Gesandte, später langjähriger Ober-
hofmarschall) ist doch der Sache dort nicht ganz gewachsen.“
Am 27. schreibt er: „In Geschäften geht Alles in flauem
Gang. Friesen ist in Berlin, hat aber noch nichts von sich
hören laßen. Holleben (damals Militärbevollmächtigter, später
Generalleutnant), der am 23. hier war, sprach sich sehr über
die liberalen Tendenzen des F. B. (Fürsten Bismarck) (aus).
In Betreff des Mil. Strafgesetzes habe ich gerathen, bei dem
Entwurf stehn zu bleiben. Vielleicht ist da ein Punct, wo er
mit seinem neuen Freunde zusammengerathen könnte.“ Johann