Wahl Wenzeld zum deutfchen König. Karls IV Tod. 357
Innozenz gejtorben war, Urban V einnahm. Auch Hier bewährte
Karl fi al3 Fugen Bolitifer, der nicht? mit Gewalt erzwingen
wollte, was fi) mit Geduld und Geihid und dadurch erreichen
ließ, daß man vertchtedene Intereffen gegeneinander ausjpielte und
dabei im gelegenen Augenblid das eigene wahrnahm. Eine Karte
in diejem Spiel war, daß die franzöfiihe Macht jeit der unglüdihen
Wendung, die der Krieg mit England nach) der Niederlage von
Maupertuis im Jahre 1356 genommen hatte, wenig ji) geltend
machen fonnte, eine zweite, daß die öffentliche Meinung und Stimmung
in Stalien längft die Nefidenz der Bäpfte in Avignon umgern
ertrug und die Nüdkehr des Barftes nach Rom verlangte.
Dielen Gedanken, dem Urban felbit nicht fremd war, machte Karl
zum jeinigen und in der Tat fehrte Urban nad) Rom zurüd und
vermweilte, al3 Karl im Sahre 1368 feine zweite Nomfahrt unternahm,
längere Zeit mit ihm in der heiligen Stadt, in der Starl
nicht die üblen Erfahrungen machte wie jo mancher jeiner Vorgänger.
Diefer zweite Nomzug hatte für Deutichland geringe Bedeutung.
Er gejchah nur, um die failerliche Autorität einmal wieder
in Stalten zu zeigen. Der Verfuch, Guelfen und Ghibellinen, den
Bapjt und das große Ghibellinenhaus der Bisconti in Mailand, zu
verjühnen, gelang nicht, und ala Barnabo Visconti al3bald in die
alten Bahnen zurüclenfte und Übergriffe beging, fprach Karl zwar,
gefällig gegen die Wünfche des Papftes, die NeichSacht gegen ihn
aus, ließ e3 aber bei dem Kraftwort bewenden, ohne ihın Nachdrud
zu geben. Schon 1370 fehrte Urban nad) Aoignon zuriick, ein Briefwechjel
über den Plan der Wahl Wenzel3 begann feit 1375: und
der Bapft glaubte feine Einwilligung an jehr weitgehende Horderungen
fnüpfen zu fünnen. Er verfannte, daß diefe Zeiten vorüber waren,
Karl hielt ihn in feiner Weie mit Beriprechungen und Worten Hin
und brachte den Handel mit den jet enticheidenden Faktoren, den
Kurfürften, ins reine, bi8 er den Bapft — e8 war feit 1370
Gregor XI — mit der Mitteilung überrafchen formte, daß diefe fich
geeinigt hätten und die Wahl demnächft ftattfinden werde. Sie erfolgte,
nach Überwindung unendlicher Schwierigfeiten, einftimmig im