Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

7  Abebuch  —  abdingen.

2,  9;  Plur.  am  besten  unverändert,  die  beiden  abe,  das
deutsche  und  das  lateinische.  Bildlich  für  Ansangsgründe
  aller  Wissenschaften,  das  abe  der  naturkunde  u.  d.;
auch  für  bestimmte  Ordnung:  sindest  das  haus  nach  dem
abe  d.  junge  Goethe  3,  175.  —  Zusammensctzungen:
Abebuc,  n.  Abekuabe,  m.  Abeschülcr,  -schütz,  w.  (ogl.

ütz).

Abdachen,  das  Dach  abnehmen,  die  hänser  (teeta
desieere  Frisch),  in  dieser  Bedeutung  ungewöhnlich,
dagegen  häufig  schräg  wie  ein  Dach  verlaufen  machen,
Wori  der  Baukunst,  später  als  das  Subst.  abdaehung
(I.  d.)  bezengt:  eine  brustwebr  abdachen,  dann  refl.
von  ähnlich  verlaufenden  Flächen:  sanft  sien  abdachender
  hugel,  garten,  der  sieh  nach  dem  flusse  hin  abdacht.
Abdachung,  k.  dachsörmig  schräger  Verlauf  einer
Fläche,  als  Kunstwort  des  Festungsbaus  1729  verzeichnet
  (abdachung,  schiefe  eines  walles  Hederich),  später
freier:  indem  er  zufallig  nach  der  abdachung  des  platzes
hinuntersan  Immermann  Münchh.  2,  54.  —  abdämmen,
  dämmend  abbalten  oder  sondern,  das  wasser;
nunmehr  ist  er  (der  Sec)  abgedümmt  Goethe  16,  229;
Unt  abdammen  in  einem  Bilde  Freiligrath  3,  123.—
abdampfen,  1)  intrauf.  in  Dampf  verfliegen:  wasser.
eine  flussigkeit  abdampfen  lassen.  2)  trans.  in  Dampf
verfliegen  machen  (statt  abcAmpfen,  welches  eingeengie
Bedeutung  angenommen):  wasser  abdampfen,  der  chemiker
  dampft  die  flussigkeit  ab.  3)  erst  in  neuer  Spr.,
mit  dem  Dampfwagen  oder  -schiffe  absahren:  er  ist
heute  nach  N.  abgedampft.  —  abdumpfen,  1)  mit  Dampf
behandeln,  gar  machen:  äpfel,  kartotfein.  2)  trüber,
stumpfer  machen:  abgedäwplte  farben,  klünge;  bildlich:
alle  widersprüche  des  ernsten  und  närrischen,  welche
das  leben  später  bis  zur  gleichgultigkeit  abdumptft
Immermann  Miinchh.  1,  161.  —  abdanken,  1)  in
älterer  Spr.  Scheidende  dankend  entlassen,  namentlich
ochzeitsgisse  und  Leichengelcite;  bei  einer  leiche  abdanken.
