Full text: König Albert von Sachsen von Johann Georg, Herzog zu Sachsen.

Geburt des Prinzen Georg. Brief Caprivis. 303 
  
in Rom befragt, ein Beweis, wie wenig Werth er auf die 
Mission legte.“ 
In diesem Frühjahr hat auch ein Briefaustausch zwischen 
dem König und dem Reichskanzler von Caprivi stattgefunden, 
der durch den Rücktritt des letzteren vom preußischen Minister- 
präsidentenposten hervorgerufen wurde. Ob sich der Brief des 
Königs erhalten hat, weiß ich nicht. Aber den Caprivis kann 
ich hier mitteilen. Er lautet: „Eure Mojestät haben mich 
durch das überaus gnädige Schreiben vom gestrigen Tage auf 
das höchste erfreut und wollen mir huldvollst gestatten, meinem 
allerunterthänigsten Dank Ausdruck zu geben. Wenn mir 
etwas den Muth zu dem Versuche, den Pflichten meines 
Neichsamtes weiter nachzukommen, geben kann, ist es die 
Hoffnung, daß ich in meinem redlichen Bestreben, auch ferner 
Eurer Majestät nachsichtiges Vertrauen zu verdienen, nicht 
Schiffbruch leiden werde. Die Frage, welche in ihrer Be- 
deutung nunmehr hervortreten wird, ist die Heeresverstärkung. 
S. M. der Kaiser haben sich zu meiner Freude neuerlich einem 
Entgegenkommen bezüglich der Dienstzeit geneigter gezeigt. 
Das Preußische Kriegsministerium arbeitet in der Nichtung, 
zu dreijähriger Dienstzeit gesetzlich verpflichtet zu bleiben, 
faktisch aber die zweijährige zu erhalten. Ob der Reichstag, 
welchem eine Kontrolle hierüber im Etatsgesetz ermöglicht 
werden soll, darauf eingehen wird, läßt sich zur Zeit nicht 
übersehen. Es würde, auch von allgemeinerem Standpunkt 
aus, nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten erforderlich 
sein, zunächst abzuwarten, wie die Partei-Verhältniße sich 
weiter entwickeln werden. Vielleicht wird der bevorstehende 
Schluß des Neichstages dazu beitragen, Ruhe in die Ge- 
müther kommen zu laßen.“ In dieser Zeit begann auch die 
Lippesche Frage zu spielen, die später den König so sehr be- 
schäftigte. Bekanntlich wurde ihm das Schiedsgericht über die 
Frage, ob der Graf Ernst Lippe zur Negentschaft berechtigt sei 
oder nicht, übertragen. Die Sache gog sich lange Zeit hin. 
Schließlich entschied sich der König 1897 nach reiflicher Prü-
	        
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