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Rosenheimer Tagblatt
Amiliches Bublikations-Organ
Donnerstag, 31 Jonuar 1918
Nummer 2
. Kath.: Genovefa
r: huhd. Jahrgang
Friedensanwandlungen des Vielverbandes.
Die Friedensanregung von Brest-Liowsk soll von der Entente beantwortet werden — Ein erfolgreiches U.Boot. —
-Eirn englsches
Mmensuch-Kanonenboot versenkt. — Die Kämpfe in Palästtna.
Friedensanwandlungen des Vielverbapdes.
In der Silvesternacht wurde man durch folgende
Nachricht überrascht:
Amsterdam, 31. Dezember 1917. Abends
1211 Uhr. Reuter.
Der Londoner Kerrespondent des „Manchester
Guardian“ erfährt:
Die britische Regierung betrachtet die von
Deutschland und Oesterreich-Ungarn *·**
stellten Frledenabedingungen als einen ernsten
Schritt von seiten der #elmächte.
Die britische Negierung habe die feste Absict,
eine eruste, wohlüberlegte
Antwort zu geben, sobald die Bedingungen
offiziell überreicht sind.
Lloyd George hat bereits selbst seine Reise
nach Frankreich festgesetzt, um mit Clemenccau
darüber zu verhandeln.
#
Die Neutermeldung ist eine nicht geringe Uererrald-
ung. Jast einhellig hatlen in den letzten
Tagen die englischen Blatter die bei den
Verllandlungen in Brest-Litowsk zum Ausdruck
gekommene deutsche Friedensgeneigth-it
mit höhnischen Kommentaren zurüdgewiesen.
Und nun burh Reuter diese Meldung, die beagt,
daß die britische Regierung die von
Deutschland und Oesterreich- Ungarn gestellten
Friedensbedingungen (7) als einen „ernsten
Schritt“ anseh:. Die britische Negierung. habe
die feste Ablicht, eine „ernste, wohlüberlegte
Antwor““ zu geben. Woher auf einmal
das Einlenken der britischen Regierung,
das man nack den ablehnenden Stimmen der
englischen Presse nie und nimmer erwartete?
Diese Meldung darf in ihrer Bedeutung nicht
ubens kt werden; lie ist uherst vorsichtig gebalten
und läst durchaus keinen Schluß zu auf
die Art und Weise, wie diese „wohlüberlegte“
nglische Antwort ausfallen wird. Und darin
liegt letzten Endes die Entscheidung, ob Friedensverhanolungen
oder Fortsetzung des Krie-Kes.
Vor allem muß dieser plönlichen englischen
Einsicht eine kräflige Dosis Mißtrauen entgegengesetzt
werden, denn es ist gar nicht ausgeschlossen,
daß es sich um einen neuen englischen
Trick handelt, den Sonderfrieden
mit Rußland, der nach Ablauf der rt.
frist am J. Januar 1918 so ziemlich sicher eintreten
dürfte, zu verhindern.
Was wir von der gegenwärtigen E Regierung
zu erwarten habeh, geht aus nachstehender
Meldung Cetvor, derzufolge die Rückgabe
Elsaß-Lothringens als englisches Kriegezel zu
betrachten wäre:
* Haag, 31. Dez. Lloyd George empfing die
Mitglieder des Gewerkschaftsausschusseo, die
über die Verhandlurgen des Ausschusses ner
sönlich Bericht erstatleten. Die Abordnung erilärte,
daß sie von dem Ergebnis ihrer Besprechungen
mit dem Premierminister durchaus befriedigt
sei. Bezllgtich Elsaß--Lothrinhen
hab: Lloyd George zu erkennen gegeben,
daß die britische Regi:rung nach wie vor sich mit
u Forderungen Frankreichs solidarischer-“*s
und das umsomehr, a-s die elsaß lothringich:
Frage dem ganzen französischen Volke am
2 liege.
Wober die Vorgänge in Londen wird weiter
gemeldet:
„AUmsterdam, 31. 12. Neuter berichtet aus
2
on’ : Die „Daily News“ meldet, daß der
al ide der V und
dar xntarische Somiiee des Gewrt icafir· n
Premierminister besuckten, der den lebhaften
Wunsch bezeigte, sich mit dem Standpunkt det
Arbeiter in der Kriegezielfrage unter besonderer
Bezugnahme auf das Arbeitermemorandum
vertraut zu machen. Die Unterredung verlief
ruhig und gemäßigt. Man wünschte allgemein,
sich auf die nackten Talsachen zu beschränken.
Das deutsche Friedensangebot an Raßland
wurde erwähnt und der Abordnung wur.
de zu verstehen gegeben, daß die alliserten Regierungen
wahrscheinlich irgendeine Antwort
heben würden. Bel Besprechung der Friedensund
Kriegsziele betonte der Premi eiminister,
daß sich die Regierung fur verpflschiet haute, im
Einvernel men mit den alliierten Regierungen zu
handeln. Die Unterredung beschränkie sich auf die
Kriegeziele und di e õragen des Menschenmaterials.
