thumbs : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Zweiter Teil. (2)

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den,  hartnäckig  verteidigten  Dickichte  des  Cumieresund
  Rabenwaldes  hinein.  Beide  wurden  bis  zum
10.  März  gesäubert  und  gegen  stürmisch  anrennende
Gegenangriffe  gehalten.  Schon  vier  Tage  später
wurde  die  ganze,  den  Wäldern  westlich  vorgelagerte
»Mort  Homme-Stellunge!  genommen  und
oß  wütender  Rückeroberungsversuche  behauptet.
Und  nun  griff  unser  Vordringen  noch  weiter  westlich
um  jene  zusammenhängende  Gruppe  fester  Stellungen
  herum,  welche  die  Dörfer  Béthincourt,  Malancourt
  und  Haucourt  zu  Stützpunkten  und
hinter  ihrer  Mitte  die  Höhe  304  zum  Rückhalt  hatien.
  Aus  dem  Gehölz  von  Malancourt,  das  schon
seit  Herbst  1914  in  unserer  Hand  war,  drangen  unsere
  Truppen  in  den  südlich  vorgelagerten  Wald  von
Avocourt  ein  und  brachten  ihn  am  20.  März  fest
in  ihre  Hand.

Durch  die  Erstürmung  dieses  Waldes  war  die  vielberufene
  Sackstellung-  emtanden.  indem  zwischen
dessen  Ostspitze  und  dem  Nordwestzipfel  der  Toten
Mann  Stellung  noch  ein  weit  in  die  deutschen  Stellungen
  vorspringendes  Geländestück  in  den  Händen
des  Feindes  geblieben  war.  Am  30.  März  fiel  der  westliche
  Stütpunkt,  das  Dorf  Malancourt,  in  unsere
Hände.  Am  5.  April  nahmen  wir  das  einen  südöstlichen
  Ausläufer  von  Malancourt  bildende  Dorf
Haucourt  und  am  9.  auch  den  rechten  Flügelstützpunkt,
  das  Dorf  Béthincourt.  Am  gleichen  Tage
brachte  ein  Angriff  bei  der  „-Mort  Homme-Stellungauch
  die  südöstliche  Kuppe  des  auf  der  französischen
Karte  als  „Mort  Hommee  bezeichneten  Höhenrückens
in  unsere  Hände.

Auch  während  des  ganzen  Monats  Mai  nahm  das
wechselvolle  Ringen  auf  dem  linken  Maasufer  ohne
Ermatten  seinen  Fortgang.  Die  Ausräumung  der
„  Sackstellunge  wurde  in  schrittweisem,  durch  kleinere
Rückschläge  nur  vorübergehend  unterbrochenem  Vordringen
  zu  Ende  geführt.  Den  Mittelpunkt  des  furchtbaren
  Ningens  in  diesem  Monat  bildete  die  berühmte
Höhe  304.  Abschnittsweise  wurden  zunächst  ihre
nördlichen,  dann  ihre  westlichen,  zuletzt  am  21.  Mai
ihre  östlichen  Ausläufer  gestürmt.  Ostlich  des  -  Toten
Mannese  ist  am  23.  Mai  die  Trümmerstätte,  die  einstmals
  das  Dorf  Cumieres  war,  gestürmt  worden.
Die  an  diesem  Tage  noch  gescheiterte  Eroberung  der
Caurettes-Höhe  und  des  ganzen  Geländes  von  der
Südkuppe  des-Toten  Mannes  bis  zur  Südspitze  von
Cumieres  konnte  bis  Ende  Mai  erzwungen  werden.

Mit  der  Eroberung  der  Linie  Wald  von  Avocourt-304-—Toter
  Mann-Cumirkres  hatunser
Fortschreiten  auf  dem  linken  Maasufer  zunächst  sein
Ende  erreicht.

V.

Auf  dem  Ostufer  waren  nach  Erreichung  der  allgemeinen
  Linie  Vacherauville—-Douaumont  die
Operationen  zu  einem  längeren  Stillstande  gekommen.
Dabei  mußten  wir  uns  gleichwohl  darüber  klar  sein,
daß  wir  den  Besitz  von  Douaumont  dauernd  nur  würden
  behaupten  können,  wenn  es  uns  gelänge,  das
Fort  Vaux,  das  wir  nach  dem  ersten  Anlaufe  wieder
  halten  aufgeben  müssen  2,  fest  in  unsere  Hand  zu
bekommen  und  auch  darüber  hinaus  unsere  gesamte
Linie  noch  weiter  Egen  Südwesten  und  Süden  vorzutragen.
  Gegen  Ende  März  gingen  wir  also  auch
hier  wieder  zum  Angriff  über,  der  uns  am  27.  das
Werk  Hardaumont  und  in  den  nächsten  Wochen

1  „=  Toter  Mann-Stellung.“=  —  2  Am  p.  März.

