Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

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vollen  Fürsten  Christians  von  Anhalt  noch  treuer  geschildert
werden  können;  aber  was  Seite  186  ff.  von  der  Bildung  und
Erziehung  Kaiser  Ferdinands  II.  gesagt  wird,  ist  so  meisterhaft
  und  so  getroffen,  als  wir  es  nicht  leicht  sonst  irgendwo
lasen.  Besonders  auffallend  war  uns  die  Bemerkung,  daß
Herzog  Wilhelm  von  Bayern,  der  4596  seinem  Sohne  Marimilian
  die  Regierung  abtrat,  auch  in  seiner  andachtsvollen
Einsamkeit  weit  mehr  Einfluß  auf  die  damaligen  Weltbegebenheiten
  gehabt  habe,  als  seine  Zeitgenossen  nur  von  weitem  vermutheten.
  Die  ganze  Bildung  (Kaiser)  Ferdinands  (II.)  und
die  ganze  Richtung  der  Gesinnungen  desselben,  besonders  in
Religionssachen,  war  sein  Werk,  und  es  war  eine  der  Grund-Maximen,
  die  er  ihm  sowohl  mündlich,  als  in  seinem  stets
fort  unterhaltenen  Briefwechsel  einprägte,  Glück  und  Segen
seiner  Regierung  hänge  von  seinem  Eifer  für  die  katholische
Religion  ab.  Ein  Argument,  dessen  Ueberzeugungskraft  in
eben  dem  Verhältnisse  wuchs,  als  im  Innern  der  marimilianisch-Usireichischen
  Linie  Berwirrung  und  Mißtrauen  stiegen,
und  endlich  dieselbe  unbeerbt  erlosch,  ungeachtet  ihr  Stifter,
Maximilian  II.,  sieben  Söhne  hinterlassen.  Wilhelm  schrich
dieses  ganz  ungescheut  einem  wegen  Toleranz  der  Protestamen
verübten  göttlichen  Strafgericht  zu,  da  hingegen  der  damalige
große,  blühende  Wohlstand  des  bayerischen  Hauses  sichtbar  beweisen
  sollte,  wie  Gott  die  Zeloten  segne.

Vierter  Band.)

Dieser  vierte  Band,  der  vor  Kurzem  erst  erschienen  ist,
gehoͤrt  wohl  zu  den  meisterhaftesten  des  ganzen  Werkes.  Er
begreift  die  Regierung  von  Matthias  und  Ferdinand  II.  Letztere
  bis  zu  dem  merkwürdigen  Kurfürstentag  zu  Regensburg
im  Jahre  1630.  So  verschieden  Recensent  über  viele  der
wichtigsten  Begebenheiten  geurtheilt  haben  würde,  deren  Hergang
  hier  erzählt  wird,  so  oft  auch  dem  Ganzen  eine  gewisse
bistorische  Fülle  zu  fehlen  schien,  so  mit  innigster  Bewunderung
  hat  Recensent  doch  nicht  nur  einmal  die  vortreffliche

*)  Aus  den  Gött.  Gel.  Anz.  1790.  Stück  5.