198
den, hartnäckig verteidigten Dickichte des Cumieresund
Rabenwaldes hinein. Beide wurden bis zum
10. März gesäubert und gegen stürmisch anrennende
Gegenangriffe gehalten. Schon vier Tage später
wurde die ganze, den Wäldern westlich vorgelagerte
»Mort Homme-Stellunge! genommen und
oß wütender Rückeroberungsversuche behauptet.
Und nun griff unser Vordringen noch weiter westlich
um jene zusammenhängende Gruppe fester Stellungen
herum, welche die Dörfer Béthincourt, Malancourt
und Haucourt zu Stützpunkten und
hinter ihrer Mitte die Höhe 304 zum Rückhalt hatien.
Aus dem Gehölz von Malancourt, das schon
seit Herbst 1914 in unserer Hand war, drangen unsere
Truppen in den südlich vorgelagerten Wald von
Avocourt ein und brachten ihn am 20. März fest
in ihre Hand.
Durch die Erstürmung dieses Waldes war die vielberufene
Sackstellung- emtanden. indem zwischen
dessen Ostspitze und dem Nordwestzipfel der Toten
Mann Stellung noch ein weit in die deutschen Stellungen
vorspringendes Geländestück in den Händen
des Feindes geblieben war. Am 30. März fiel der westliche
Stütpunkt, das Dorf Malancourt, in unsere
Hände. Am 5. April nahmen wir das einen südöstlichen
Ausläufer von Malancourt bildende Dorf
Haucourt und am 9. auch den rechten Flügelstützpunkt,
das Dorf Béthincourt. Am gleichen Tage
brachte ein Angriff bei der „-Mort Homme-Stellungauch
die südöstliche Kuppe des auf der französischen
Karte als „Mort Hommee bezeichneten Höhenrückens
in unsere Hände.
Auch während des ganzen Monats Mai nahm das
wechselvolle Ringen auf dem linken Maasufer ohne
Ermatten seinen Fortgang. Die Ausräumung der
„ Sackstellunge wurde in schrittweisem, durch kleinere
Rückschläge nur vorübergehend unterbrochenem Vordringen
zu Ende geführt. Den Mittelpunkt des furchtbaren
Ningens in diesem Monat bildete die berühmte
Höhe 304. Abschnittsweise wurden zunächst ihre
nördlichen, dann ihre westlichen, zuletzt am 21. Mai
ihre östlichen Ausläufer gestürmt. Ostlich des - Toten
Mannese ist am 23. Mai die Trümmerstätte, die einstmals
das Dorf Cumieres war, gestürmt worden.
Die an diesem Tage noch gescheiterte Eroberung der
Caurettes-Höhe und des ganzen Geländes von der
Südkuppe des-Toten Mannes bis zur Südspitze von
Cumieres konnte bis Ende Mai erzwungen werden.
Mit der Eroberung der Linie Wald von Avocourt-304-—Toter
Mann-Cumirkres hatunser
Fortschreiten auf dem linken Maasufer zunächst sein
Ende erreicht.
V.
Auf dem Ostufer waren nach Erreichung der allgemeinen
Linie Vacherauville—-Douaumont die
Operationen zu einem längeren Stillstande gekommen.
Dabei mußten wir uns gleichwohl darüber klar sein,
daß wir den Besitz von Douaumont dauernd nur würden
behaupten können, wenn es uns gelänge, das
Fort Vaux, das wir nach dem ersten Anlaufe wieder
halten aufgeben müssen 2, fest in unsere Hand zu
bekommen und auch darüber hinaus unsere gesamte
Linie noch weiter Egen Südwesten und Süden vorzutragen.
Gegen Ende März gingen wir also auch
hier wieder zum Angriff über, der uns am 27. das
Werk Hardaumont und in den nächsten Wochen
1 „= Toter Mann-Stellung.“= — 2 Am p. März.
