Einleitung. 3
selben gerichteten Bestrebungen bis jetzt ziemlich erfolglos geblieben und
werden dasselbe Schicksal sicherlich auch noch fernerhin erfahren, wenn
nicht die Ueberzeugung zur allgemeineren Geltung gelangt, daß nur
durch unmittelbarste Anknüpfung an das thatsächlich Bestehende und im
Volksleben Anerkannte eine wahrhaft lebensfähige Organisation ge—
schaffen werden kann. So ein fertiges, nach allen Konsequenzen hin
abgerundetes System hat gewiß viel Bestechliches. Es ist jedenfalls
angenehmer und leichter, gestützt auf bekannte Autoritäten und aus—
gerüstet mit landläufigen Schlagwörtern eine beliebte Theorie zu ver—
theidigen, als Thatsachen und Erfahrungen zu sammeln und zu sichten
und auf diesem unebenen, oft von scheinbaren Widersprüchen zerwühlten
Boden aufzubauen. Gleichwohl bieten ällein die thatsächlich gegebenen
Verhältnisse, wie das Bedürfniß sie erzeugt und die tägliche Gewöhnung
sie befestigt hat, das Feld, auf dem die Selbstverwaltung Wurzel fassen
und gedeihen kann. Nur durch unmittelbares Anpassen an diese natur—
wüchsige Grundlage wird es möglich werden, gesunde, den beständig
anschwellenden Bedürfnissen entsprechende Institutionen zu schaffen und
dafür zugleich die willige, thätige Mitwirkung der Bevölkerung in An—
spruch zu nehmen. Wer dagegen in unsern faktischen Zuständen nur
Mißbildungen, in den herrschenden Anschauungen nur Vorurtheile sieht,
der wird auch mit den bestersonnenen Neuschöpfungen schwerlich aus
dem Gebiete der frommen Wünsche heraustreten.
Diese Gesichtspunkte bezeichnen den Zweck der nachstehenden
Schrift als
„ Größtmöglichste Selbstverwaltung durch unmittel-
barsten Anschluß an die thatsächlichen Verhält-
nisse.“
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