II.  Kriegsgeographie  und  Kriegsgeschichte

bis  Mitte  April  kleinere  Geländegewinne  brachte.  Am
17.  April  führte  dieser  Gefechtsabschnitt  zur  Einnahme
  einer  Bergnase,  welche  südlich  des  Forts
Douaumont  sich  hinzieht  und  durch  ihre  überhöhende
Lage  unseren  Stellungen  westlich  und  nordwestlich
des  Forts  sehr  unbequem  gewesen  war.  Nun  trat
rechts  des  Flusses  wiederum  eine  Ruhepause  von
einem  Monat  ein.

Das  energische  und  erfolgreiche  Fortschreiten  unserer
  Angriffe  auf  dem  westlichen  Ufer  bewog  die  Franzosen
  zu  einem  verzweifelten  Versuche,  den  Schwerpunkt
  der  Kämpfe  wiederum  auf  das  rechte  Maas.
ufer  hinüberzureißen.  Vom  17.  Mai  ab  setzte  schweres
Artilleriefeuer  auf  das  Fort  Douaumont  ein,  an
dessen  Wiedergewinnung  die  Franzosen  ihre  beste
Kraft  setzten.  Es  folgte  in  den  nächsten  Tagen  ein
schwerer  und  erfolgreicher  Angriff  auf  das  Fort.  der
am  23.  Mai  zur  völligen  Vergasung  des  Forts  führte
und  bis  in  die  westlichen  Fortgraben  und  auf  die
Nordwestspitze  des  Forts  gelangte.  Aber  schon  setzte
unser  Gegenangriff  ein.  Am  24.  und  25.  Mai  erlitten
die  Franzosen  eine  schwere  Niederlage.  Unser
Angriff  gewann  uns  die  ganze  verlorengegangene
Linie  zurück  und  stieß  sogar  noch  weit  über  sie  hinaus
nach  Süden  vor.  Am  1.  Juni  wurde  der  Caillette-Wald
  gestürmt,  am  2.  fiel  das  Fort  Baux  in
unsere  Hano.  Nur  in  den  Hohlräumen  konnte  sic
der  Feind  noch  bis  zum  7.  Junik  halten.

Eine  weitere  große  Gruppe  von  Angriffskämpfen
  setzte  bereits  am  8.  Juni  ein.  Sie  brachte  uns
einen  erheblichen  Bodengewinnsidlichdes  Forts
Douaumont.  Die  Hauptpunkte,  welche  dabei
in  unsere  Hand  fielen,  sind  das  Thiaumont-Weri
und  das  für  die  Gesamtlage  allerdings  nicht  bedeutungsvolle
  Dorf  Fleury,  welche  samt  den  zwischenliegenden
  Befestigungsanlagen  auf  dem  Bergrücken
»Kalte  Erde-  am  23.  Juni  genommen  wurden.
Gegen  diesen  Geländegewinn  auf  dem  Ostufer  richtete
der  Feind  seitdem  eine  große  Reiheheftigster  Gegen.
angriffe  bei  Tag  und  Nacht,  die  den  Beginn  der
Somme-Ofsensive  Üüberdauerten.  Im  Verlaufe  dieser
Kämpfeist  das  Dorf  Fleury  wieder  aufgegeben  worden.

Die  russische  Märzosfensve  1916  .
Verbffentlicht  am  9.  Juni  1916.

Die  Winterruhe  des  Stellungskrieges  an  der  deutschen
  Ostfront  wurde  am  16.  März  jäh  und  plötzlich
unterbrochen.  Zu  dem  von  unserer  Heeresleitung  erwarteten
  Zeitpunkt  und  mit  gleichfalls  erwarteter
Kraftanstrengung  setzte  die  russische  Offensive
ein,  in  ihrem  Eintritt  seit  langem  kenntlich,  in  ihrer
Endwirkung  vorauszusehen  und  erwünscht.

Die  ersten  sicheren  Anzeichen  des  bald  bevorstehenden
  Angriffes  wurden  Ende  Februar  bemerkbar.  Gefangene
  sprachen  von  der  Absicht  eines  großen  Angrisses
  auf  »Wilna«.  Die  Ruhe  in  den  russischen
Gräben  machte  einer  lebhaften  Tatigteit  Platz;  Truppenverschiebungen
  an  und  hinter  der  Front  ließen
auch  bald  die  beabsichtigten  Einbruchsstellen  erkennen.

Man  mag  diese  Offensive  als  -Entlastungsoffensive“
  für  die  französische  Verdun-Front  bewerten  oder
als  selbständige  strategische  Handlung  beurteilen.
zwei  Tatsachen  stehen  unverrückbar  fest:  das  große
Endziel  der  russischen  Heeresleilung  und  die  uner-1

  Nach  anderen  Darstellungen  bis  zum  6.  Juni.
2  Vgl.  die  Karte  2  Die  russische  Offensive  Dünaburg—Narotsch-See
  März  1916-°(  bet  S.  206.