302 Urkunden No. 794-790.
794. Cabinets-Schreiben an den Fürsten Joseph zu Hohenlohe, Bischef
von Breslau. Berlin 1805 Februar 14.
R. 46. B. 165. a. Abschrift.
Nur in Orten, wo von der einen Religions-Gesellschafl kein einziger Wirth mehr
vorhanden ist, soll die Kirche der anderen überlassen werden, an Protestanten ebensi
wie an Katholiken. Anerkennung der Bereitwiliykeit des Fürstbischofs, das Simullaneum
zu gestatten.!)
»Hochwürrdiger p. So sehr ich es bedauere, dass die Ueberlassung
der leer gestandenen Kirche in Cunau und Giesmannsdorff an die dasigen
ganz protestantischen Gemeinden, worin sich auch nicht ein einziger katholischer
Wirth befindet, Ew. Liebden nach dem Schreiben vom 31. v. M.}),
welches ich nebst beigefiügtem Memoire wohl erhalten habe, zu der Besorgniss
veranlasst hat, dass den katholischen Glaubens-Genossen an mehreren
Orten ihre Kirchen entzogen und den Protestanten eingeräumt werden
wtirden, eben so sehr gereicht es Mir zur Genugthuung, Sie hierüber ganz
vollkommen beruhigen zu können. Ich bin so weit davon entfernt, an
irgend einem Ort, wo sich noch katholische Wirthe befinden, denselben ihre
Kirchen zu entziehen, dass Ich vielmehr jeden Antrag “dieser Art, selbst in
Fällen, wo die Katholischen nicht den 20sten Theil der Einwohner susmachten,
gänzlich von der Hand gewiesen und befohlen habe, dass, wo
sich der umgekehrte Fall befinden mögte, den Katholischen die ehemals
protestantischen Kirchen eingeräumt werden sollen. Die Religion haftet
nicht auf Gebäuden und Grundstücken, sondern umfasst die Mitglieder einer
Stadt- und Dorfgemeinde, die sich dazu bekennen. Nicht jener, sondern
diesen gehören die zum Gottesdienst gewidmeten Gebäude, Grundstücke und
Zubehörungen, und es muss also auch den Gemeinden, die ihre Religion*
Bekenntnisse geändert haben, verstattet werden, sich der Kirchen u. 8. Y.
nach ihrer Confession zu bedienen. Dies ist der Sinn der Vorschrift des
Allgemeinen Landrechts Theil I Titel XI 8 171 und 172. Auch durch
Veränderung ihrer Religions-Grundsätze verliert eine Kirchengesellschaft
nicht das Eigenthum der ihr gewidmeten Kirchen-Gebäude. Es ist der gr
sunden Vernunft eben so angemessen als dem Geiste des Christenthums,
und Ich werde mit der strengsten Gewissenhaftigkeit darauf halten lassen,
damit keinem Religions-Theile in seinem Gewissen der geringste Zwang
geschehe. Uebrigens erkenne Ich in der Erklärung E. Lbd., dass Bie an
Orten, wo noch katholische Wirthe sich befinden, die Protestanten sber
keine Kirchen haben, worin sie Gott verehren können, den leztern den Hitgebrauch
der katholischen Kirchen verstatten wollen, den Geist der Duldung,
der mit Meinen Grundsätzen in der vollkommensten Uebereinstimmung ist
Lassen Sie uns immer diesem gemäs handeln und dadurch zwischen beiden
Religions-Theilen den Frieden erhalten, worin sie bisher so glücklich ware.
In dem festen Vertrauen hierauf verbleibe Ich p. p.«
1805
Febr. 14
1) Cfr. No. 797, 2; No. 790,