Eine Ve katigung und ein Dementi.
* London, 1. 1. (Reutermeldung.) Der
Parlamenteberick erstatter des „Dai.y Chronicle“
meldet:
erkannt, daß die Vorschläge von Brest Lilowsk
eine schwerwiegende neue Tatsache
darstellen, von der amtlich Kenn:inis cenommen
werden müsse. Selbft mit den Einschränkungen
des Grafen Czrnin sei die Aimohme der rufiischen
Formeln das Anzeichen einer neuen Lage.
England, Franlreich, die Vereinigten Staaten
und Jialien tauschten bereits ihre
Ansichten auo. «
* London, 31. 12. (Neutermeldung.) Auf
eine Anfrage im Hause des Premierministers er
fährt das Reutersche Bureau, daß dort wi e
bekaunt sei, ven der vom „Manchester Guardian“"
gemeldeten angeblicken Absicht Lloyd
Georges nach Frankreich zu reisen, um mit Clemenceau
die österreichisch-deutschen Friedensbedingungen
zu besprecher
Keine Antworkist auch eine.
Amsterdam, 31. 12. Einem hies. Blatie
##soss meldet die „Times“ aus Washingion:
Staatssekretär Lansing teilte ann einer Journalistenkonserenz
mit, er habe über die Erklärungen
des Grasen Ciernins in Brest-Litowsk
nichts zu sagen. Amtlich werde von ihnen wahrsckeinlich
keine Nottz genommen werden.
Große Beratung in Paric.
* Paris, 1. 1. (Agence Havas.) Bonar Law
und Chamberlain sind gestern abend h'#r cingetroffen.
Die Friedensverhaudlungen.
Rückblick über die bisherigen
Verhandlungen.
* Wien, 31. 12. Das Wiener „Fremdenblat!“
schreibt: Vorgestern abend traf Graf
Czernin mit einem Teil seiner Begleitung aus
Bresl- Litowol hier ein. Aus den Mirteilungen,
die wir von Teilnehmern an den # riedensver
han lang’n erh##i#ehbn, ergb. lihd'snachstehende
Bild des bieherigen Verlaufes der Konferenz:
Der Verlauf der Friedensverhandlungen läßzt
die Hoffnung krrechtigt erche'inen, daß es
zwischen dem Vierbund und NRußland“ zu einem
vollkommenen Einverständis kommen
werde. Es wäre jedoch verfehlt, zu glauben, daß
keine Schwierigkeiten mehr zu überwinden sind. ·
In der territorialen Frage bestehen noch einige
Meinungsverschiedenheiten, die sich hauptsächlich
auf die Modalitäten, unter denen die
Bevölkerung der von den Mit'emäckten derzeit
besetzten russischen Gebiete abstimmen soll, bedet-
Beendigt sind also die Verhandlungen
leineswegs, doch sind lie in autem Gan-Jn
Reg'erungstre sen wird an
richtige Friedenswillen ztage und der Geist
des Entgegenkommens und der Versöhnlichkeit
war bei den Beratungen vorherrschend. So wurde
ein beträchtlicher Teil des Weges, der zum
Frieden führt, zurückgelegt und in den wesentlichen
Punkten ist es zu einem voilständigen
Einvernehmen gelommen und im anderen zu einer
solchen Annäherung, daß die Erwartung, es
werde auch hiet zu einer Uebereinstimmung kom.
men, berechtigt erscheint. Die russischen Delegierten
erwiesen sich als überaus unterrichtete,
zielkewußte und gewandte Staatsmänner. Sie
Nandelten mit der größten Loyalität und Ofsen= «
beit und legten immer frenge Sachlichkeit an
den Tag. Sie zeigten sich bestrebt, nuch Kräf.
ten das Friedenswert zu fördern. Der rasche
Gaung der Verhandiungen ist nicht zum gerungsten
Teile auf die Haltung der ruf.. Delegier-)
ten zurüdzuführen. Der perfönliche Verkehr zwi. r
schen den Bevollmächt' gren des Vierbundes und
Rußlands spielte sich in den angenehmsten und
urbansten Formen ab. Die Mahlzeiten werden
gemensam an langen Tafen eirgenommen.
Als Gaitgeb r###das deut de Oberlommando--Oit
auf. Die Ti'chge srräche waren vollkommen
zwanglos; es herrsatte en durchaus freund,
scl aftlicher Verkehr zueschen den Bevo. lmächtig- «
icn. Die Mehrzahl der russischen Der eg erten
ilt der dautschken Sprache mäch:ig. Die offiriellen
Verl,andlungen selbst werden abwechselnd
deutsch, russisch oder franzölisch mit Hinzuzie-Dung
von Dolmetichern geführt. Die Bevollmächtig:en
des Vierbundes und Rußlands veralschiedeten
sich in der herzlichsten Weise
und es ist wohl zu hoffen, daß ihre baldige
nächste Zusammenkupft ebenso günstige Reful.
late zeitigen wird wie der erste Abschnitt der
Friedenslonferenz von Brest-Litowol.
