Februar 1905. 165
Das bisherige Seuchenübereinkommen mit Osterreich-Ungarn litt bekanntlich
an dem Fehler, daß wir, abgesehen von den Fällen der Rinderpest
und Lungenseuche, unsere Grenzen gegen die Einfuhr von Vieh erst
dann sperren durften, wenn durch den Viehverkehr eine ansteckende Tierkrankheit
in das Inland eingeschleppt worden war. Mit anderen Worten,
wir durften den Brunnen erst zudecken, wenn das Kind hineingefallen
war. In der neuen Viehkonvention ist es uns gelungen, diesen Fehler
zu korrigieren. Künftig soll uns die Sperrbefugnis schon dann zustehen,
wenn in einem österreichisch-ungarischen Gebietsteil eine Tierkrankheit in
bedrohlichem Umfang besteht. Wir haben also an die Stelle der
Repressivsperre die Präventivsperre gesetzt und dadurch einem
lange gehegten Wunsche der Landwirtschaft Folge geleistet.
Wir dürfen ferner, sofern es sich nicht um mindergefährliche Fälle
handelt, die Sperre bis zu 9 Monaten nach dem Zeitpunkt aufrecht erhalten,
an welchem sie amtlich für erloschen erklärt ist. Eine engere
Begrenzung unserer Sperrbefugnisse haben wir nur gegenüber der Einfuhr
von Schlachtvieh zugelassen, d. h. von Vieh, das zur alsbaldigen
Abschlachtung in öffentliche Schlachthäuser eingebracht wird. Wir bewegen
uns also vollständig im Rahmen der bisherigen ständigen Praxis,
die wir während der ganzen Dauer des jetzt gültigen Viehseuchenübereinkommens
ohne wesentliche Gefährdung unseres Viehbestandes geübt
haben. Ich habe in der Reichstagssitzung vom 11. Dezember 1903 erklärt
während der Beratung über den neuen Zolltarif, daß die verbündeten
Regierungen keine Bestimmungen in einen Handelsvertrag oder
in ein Abkommen mit einem anderen Staate aufnehmen würden, die sie,
die verbündeten Regierungen, verhindern würde, die erforderlichen Maßnahmen
zu treffen, um unseren Viehbestand gegen Seuchengefahr wirksam
zu schützen. Ich bin aber überzeugt — überzeugt auf Grund gewissenhafter
Prüfung der neuen Seuchenkonvention, überzeugt auf Grund
dessen, was mir zuständige Autoritäten versichern —, daß die neue
Seuchenkonvention mit der Präventivsperre bei richtiger Handhabung —
in der Beziehung verlasse ich mich auf meinen Freund den Herrn Landwirtschaftsminister
(bravo! rechts; große Heiterkeit) —
daß sie uns volle Sicherheit gewährt.
Es ist uns, meine Herren, ferner gelungen, wesentliche Erhöhungen
unserer Viehzölle zu erlangen. Besonderes Gewicht lege ich
auf die Erhöhung des Zolles für Schweine, da die Auxszucht, der Ver-