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Aber selbst wenn die Ausbeutung des Mehrwerts aus dem Arbeiter
ein Trugschluß der Sozialdemokratie ist, so haften der kapitalistischen
Produktions= und Austauschweise doch noch Mängel an, die eine Umwälzung
in eine andere Wirtschaftsform ohne weiteres rechtfertigen
würden, wenn denen nicht Vorzüge gegenüber ständen, bei deren
Mangel jede andere Wirtschaftsform ein Rückschritt bedeuten würde.
Der größte Nachteil der gegenwärtigen Wirtschaftsform ist sicher,
daß sie recht teuer und kostspielig arbeitet und bei dem sittenlosen
Teil der Kapitalistenklasse eine sinn= und zwecklose Verschwendung
möglich macht. Sie hat nicht nur den Eigentumsbegriff
zur Voraussetzung, sondern in ihrer Struktur auch die
Familie und den Staat. Diese drei Zubehörteile erfordern zu ihrer
Unterhaltung, Vervollkommnung und Verteidigung in der Verwaltung,
in Heer und Flotte, in der Rechtspflege und in der Erziehung einen
kostspieligen Apparat, der einesteils den Produktivkräften entzogen
wird und anderseits aber mit unterhalten werden muß. Dazu kommt,
daß zwischen Produzent und Konsument ein kostspieliger Zwischenhandel
notwendig ist.
Die gegenwärtige Wirtschaftsform hat aber auch die gesellschaftlichen
Klassen zur Voraussetzung, oder vielmehr, sie ist dieser angepaßt.
und nicht umgekehrt sind die Klassen ihr Produkt. Dieser Unterschied
ist sehr wichtig, da bei der richtigen Auffassung das ganze Wesen der
politischen Bewegung dem Verständnis nähergeführt werden kann.
Die Klassierung beruht auf der individuellen Ungleichheit in Bildung
sowohl in Form und Wissen, als auch in Stellung und Besitz.
Um diese Ungleichheit in ihrer historischen, philosophischen und
wirtschaftlichen Bedeutung richtig zu erkennen und zu würdigen, muß
man ihre Entwicklung von Anfang an verfolgen. .
Die erste Ungleichheit fängt sicher an mit der ersten ungleichen
Verteilung der vorhandenen Güter zwischen mehreren Personen. Es ist
aber nicht anzunehmen, daß sie ein Akt der Gewalt von seiten der
Bevorzugten war, denn die physische Stärke hätte nicht genügt, gegen
die Einsicht und gegen den Willen der übrigen bei der Verteilung eine
Bevorzugung zu finden. Es ist anzunehmen, daß der Bevorzugte sich
bei der Gewinnung, sei es durch Rat, sei es durch Tat hervorgetan
hat und dafür entsprechend entschädigt werden sollte. Jedenfalls sollte
es eine Bevorzugung des Besseren sein. Es war aber auch eine freiwillige
Unterordnung der andern und zwar infolge ihrer Einsicht und
Überlegung.
Wenn nun bei der weiteren Entwicklung der Bevorzugte nicht
immer der Beste ist, so kann er eine Bevorzugung schließlich nur erreichen,
daß er nicht durch physische Kraft, sondern durch geistige Uberlegenheit