Die Lage in Raßzland.
Eine Moldawische Repubiik.
* London, 1. 1. Das Reutersche Burcau
meleet nach der „Times“ aus Pe ersburg: Eine
Moldawische Repub. it wurde in Bessarab.en prollahiert.
Sie erklärt#e, innerhalb des russischen
Staatsverbandes b.eiben zu wollen.
Autonomie Turkestans.
* Petersburg, 20. 12. (Reuer.) In Turkestan
hat sich, wie berich’et wird, eire cutonome
Regierung geblldet.
Der Bürgertrieg.
Perling, 1. 1. Das Reutersche Bureau bericktet
aus Charbin: Wäbrend der Kämpfe in
Iriutsk ermordete die Rot. Garde den franzöfischen
Konsularagenten und zwei andere Fran-2zosen.
Die Stadt brennt. Die Bevölkerung ladet
Hunger. Die Maximalisten erhauen Ver- "
stärkungen aus Krasnojarsk.
s Pete reburg. 1. 1. (Privattelegramm.)
Reutermeldung. Die Kämpfe in Irkutsk zwischen
regulären Truppen und drr roten Garde einerseito
und Kosalen und Militärkadetten anderseits
dauerten beinabe eine Woche. Kanonen
und Masch'nengewehre wurden angewendet. Es
wird gemeldet, daß ganze Stadtteitc verwüstet
und die Zweigstelle der Staatsbank sowie das
Telegraphenamt nitdergebe annt sind.
gert. in starker englischer Erkundungsvorstoß
südlich von Marcoing wurde abgewiesen und
in lleineren Kämpfen der Geländegewinn vom
30. Dezember ermwe teri. Die Gefangenenzahl hat
4% um einige Offiziere und um 70 Mann er-Gresgrnope
des Ddel
Kronprinzen
und
Front des 5%v nß%% Albrecht
ien Württenbers.
Nördlich von Prosn urd beiderseits von
Ornes, sowie nördlich und östlich von St. Mihiel
war die Artilleriet ig'eit zeitweilig lebhafter.
Cestlicher Kriegsschauplatz.
ues.
Mazedonische Front.
Kein, besorderen Ereignisse.
talienischer Kricgsschauplauz
Im Tombeagebiet kdauer in tageüber hef ige
Fenerlämpfe an.
er erste
Nichts Ne
Gen ralquartiermeiVV-Ludendorff.
*
Der amtliche österreichische Vericht.
WITB. Wien, 31. 12., mittags. Amtlich wird
gemeldet:
Oestlicher Kriegsschanplatz
Waffenstillstand.
Iralientscher Krtegsschauplach
Nach h. ft gr Ar iller'e- und Minenwerfervorbereimung
ging gestern nachmittag französische
Infanterie gegen unsere Stellungen auf dem
Monte Tomba vor.
Nach schwerem Kamofe gelang es dem Gegner,
an einigen Stel.en in unsere Gräben einzudringen
Ergenmabnahmen sind im Gang
An den übrigen Foomabschekten vielfach
rege Artil. Wr
Der Thef des Generalstabs.
V. T. 1. Amtlich wird verlautbart:
Wien, 1
Oestlicher Kriegsschauplatz
Wassenstillstand.
Ataltenischet Krtegssch###plas.
Auf der Hochfläche von Asiago und im Gebiete
des Mon:ze Tomba herrschte tagsüber heftige
Fruerstigket.)
Der Ches des Generalstabs.
Die Beute und Gefangenenzahl
ezember.
§ Berlin, 31. 12. (Privatielgramm) 1#
Dezemder 1917 machten wir über 440
Gefangene, erbeuteten 243 Geschütze,
981 Maschinengewehre, 85 Minenwerfer
und eroberten 164 QOuadratkilometer
Boden in Europa. Die
Beutezahl des g#strigen Vo'stoßes bei Cambrai
ist in diese Zahlen nicht eingerechnet. Demgegenüber
betragen bei- unseren Feinden die
Zahlen wie solgt: 1027 Gefangene, 2 Geschütze
T und 23 Maschinengewehre; in Europa kein Gedie
Aegstage.
W7TB. Grokes Bauptquartier,
J. 1. Amtlich. (Drahlbericht.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Front des Kronprinzen
Rupprecht von Bayern.
In Southoussterwald und bel Palchen daele
ländegewinn.
des Kassers Nerzahrs-Fesell
An das deutsche Segt und die
eutsche Marine!
Ein Jahr G*“ Fensenn Kämpfe
ist zu Ende gega
Gewalltige S die vom delhiaht bis