Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6a. (6a)

Bonins Mission nach Darmstadt. Dalwigks Abeinbundstendenzen. 343 
bewogen, den General von Bonin in besonderer Mission nach Darmstadt zu schicken. Der- 
selbe ist von dem Könige beauftragt, 1) die Erfüllung der in der Konvention vom 7. April 
v. J. von Hessen übernommenen, schon am 1. Cktober v. J. fällig gewordenen Verpflich- 
tungen zu verlangen; 2) zu verlangen, daß jeder Einfluß des nicht von der Bundesgewalt 
ressortierenden Kriegsministers auf K heiten aufhöre; 3) dem Großberjoge 
zu empfeblen, daß er das Kriegsministerium als reine „ Berwaltungsbehörde organisieren und 
entsprechend vereinfachen möge in Übereinstimmung mit den Vorschlägen des Drinzen 
Ludwig. 
Der General von Bonin ist angewiesen, vor dem Grohberzoge höflich und freundlich, 
gegen Herrn von Dalwigk entschiedener aufzutreten. 
Sch meinerseits habe ihm nicht verhehlt, daß ich für den Fall politischer Komplikationen 
zu Herrn von Dalwigk mit seinen rheinbündlerischen Tendenzen kein sonderliches Vertrauen 
bätte und deshalb eine baldige Abhilfe der hervorgetretenen Übelstände für unbedingt erfor- 
derlich hielte. Wenn dieselbe nicht von Darmstadt geleistet werde, so würden wir zunächft 
die zum Norddeutschen Bunde gehörenden befsischen Cruppen aus dem Großberzogtum 
wegverlegen, auf preußischem Fuß organisieren und die Kosten von Hessen einzieben müssen. 
Ich mache Ew. pp. diese Mitteilung nur zu Ihrer perfönlichen Information, bitte, der- 
selben gegen Herrn von Dalwigk keine Erwähnung zu tun und sich vorerft überhaupt nicht 
in die Sache zu mischen, sondern den General von Bonin operieren m lassen und demnächst 
weitere Weifungen abzuwartent. 
*1129. Erlaß an den Gesandten in München 
Freiherrn von Werthern. 
— von der Hand des Vortragenden Aats Bucher.)] 
m 6. April hatte Freiberr v. Werthern auf Grund von Mitteilungen des Herausgebers 
der „ Presse“ Julius Fröbel über ein Hefräch berichtet, das dieser kur: movor 
mit dem Kanzler der französischen Gesondtschaft in München Lefaiore gehabt batte. Danach 
bätte dieser den Standpunkt vertreten: „Die Dynastien hier unten seien nicht mebr lebensfähig. 
Preußen werde gest. hurch die Jurcht vor Frankreich mrückgeholten, in seinen Unifikations- 
Säneng weiter zu gehen; auch n würde Srankreich nie zugeben, daß Preußen den Main überschreite. 
en süddeutschen Staaten bleibe daher nichts übrig, als die republikanische Sorm anzunehmen 
und sich an die Schweiz anzuschließen.“ Fröbel wollte aus Lefaivres Nitteilungen schliehen, daß die 
offensichtliche Koalition der ultramontanen und der d artei. „über 
die Grenzen der einzelnen Länder binaus sich als eine allgemeine organisiert babe oder Ju organi- 
sieren suche, und dah sie sonderbarerweise auf der einen Seite die Interessen des Legitimismms 
fördere, auf der anderen offiziell oder offiziös von der krnkolischen. Politik gefördert werde, 
welche in der Dildung einer süddeutschen Nepublie und Anschluß derselben an die Schwein bine 
geringere Gesahr erblicke als in der Einbeit Deutschlands unter preußischer Sübrung“. 
einem weiteren Berichte Wertherns war auch Fürst Hobenlohe von der Unterredung Fröbels an 
Lefaiore unterrichtet. BVgl. sdamu Hobenlobes Bericht an König Ludwig II. vom 10. April 
— — I. 300), in dem sich deutliche Anklänge an das Gespräch Fröbel-Lefaivre 
fin nden. ch Ho benlobe iniicht darin von dem w offen mutage getretenen Bund der 
lerikalen och demokratischen Elemente“ und von dem „Auftauchen republikanischer Tendenjen 
unter dem Deckmantel Kenseroctioe Interessen“. Aicht minder decken die DBerchte des badischen 
Gesandten in München v. Mohl die gleichen Susammenbänge auf. Bgl. den von O. Lorem 
(Koiser Wilbelm und *— Begründung des Reichs 1866 bis 1871. S. 597) Wröfffemiichten Aus# 
1 Aäberes über Verlauf und A 7 v Die Cagebücher des Fre 
bard v. Dalwigk m elchertuft und » IV — * onins in: Die Cagedüch Freiberr#- Rein-