Metadata : Geschichte des Preußischen Staates

412  Landbau.  —  Bauern.

Vieh  zu  frühzeitig  auf  die  Weide  zu  schicken,  dahin,  daß  der  Gewinn  von  den
Wiesen  weit  hinter  ihrer  Ertragsfähigkeit  zurückblieb.  Beide  Uebelstände  wollte
der  König  aufgehoben  wissen.  Die  Bauern,  unfähig,  ihren  eigenen  Vorteil  und
Nutzen  zu  sehen,  tobten  zwar  dagegen  und  prophezeiten  den  Untergang  der  Herrschaften
  wie  der  Unterthanen,  die  Umwandlung  der  Dörfer  in  Wüsten.  Aber  der
König  gab  nicht  nach,  und  das  für  Schlesien  darüber  aufgesetzte  Reglement  wurde
später  in  das  allgemeine  Landrecht  aufgenommen.  Einen  Privatkornhandel  gab
es  damals  noch  kaum,  und  der  Fürst  vermochte  daher  nach  Friedrichs  testamentarischer
  Bemerkung  noch  für  die  Festsetzung  eines  Preises  zu  sorgen,  bei  dem
Adel,  Pächter  und  Bauer  bestehen  konnten.  Auch  errichtete  er  wieder  große
Magazine  an  Getreide,  die  sowohl  für  den  Landwirt,  wie  die  Armee  und  in  Zeiten
von  Mißwachs  und  Teuerung  für  das  ganze  Volk  vom  größten  Segen  waren.

Eingehend  kümmert  der  König  sich  um  die  Früchte,  welche  gepflanzt  werden
sollen,  die  Lupinen,  den  roten  Klee,  die  Kartoffeln,  den  Hopfen.  Er  betreibt  die
Einführung  der  englischen  Wirtschaft,  und  im  Zusammenhange  mit  seiner  ganzen
Staatsauffassung  verbietet  er  die  Einfuhr  der  im  Lande  selbst  erzeugten  Nahrungsmittel.
  Die  Wälder,  welche  durch  ein  planloses  Abholzen  in  manchen  Gegenden
fast  verschwunden  waren,  wurden  durch  eine  geregelte  Schlagwirtschaft  wieder  zu
einer  Einnahmequelle  gemacht  und  für  die  Kultur  gewonnen.  Eine  eigene  dem
General-Direktorium  angegliederte  Behörde  hatte  für  die  gesamte  Forstwirtschaft
Sorge  zu  tragen.  Die  weiten  öden  Sandflächen  wurden  mit  Kiefern  besetzt,  die
Obstbaumzucht  sowohl  in  den  Gärten  wie  auf  den  Landstraßen  durch  Anstellung
besonderer  Kreisgärtner  wesentlich  gefördert,  die  Viehzucht  durch  Vorschriften  über
die  Zucht,  über  die  Stallfütterung,  die  Abwehr  von  Seuchen,  wie  durch  Einführung
fremder  Vieharten  außerordentlich  gehoben.  Noch  im  Jahre  1775  hatte  die  Kurmark
  allein  257  000  Thaler  für  Butter  an  das  Ausland  bezahlt,  und  1780  schon
bleiben  fast  zwei  Fünftel  davon  im  Lande.  Selbst  die  Pflege  des  Geflügels  und
die  Bienenzucht  entging  nicht  dem  Auge  des  Königs,  diese  allein,  meinte  er,
könne  die  Kontribution  einbringen,  doch  war  es  natürlich  unendlich  schwer,  dem
hartnäckigen  Bauer  die  Vorteile  einer  Sache  klar  zu  machen,  die  nicht  schon  sein
Urahn  gekannt.

Mit  großer  Energie  ging  der  König  namentlich  jeder  gewissenlosen  inländischen
Gerribefpelulaiin  zu  Leibe,  und  seine  Magazine  erwiesen  sich,  wie  oben  erwähnt,
immer  aufs  neue  von  unendlichem  Segen.  Denn  indem  der  König  in  guten  Jahren
zu  ansehnlichen  Preisen  einkaufte,  also  daß  er  stets  100  bis  130  000  Wispel  Getreide
  vorrätig  hatte,  und  sie  in  schlimmen  Jahren  in  den  von  Mißwachs  betroffenen
Gegenden  billig  auf  den  Markt  brachte,  erzielte  er  die  von  ihm  gewünschte  Stetigkeit
  des  Getreidepreises,  das  Gleichgewicht  zwischen  Stadt  und  Land,  die  Sicherheit
  des  Lebensunterhaltes  für  die  Fabrikarbeiter  und  Bauern,  für  die  Bürger  wie
den  Adel.  Namentlich  in  dem  furchtbaren  Hungerjahr  1771,  das  ganze  Länder
entvölkerte,  blieb  in  Preußen  der  Preis  ein  verhältnismäßig  nichriger,  und  als  nach
1774  eine  reiche  Ernte  der  anderen  folgte,  und  kein  Kaufmann  mehr  dem  Landmann
  sein  Korn  abkaufen  wollte,  da  retteten  ihn  die  Ankäufe  der  königlichen
Magazine  geradezu  vom  Bankerott.  Unermüdlich  sorgt  Friedrich  für  die  Bauern,
sucht  sie  ihrer  gedrückten  Lage  zu  entziehen.  Sie  sind  ihm  eine  „achtbare  Körperschaft
  der  Bevölkerung“,  die  „Pflegeväter  der  Gesellschaft“,  welche  die  Lasten  des
Staates  tragen  und  die  Arbeit  verrichten.  Wie  den  Augapfel  müsse  man  sie  hüten,