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Die Verluste der Russen in der Schlacht bei Friedland werden sehr verschieden
angegeben; sie betrugen jedenfalls mehr als 10000 Mann an Toten
und Verwundeten, wie nur die russischen Berichte angeben, und ca. 20 Geschütze
(die Franzosen geben 80 an). Die Verluste der Franzosen waren nicht
viel geringer, nach eigenen Angaben 12104 Mann an Toten und Verwundcten.
Die Franzosen lagerten in der Nacht zum 15. Juni auf dem Schlachtfelde
und marschierten am 15. die Alle abwärts auf dem linken Ufer nach
Wehlau. Nur das Neysche Corps rastete bei Friedland. Der Großherzog
von Berg erhielt den Befehl, mit den von Königsberg zurückgenommenen
Truppen den Marsch auf Friedland nicht fortzusetzen, sondern bei Tapiau Anstalten
zum Ubergang über den Pregel zu treffen und zwischen dem I'Estocgschen
Corps und den Russen zu bleiben.
General Bennigsen gab auch den Plan, sich am Pregel zu halten, auf
und trat bereits in der Nacht zum 16. Juni den weiteren Rückzug nach dem
Memel an.
Die Nachricht von dem unglücklichen Ansgange der Schlacht bei Friedland
erregte in Königsberg tiefe Niedergeschlagenheit und Bestürzung. Es schien
gewiß, daß Napoleon sich jetzt mit bedeutenden Streitkräften hierher wenden
würde, um die Ubergabe dieses Platzes zu erzwingen. Wenn er dadurch auch
von der Verfolgung der russischen Hauptarmee abgezogen worden wäre, so
kam für die preußischen Generale Rüchel und l'Estocq doch noch der Umstand
in Betracht, daß sie durch eine längere Behauptung von Königsberg den Rest
der preußischen Armee der Gefahr aussetzten, völlig abgeschnitten und von
einem überlegenen Feinde überwältigt zu werden. Der König wäre damit des
letzten Restes seiner Armee und jeder Einwirkung auf die zu erwartenden
Friedensverhandlungen beraubt gewesen. Dies war wohl der Hauptgrund,
welcher Rüchel veranlaßte, den Befehl zur Räumung von Königsberg zu geben
und mit den preußischen Truppen dem Rückzuge der Russen nach Tilsit zu
folgen. Ein Schreiben des Gencrals Bennigsen an Rüchel, in welchem er diesem
von dem Ansgange der Schlacht bei Friedland Nachricht gab und ihm erklärte,
daß er vor acht Tagen nichts für Königsberg thun könne, bestärkte ihn in
seinem Entschlusse. Am 16. Juni verließ das l'Estocqsche Corps Königsberg.
Die Stimmung der Mannschaften war eine tief niedergebengte. Sie sahen die
letzte Hoffnung auf einen einigermaßen befriedigenden Ausgang des Krieges
schwinden und dachten mit Sorge an die Zukunft und an die zunehmende
Wahrscheinlichkeit eines Rückzuges über die russische Grenze, und sie fragten,
ob sie auch jenseits der Grenzen ihres Vaterlandes für ihren Herd und ihre
Heimat zu kämpfen haben würden. Schon war das Gerücht verbreitet, daß die
preußischen Soldaten nach dem llbertritt über die Grenze unter die russischen
Regimenter verteilt werden sollten. Die tapferen Krieger, welche noch als die