— 62 —
elsässische Pfarrer Spieser? Das verdutzt mich! Ich kann
mur ihn noch so viel vorstellen, jung oder alt, so kann ich
mir seinen merkwürdigen Geisteszustaud doch nicht erklären.
Man wird doch nicht Psarrer wie man Stallknecht wird.
Dieser Beruf eisordert doch vorherige Studien, einste, um.
fassende, das Studium mehrerer Sprachen: Latein, Griechisch,
Deutsch, Französisch, zum wenigsten. Herr Spieser, der
doch ohne Zweifel auf eine gewisse geistige Höhe Anspruch
macht, muß doch wissen, daß er sie vor allem den Sprachen
verdankt, die er studiert hat, den literarischen Arbeiten, den
sprachlichen Ubungen, zu denen er gezwungen war auf den
Bänken des Gymnasiums und der Universität. Wozu nun
Audern den Gebrauch der Mittel vorenthalten, die bei ihm
angeschlagen haben?
Hen Spieser ist zum Einrahmen, wie der „Express"
richtig gesagt hat. Wir würden auch gern Person und
Rahmen in irgend einem Merlwürdigkeitsmuseum aufhängen,
damit dieses erstaunliche Bild von künftigen Geschlechternn
belrachtet werden kann, ohne uns weiler darum zu kümmern.
Er und seines Gleichen nehmen nie Vernunst an. Mögen
sie sich in ihrem unbewußten Schowinismus einsalzen.
Wenn er alt genug ist, um unter französischer Herrschast
gelebt zu haben, veistehe ich ihn noch weniger. Denn
dann hat er diese herrliche Sprache, die das Französische
ist, gesprochen und sprechen gehört und sein Gedächtnis hätte
ihm süße Erinnerungen zurücklassen und ihm nahe legen
sollen, für die Erhaltung einer Sprache einzutreten, die ihm
aus sehr vielen Gründen teuer gewesen sein muß. Harmonie
ihrer Frase sich bin so boshaft, das griechische Fremdwort
unübersetzt zu lassen), Anmut ihrer Laute, Leichtigkeit ihres
Gebrauchs in der Unterhaltung, Wert der Meisterwerke,
die sie hervorgebracht hat.“
Nachdem er mich in dieser Weise glücklich abgetan hat,
tischt er seinen Lesern die leider auch in Altdeutschland noch
stark verbreitete Meshent von der sormalen Bildung auf,
die besonders durch Wersetung von einer Sprache in die
andere erreicht werde. Es ist das genau der Standpunkt
des Preußen in den ausgelassenen Stellen des nachsolgenden
Gesprächs mit einem Elsässer. Ich habe sie dort ansgelassen,
weil ich über den Gegenstand einen eigenen Abschnitt
für notwendig hielt. Würden die Elsässer mit diesem
Standpunkt ernst machen und ihre Kinder demgemäß das
Französische durch „verstandübende" Ubersetzungen lernen
lassen, meinetwegen noch so viel, daum hätten mich sieben
Pferde nicht nach Wiesbaden gebracht. Sie ersparen ihnen