Full text : König Albert von Sachsen von Johann Georg, Herzog zu Sachsen.

308  Letzte  Jahre,  Krankheit  und  Tod  (1894—1902).

 

frühstück  in  Potsdam  brachte  der  Kaiser  ein  Hurra  auf  den
König  aus.

Anfang  Juli  machte  dann  der  König  den  Gegenbesuch
beim  jungen  Großherzog  von  Hessen  und  verweilte  auf  dem
Rückweg  bei  der  Kaiserin  Friedrich  in  Schloß  Friedrichskron.
Vom  6.  September  an  war  er  zu  den  Manövern  in  Ostpreußen.
  Es  waren  25  Jahre  vergangen,  seit  ihm  Kaiser
Wilhelm  I.  das  10.  Dragonerregiment  verliehen  hatte.  Der
Kaiser  verlieh  ihm  das  Dienstauszeichnungskreuz  und  dem
Regiment  den  Namenszug  des  Königs.  Diese  Neisen  waren
anscheinend  schon  zuviel  gewesen.  Denn  leider  trat  bald
nach  der  Rückkehr  wieder  eine  Blutung  ein,  deren  Folgen
aber  glücklicherweise  rasch  überwunden  wurden.

So  konnte  er  zu  den  Jagden  nach  Ssterreich  reisen  und
im  Aovember  dem  Gedanken  nahbetreten,  noch  nach  den
Fagden  in  Sibyllenort  einen  Besuch  beim  Großherzog  von
Baden  zu  machen.  Er  kündigte  ihm  in  einem  Brief  vom
3.  seinen  Besuch  für  den  12.  an  und  fügte  hinzu:  „So  leid
es  mir  thut,  nicht  früher  gekonnt  zu  haben,  so  ist  es  mir
eigentlich  recht,  da  ich  bei  unseren  krausen  und  unsicheren
Zuständen  das  große  Bedürfniß  habe,  so  manches  mit  Dir  zu
besprechen.  Es  (st  gut,  wenn  wir  unserer  gegenseitigen  Ansichten
  ganz  sicher  sind.  Ich  fange  an,  etwas  schwarz  in  die
Zukunft  zu  sehen.  Dazu  der  Tod  des  Kaisers  Alexander.“
Den  angekündigten  Besuch  machten  beide  Majestäten  in  der
Zeit  vom  11.—16.  November.  Die  Aussprachen  zwischen
den  beiden  Herrschern  haben  sicher  zu  beiderseitiger  Zufriedenheit
  geführt.  Aber  ihren  Inhalt  kann  ich  natürlich
nichts  mitteilen,  da  sich  keine  Aufzeichnungen  darüber  vorfinden.
  Am  29.  wohnte  der  König  in  Weimar  der  Beisetzung
des  Erbgroßherzogs  bei  und  sprach  so  persönlich  dem  alten
Großherzog  sein  Beileid  zum  Tod  des  einzigen  Sohnes  aus.
Kurz  vorher  hatte  mein  ältester  Bruder  den  König  beim
Begräbnis  Kaiser  Alexanders  III.  in  Petersburg  vertreten.

Am  Ende  des  Jahres  teilte  Minister  von  Thümmel  dem