  Dank  für  Geleite  sagen;  eiuem  abdanken,  sich
verabschicben,  auch  freier:  der  Lazar  wird  crweckt,
und  dankt  den  wurmen  ab  Sceultetus  bei  Lessiug
8,  282;  einem  verstorbenen  abdanken  hieß  demfelben
eine  Gedächtnißrede  halten,  vgl.  abdankung.  2)  mit
Mcc.  soldaten,  kriegsvölker  ablanken,  im  18.  Ih.  (vorher
  durch  das  franz.  reformieren  ausgedrückt);  rekormies,
  die  abgedankten  soldaten  Nehring;  mitleick  mit
einem  abgedankten  (Offizier)  Lesfing  Minna  l,  2.
3)  von  einer  Würde,  einem  Amte  sreiwillig  zurücktreten:
der  könig  dankte  ab,  vgl.  abdankung;  abdanken  von
einem  amt  Frisch.  4)  in  der  Jägersprache,  den  hund
abdanken,  durch  Liebkofungen  von  der  Fährte  abrusen.  —
Abdankung,  I.  nach  abanken,  Verabschicdung;  Leichenredc:
  die  abdankung  thun,  leisten;  Entlassung:  abdankung
  der  kriegsvölker,  der  soldaten;  Verzichtleistung
auf  eine  Würde:  (Napoleon)  unterzeichnete  .  seine
abdankung  Treitschke  1,  554.  —  abdarben,  darbend
entzieben,  sich  etwas  am  munde;  ich  habe  meinem
eignen  manle  den  bissen  abgedarbt  Gellert  3,  191.
—  abdecken,  1)  Bedeckung  wegnehmen,  ein  dach,  haus;
das  kind  deckt  sich  ab,  stößt  die  Bettdecke  weg;  den
tisch  abdecken,  nach  dem  Mahle  das  Tischtuch  entfernen.
  Bei  den  Jägern,  das  Wild  auswirken;  sonst
gefallenem  Vieh  die  Haut  abziehen:  abgedeckte  und
frisch  ansgeschnittene  pferde  G  octhe  Camp.  in  Frautkreich.
  2)  Deckung  vollenden,  bei  Bauleuten  eine  maucr.
durch  Deckplatten  abschließen.  3)  Von  Adelung  wird
abdecken  als  prügelu  verzcichnet;  vgl.  zudecken.  —  Abdecker,
  m.  Wafenmeister,  Schinder,  schon  1625  in  Schwaben:
  des  abdeckers  bestimpter  lohn  Weist.  6,  217.  —
Abdeckerei,  I.  Gewerbe  und  Wohnung  des  Addeckers.  —
abdienen,  dienend  erstatten,  eine  sehuld;  dienend  vollenden,
  seine  probezeit  (Frcytag  Soll  1,  18);  der  krei-Villige
  dient  scin  jahr  ab.  —  abdingen,  dingend  für
sich  erwerben;  ist  dem  verhüngnis  nichts  mehr  abzuabdorren