II. Kriegsgeographie und Kriegsgeschichte
bis Mitte April kleinere Geländegewinne brachte. Am
17. April führte dieser Gefechtsabschnitt zur Einnahme
einer Bergnase, welche südlich des Forts
Douaumont sich hinzieht und durch ihre überhöhende
Lage unseren Stellungen westlich und nordwestlich
des Forts sehr unbequem gewesen war. Nun trat
rechts des Flusses wiederum eine Ruhepause von
einem Monat ein.
Das energische und erfolgreiche Fortschreiten unserer
Angriffe auf dem westlichen Ufer bewog die Franzosen
zu einem verzweifelten Versuche, den Schwerpunkt
der Kämpfe wiederum auf das rechte Maas.
ufer hinüberzureißen. Vom 17. Mai ab setzte schweres
Artilleriefeuer auf das Fort Douaumont ein, an
dessen Wiedergewinnung die Franzosen ihre beste
Kraft setzten. Es folgte in den nächsten Tagen ein
schwerer und erfolgreicher Angriff auf das Fort. der
am 23. Mai zur völligen Vergasung des Forts führte
und bis in die westlichen Fortgraben und auf die
Nordwestspitze des Forts gelangte. Aber schon setzte
unser Gegenangriff ein. Am 24. und 25. Mai erlitten
die Franzosen eine schwere Niederlage. Unser
Angriff gewann uns die ganze verlorengegangene
Linie zurück und stieß sogar noch weit über sie hinaus
nach Süden vor. Am 1. Juni wurde der Caillette-Wald
gestürmt, am 2. fiel das Fort Baux in
unsere Hano. Nur in den Hohlräumen konnte sic
der Feind noch bis zum 7. Junik halten.
Eine weitere große Gruppe von Angriffskämpfen
setzte bereits am 8. Juni ein. Sie brachte uns
einen erheblichen Bodengewinnsidlichdes Forts
Douaumont. Die Hauptpunkte, welche dabei
in unsere Hand fielen, sind das Thiaumont-Weri
und das für die Gesamtlage allerdings nicht bedeutungsvolle
Dorf Fleury, welche samt den zwischenliegenden
Befestigungsanlagen auf dem Bergrücken
»Kalte Erde- am 23. Juni genommen wurden.
Gegen diesen Geländegewinn auf dem Ostufer richtete
der Feind seitdem eine große Reiheheftigster Gegen.
angriffe bei Tag und Nacht, die den Beginn der
Somme-Ofsensive Üüberdauerten. Im Verlaufe dieser
Kämpfeist das Dorf Fleury wieder aufgegeben worden.
Die russische Märzosfensve 1916 .
Verbffentlicht am 9. Juni 1916.
Die Winterruhe des Stellungskrieges an der deutschen
Ostfront wurde am 16. März jäh und plötzlich
unterbrochen. Zu dem von unserer Heeresleitung erwarteten
Zeitpunkt und mit gleichfalls erwarteter
Kraftanstrengung setzte die russische Offensive
ein, in ihrem Eintritt seit langem kenntlich, in ihrer
Endwirkung vorauszusehen und erwünscht.
Die ersten sicheren Anzeichen des bald bevorstehenden
Angriffes wurden Ende Februar bemerkbar. Gefangene
sprachen von der Absicht eines großen Angrisses
auf »Wilna«. Die Ruhe in den russischen
Gräben machte einer lebhaften Tatigteit Platz; Truppenverschiebungen
an und hinter der Front ließen
auch bald die beabsichtigten Einbruchsstellen erkennen.
Man mag diese Offensive als -Entlastungsoffensive“
für die französische Verdun-Front bewerten oder
als selbständige strategische Handlung beurteilen.
zwei Tatsachen stehen unverrückbar fest: das große
Endziel der russischen Heeresleilung und die uner-1
Nach anderen Darstellungen bis zum 6. Juni.
2 Vgl. die Karte 2 Die russische Offensive Dünaburg—Narotsch-See
März 1916-°( bet S. 206.