Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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monarchischen  und  jeder  andern  geregelten  Verfafsung,  wie  die  Beobachtung  der
feierlichsten  Verträge  auf  trügliche  Wortspiele  herunterzusetzen,  das  Uebergewicht
erhalten:  so  schmeicheln  sich  Se.  Majestät,  daß  wenigstens  der  gesunde  und  vorzüglichste
  Theil  der  Nation  das  Dasein  eines  Bundes,  dessen  #bsichten  ihres
Vertrauens  würdig  seien  und  der  gegenwärtigen  höchst  wichtigen  Krifis  entsprächen,
  als  eine  tröstliche  Aussicht  auf  Unterstützung  betrachten  werde.“

Aeußerungen  dieser  Art  erschienen  der  gesetzgebenden  Versammlung  als
ein  Hohn  gegen  das  freie  nur  sein  Recht  suchende  Volk.  Vor  dem  wild  ausbrechenden
  Sturm  mußten  die  bisherigen  Räthe  der  Krone  weichen.  Ihr  Zorn
traf  zuvörderst  den  Minister  des  Auswärtigen,  Delessart;  an  ihm  sollte  sich  zuerst
  die  Lehre  von  der  ministeriellen  Verantwortlichkeit  furchtbar  verwirklichen.
Er  wurde  als  Gefangener  nach  Orleans  abgeführt,  um  dort  von  dem  neuerrichteten
  National-Gerichtshof  sein  Urtheil  zu  empfangen.  In  den  September-Tagen
  fand  er  seinen  Untergang.  Statt  seiner  übernahm  der  gewandte  Dümouriez,
  der  talentvollste  Mann  in  dem  neuen  sogenannten  Jakobiner-Ministerium,
  die  Leitung  der  Geschäfte  im  auswärtigen  Amte.

Ueber  die  Wendung  der  diplomatischen  Verhältnisse  zwischen  Frankreich
und  dem  Kaiser  konnte  kein  Zweifel  mehr  walten.  Auf  Grund  der  Note  vom
18ten  März  legte  Dümouriez  in  einem  ausführlichen  Berichte  dem  König  dar,
daß  die  bisherigen  Verhandlungen  den  hinlänglichsten  Beweis  für  die  offene
Feindschaft  des  Wiener  Kabinettes  gegen  Frankreich  bekundeten,  und  so  den
Känig  nöthigte,  der  Verfassung  gemäß,  in  der  Versammlung  den  Krieg  gegen
den  König  von  Ungarn,  denn  Franz  war  damals  noch  nicht  zum  Kaiser  gewählt,
  in  Vorschlag  zu  bringen.  Am  2osten  April  geschah  der  verhängnißvolle
Schritt,  durch  welchen  Europa  ein  Vierteljahrhundert  hindurch  der  Schauplatz
von  Kriegsereignissen  ohne  Beispiel  und  in  Bahnen  gerückt  werden  sollte,  deren
Ausgangspunkt  heut  noch  weit  ferner  erscheint,  als  je  in  der  Zeit  des  furchtbarsten
  Kampfes  auf  blutgetränkten  Schlachtfeldern.

Wohl  mochte  Ludwig  XVI.  wenigstens  einen  Theil  des  furchtbaren  Sturmes,
  den  er  heraufzubeschwören  gezwungen  war,  ahnen,  denn  ihm  bebte  die
Stimme,  als  er  den  verhängnißvollen  Antrag  vor  der  von  Natinalgefühl  gestachelten
  Versammlung  ablas,  allein  den  ganzen  Umfang  des  bevorstehenden
Geschickes  vermochte  er  wohl  nicht  zu  denken.  Vielleicht  sah  er  in  dem  Kriege
nur  das  leichteste  und  schnellste  Mittel,  um  durch  den  Beistand  der  auswärtigen
Mächte,  deren  aufrichtigen  und  uneigennützigen  Willen,  ihm  zu  helfen,  er  gewiß
nicht  im  fernsten  in  Zweifel  zog,  über  die  regellosen  und  unlauteren  Elemente
der  revolutionären  Bewegungen  Herr  zu  werden;  so  wenigstens  legten  es  damals
  und  später  beim  Gerichte  seine  Feinde  aus;  auch  ist  es  nach  den  Berichten
der  Anhänger  des  königlichen  Hauses  selbst  nicht  zu  bestreiten,  daß  seine  nächste
Umgebung  so  dachte,  und  hier  die  Zeit  der  Ankunft  fremder  Truppen  als  der
Augenblick  der  Befreiung  von  allen  Gefahren  ausgerechnet  wurde.  —  Kurz,  der
Würfel  war  geworfen,  das  Unheil  begann  seinen  zerschmetternden  Lauf.