Die Gesamtstärle dieses Heeres belief sich auf 128000 Mann mit ea.
22000 Reitern und 344 Geschützen.
In der ersten Hälfte des Juni setzte Napoleon diese sämtlichen Heereskörper
von ihren Sammelplätzen nach der belgischen Grenze in Marsch, wo
am 15. Juni die Kriegsoperationen mit dem Ubergang über die Sambre beginnen
sollten. Napoleon verließ am 12. Juni Paris, um sich zu seiner Armce
zu begeben. Es fragte sich, welche von den acht Mächten, die die Achtserklärung
gegen Napoleon ausgesprochen hatten, bereit war, mit ihrem Schilde
seinen ersten Schwertstreich aufzufangen.
OÖsterreich brauchte nach seinem eigenen Geständnis noch bis zum 1. Juli
Zeit, um seine Rüstungen zu vollenden. Die Russen hatten die Grenzen ihrer
Heimat kaum wieder erreicht, als der Befehl ihres Zaren sie auf den alten
Kriegsschauplatz zurückrief. — ein weiter Weg vom Don und der Wolga bis
an den grünen Rhein! England betrachtete sich zwar besonders als Schutzmacht
des bourbonischen Königtums, sowie des jungen Königreichs der Niederlande,
und eine englische Armee, welche noch jüngst in den Kämpfen auf der
pyrenäischen Halbinsel unter Führung von Sire Arthur Wellesley, dem
jetzigen Herzog von Wellington, auf den Schlachtfeldern von Talavera und
Vittoria (21. Juni 1813) Zeugnis von ihrer Kriegstüchtigkeit und Tapferkeit
abgelegt hatte, stand noch an der niederländischen Grenze; aber die englische
Landmacht hatte doch seit Marlboroughs Zeiten keine entscheidende Rolle mehr
in den Festlandskricgen gespielt und kein anderes europäisches Interesse verfochten
als das englische. Die Leistungen Preußens im Befreiungskriege
1813/14 waren noch jedermann in frischem Gedächtnis; aber der Neid und
die Mißgunst der anderen Mächte hatten Preußen den Preis für seine Anstrengungen
und Opfer geschmälert, seine Stimme war auf dem Wiener Kongresse
oft überhört worden. Dennoch hatten Preußens König und Volk auch
jetzt keinen anderen Gedanken, als die Freiheit und Unabhängigkeit der europäischen
Staaten und seine eigene gegen die Willkür des Despoten zu beschützen.
„Europa kann den Mann auf Frankreichs Thron nicht dulden, der die
Weltherrschaft als den Zweck seiner stets erneuerten Kriege laut verkündete, der
die sittliche Welt durch fortgesetzte Wortbrüchigkeit zerstörte und deshalb für
eine friedliche Gesinnung keine Bürgschaft leisten kann,“ — so sprach König
Friedrich Wilhelm III. zu seinem Volke, und das Volk verstand ihn und war
bereit, von neuem alle die Opfer zu bringen, welche das Wohl und die Freiheit
des Vaterlandes und das gemeine Beste erfordern würden.
Die preußischen Krieger waren vor noch nicht langer Zeit in ihr Vaterland
zurückgekehrt. Mit frohem Herzen, an seiner Stirn das Blechschild mit
der unauslöschlichen Inschrift: „Mit Gott für König und Vaterland,“ auf der
Brust den schönsten preußischen Kriegerschmuck des Eisernen Kreuzes, so begrüßte