Full text : Geschichte des Preußischen Staates

230  Die  Königslrone.

namentlich  in  Wien  angeregt.  Freilich  fand  der  Plan  bei  den  Räten  des  Kurfürsten
  mannigfachen  Widerspruch,  namentlich  hatte  ihn  Danckelmann  nur  wider
Willen  gefördert,  und  Fuchs  hielt  ihn  noch  1698  für  eine  „pur  lautere  Unmäglichkeit".
  Aber  gerade  die  Mißerfolge  in  der  äußeren  Politik  bestimmten  Friedrich,
nunmehr  dem  Plan  wieder  näher  zu  treten  —  „denn  solange  ich  nichts  als
Kurfürst  bin",  schrieb  er,  „opponiert  man  mir  allemal“  —  und  Kolbe  von
Wartenberg  erkannte  in  der  Erfüllung  dieses  Wunsches  die  Sicherung  seiner
eigenen  Stellung.

Von  vornherein  war  klar,  daß  die  Hauptmächte,  daß  wenigstens  der  Kaiser
seine  Zustimmung  geben  müsse,  da  ohne  eine  Sicherheit  über  dic  nachfolgende
Anerkennung  die  bloße  Annahme  der  Krone  zu  den  bedenklichsten  Widerwärtigkeiten
  führen  mußte.  Ebenso  klar  war  man  sich  von  voruherein  darüber,  daß  die
Krone  allein  auf  das  Herzogtum  Preußen  gegründet  werden  könne,  da  der  König
eines  der  Reichsländer  doch  nur  „ein  Lehnkönig“  geblieben  wäre  und  weder  des.
Kaisers  noch  auch  der  Reichsfürsten  Anerkennung  gefunden  hätte.  Zu  viel
Weiterungen  hätten  daraus  entstehen,  zu  viel  unlösbare  Schwierigkeiten  daraus
erwachsen  müssen.  In  Preußen  aber  war  der  Kurfürst  völlig  unabhängiger

ouverän.

Zunächst  mußte  man  die  Zustimmung  des  Kaisers,  mit  dem  man  seit  der  Abreise
des  Nikolaus  von  Dauckelmann  völlig  zerfallen,  gewinnen.  Der  Oberkammerherr  von
Wartenberg  vrntaltete  es  zunächst,  daß  der  jugendliche  Christian  von  Bartholdi

cos8  unter  der  Form,  die  Belehnung  endlich  nachzusuchen,  als  Gesandter  nach  Wien  geschickt
wurde.  In  allen  Punkten  war  ihm  Nachgiebigkeit  gegen  die  kaiserlichen  Wünsche
vorgeschrieben,  und  mündlich  hatte  ihm  der  Kurfürst  den  Auftrag  erteilt,  „die
Sache  der  #Knigektrone  zu  encaminiren".  In  der  That  wurde  Bartholdi  in  Wien
empfangen,  und  es  gelang  ihm,  die  Beziehungen  mit  dem  Kaiserhofe  wiederherzustellen.
  Nun  forderte  der  Kurfürst  von  Bartholdi,  von  Ilgen  und  von  Fuchs
ausführliche  Gutachten.  Diese  hoben  zwar  die  großen  Bedenken  und  Gefahren
hervor,  welche  dem  Plane  gegenüberständen,  rieten  indessen  doch  keineswegs  ab.
Der  Kurfürst  hat  das  Gutachten  von  Fuchs  mit  eigenen  Bemerkungen  versehen,
um  jene  Bedenken  zu  entkräften.  Er  legt  namentlich  ein  großes  Gewicht  darauf,
daß  in  keinem  Falle  eine  kaiserliche  Ernennung  zum  König  stattfinden  dürfe,
sondern  der  Kaiser  die  eigene  Erhebung  des  Kurfürsten  nur  im  voraus  billige.
Er  betont  aber  weiter,  daß  diese  Billigung,  wenn  überhaupt,  so  jetzt  zu  erreichen
sei,  da  die  Verhältnisse  für  Brandenburg  so  ungewöhnlich  günstige  seien,  daß  man
die  Zeit  nicht  versäumen  dürfe.  Und  dies  war  vollkommen  zutreffend.  Denn
trotz  aller  Mißachtung  und  Undankbarkeit,  welche  die  Großmächte  Brandenburg
erwiesen  hatten,  war  die  Lage  Europas  eine  solche  geworden,  daß  auf  Brandenburgs
  Entscheidung  etwas  ankam.

König  August  III.  von  Polen,  mit  dem  Friedrich  mehrfach  zusammen  kam,
sowie  seine  Bundesgenossen  von  Dänemark  und  Rußland  brauchten  mindestens.
Brandenburgs  Neutralität  und  mußten  dafür  wohl  ihre  Zustimmung  zu  Friedrichs

unsch  geben.  Es  kam  sogar  damals  eine  Denkschrift  in  Friedrichs  Hände  aus

169%  der  Fase  des  Beichtvaters  des  Königs  August,  des  Jesuiten-Paters  Vota,  der
aufs  lebhafteste  für  Friedrichs  Plan  eintrat.  Indessen  legte  er  mit  dem  Vorschlag,
  aus  der  Hand  des  Papstes  die  Königskrone  entgegen  zu  nehmen,  seine
eigenen  Absichten  für  die  in  großem  Fortschritt  begriffene  katholische  Kirche  gar