  —  abdrücken.  8

dingen  Schiller  Dido  111;  abhandeln,  abmarkten,
etwas  vom  preise;  bildlich  sie  (eine  Lobrede)  ist  durchaus
  wahr.  kein  wort  ist  abzudingen  Goethe  Nameans
Neffe.  —  abdorren,  dürre  werden  und  vergehen:  ein
ast,  ein  banm  dorrt  ab;  bildlich  eine  famisie  am  abdorren
  J  Gotthelf  Schuldenb.  39.  —  abdörren,  vollständig
  dürr  machen,  malz.  —  abdrängen,  drängend
entziehen,  einem  geld,  ein  versprechen;  drängend  wegbringen:
  wurde  die  grosze  armee  auf  die  mittlere  strasze
abgedrängt  Treitschke  1,  397;  dasz  Inkundus  von
seinem  vorhaben  ..  abgedrängt  wurde  Keller  Seldw.
2,  246.  —  abdrechselu,  drechselnd  bilden,  namentlich
nach  einem  Vorbilde;  auch  einc  abgedrechselte  verbeugung.
  behreibert,  steil  geziert.  —  abdrehen,  drehend
entfernen,  in  der  ält.  Spr.  sich,  fortschleichen  (Ayrer),
dann  drehend  entfernen,  sondern,  einem  vogel  den  hals,
einem  schlussel  den  bart;  bei  Drechslern  drehend  formen,
  holz,  metalle  abdreben  (Jacobsfon):  nen  das
wasser,  gas  abdrehen,  durch  Drehen  des  Hahns  abstellen.
  —  abdreschen,  dreschend  leeren:  das  getreide
abdresehen  Frisch;  abgedrosehene  halme;  daher  bildlich
  von  leerem,  gehaltlosem:  kann  man  abgedroschenere
  wabrheiten  mit  aufgeblaseneren  backen  predigen?
Lessing  Litt.  Br.  101;  die  abgedroschene  luge  Freytag
  Journ.  1,  2;  in  derber  Sprache  einen  ablreschen
(mit  fäusten,  mit  brugeln  Frisch)  abprügeln;  bildlich:
ein  abgedroschenes  klavier,  durch  starkes  Drausschlagen
verdorbenes.  —  abdringen,  wie  ubdrüngen,  abnötigen,
schon  15.  Ih.,  bis  jetzt  gewöhnlicher  als  jenes:  einem
geld,  ein  versprechen;  was  wird  ihm  dein  könig  nicht
abdringen,  mich  aus  der  gefangenschaft  zu  retten!
Lessing  Philotas  2.  Austr.;  ihm  irgend  welche  zugestündnisse
  abzudringen  Heyfe  Par.  3,  78;  abgedrungne
  untersehrift  Schiller  Piccol.  5,  1;  ungewöhnlich
  intrans.  bei  Goethe  46,  281:  als  in  der  hölle  nacht
zum  ersten  mol  so  tief  ich  abgedrungen,  für  hinab
gedrungen.  —  Abdruck,  m.  Handlung  des  Abdrückens
und  Abdruckens,  und  das  fo  entstandene  Werk.  1)  allgemein,
  von  abdrucken,  die  That:  abdruck  eines  gewebres
  Steinbach;  das  Werk,  mit  dem  Plur.  abdrücke:
  der  abdruck  in  wachs.  thon,  gips;  abdruck
eines  fuszpaares  im  sande;  (der  Schlüssel  wird)  in  wachs
gedruckt,  sodann  am  näcbsten  morgen  der  abdruck
onvermerkt  in  Walters  hand  gespielt  Wieland  Ob.
6,  63;  bildlich:  der  sohn  seines  valers  abdruck  (ebd.
I,  17);  der  mensch  moraliseher  abdruek  gottes  (Herder
Theol.  14,  86).  Nach  altem  sich  abdrucken  fortgehen
abdruck  der  Weggang,  Sterben,  der  letzte  abdruck
(Frisch).  2)  technisch,  von  abdrucken,  die  That:  abdruck
  eines  buches,  eines  stiches;  das  Druckwerk:  abdruek
  eines  stiches  vor  der  schrift;  hier  findet  sich  ein
abdruck  dieses  zeitungsartikels;  neuer  abdruck  eines
alten  werkes;  die  Probefeite,  der  Probebogen  eines
Werkes;  der  Plur.  abdrucke  (wie  bei  1),  auch  abdrucke:
hat  die  welt  unvollständige  abdrucke  davon  gelesen
Lefsing  3,  239.  —  abdrucken,  umlautlose  Forni  des
Folgenden,  seit  dem  15.  Ih.  in  technischem  Gebrauch,
ein  werk,  einen  stich;  sein  artikel  wurde  in  jener
zeilung  abgedruckt;  selten  in  allgemeinem,  z.  B.  bei
Goethe  druckte  Wilbelm  seine  Pistole  ab  W.  Meister
  4,  5;  hohl  geschnittene  steine  in  einen  feinen
ihon  abzudrucken  ital.  Reise  I.  —  abdrücken,  in  älterer
  Spr.  häufig  ohne  Umlaut  (vgl.  anch  das  Vorige),
1)  drückend  lösen,  fortschnellen,  den  pfeil,  den  schusz,
und  dann  die  armbrust,  die  flinte,  pistole;  wocht  er
die  nusz  (an  der  Armbrust)  nit  pald  abdrucken  Fastusp.
218,  12;  mit  unterdrücktem  Obj.:  druek  ab,  schies!;
drückend  beseitigen,  nach  alter  Vorstellung  drucken  angst,
krankheit,  sehmerz  das  herz  ab,  nämlich  vom  Herzbendel,
  worin  es  hangt;  itzt  musz  mirs  das  herz  abgedrückt
  haben  Gellert  3,  108.  2)  mehr  in  derber
Rede,  durch  Druck  erwerben  wollen,  abdringen,  einem