Full text : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

—  253  —

ein  Haus;  allein  die  arme  Frau  starb,  ehe  es  fertig  war.  Das
Haus  steht  jetzt  nicht  mehr;  aber  an  seiner  Stelle  ist  der  edeln  Johanna
  ein  Denkmal  errichtet  worden.

245.  Die  Wacht  am  Rhein.
Von  Wilhelm  Rübenkamp.

Wer  von  euch  kennt  nicht  das  schöne  Lied  „Es  braust  ein  Ruf
wie  Donnerhall,  wie  Schwertgeklirr  und  Wogenprall  —"  Das
ganze  deutsche  Volk  kennt  es,  das  ganze  Volk  singt  es;  es  ist  ein  echt
volkstümliches  Lied  geworden.  Der  Dichter  der  „Wacht  am  Rhein“,
Max  Schneckenburger,  ist  in  Schwaben  geboren.  Näher  als  er  steht
euch  der  Tondichter,  der  die  herrliche  Melodie  des  Liedes  geschaffen
hat.  „Warum?“  wirst  du  vielleicht  fragen.  „Ist  die  Melodie  mehr
wert  als  das  Gedicht?"  MNein,  beide  sind  gleich  schön;  aber  der
Tondichter  —  Karl  Milhelm  heißt  er  —  lebte  und  wirkte  in  deiner
Heimat,  am  Niederrhein.  Er  war  von  1840  bis  1865  Musiklehrer
in  Crefeld;  dort  hat  er  im  Jahre  1854  die  „Wacht  am  Rhein"  in
Töne  gesetzt.  Aus  Danhbarkeit  hat  man  ihm  auf  dem  Ostwall  ein
Denbmal  errichtet.  »

Bei  der  Festfeier  der  silbernen  Hochzeit  des  Prinzen  von  Preußen
  in  Düsseldorf  wurde  das  Lied  am  22.  April  1854  zum  erstenmal
öffentlich  vorgetragen.  Bald  wurde  es  in  vielen  Vereinen  gesungen;
doch  der  großen  Mehrheit  des  Volkes  blieb  es  noch  immer  unbekannt.
  Da  kam  das  Jahr  1870.  Wie  der  Sturmwind  verbreitete
sich  das  Lied  da  durchs  deutsche  Land.  In  allen  Städten  und  Dörfern
hörte  man  es,  in  den  Häusern  und  auf  den  Straßen  und  auf  dem
Felde.  Da  wurde  es  auf  einmal  überall  bekannt.

Das  war  jenes  denkwürdige  Jahr,  als  sich  ganz  Deutschland,
Aord  und  Süd,  erhob  zum  Kampfe  gegen  den  Erbfeind.  Da
waren  die  Worte  zur  Wirblichkeit,  zur  Tat  geworden:

„Es  braust  ein  Ruf  wie  Donnerhall,

wie  Schwertgeklirr  und  Wogenprall:

Zum  Rhein,  zum  Rhein,  zum  deutschen  Rhein,
wer  will  des  Stromes  Hüter  sein!"

Als  damals  Deutschlands  Söhne  hinauszogen  in  den  aufgezwungenen
  schweren  Krieg,  wurden  sie  in  allen  Städten  und  Dörfern
  mit  diesem  Liede  begrüßt,  da  erbrauste  durch  alle  Gaue  unsers
weiten  Vaterlandes  der  Gesang:

„Lieb  Vaterland,  magst  ruhig  sein,
fest  steht  und  treu  die  Wacht  am  Rheinl“