Full text : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Jolly.

der  zugesprochen;  doch  befand  sich  die  Insel
seit  1800  im  Besitz  der  Engländer  und
verblieb  diesen  im  ersten  Pariser  Frieden
(1814).  Mittlerweile  wären  die  letzten.
Besitzungen  des  Ordens  in  allen  Staaten
Europas  eingezogen  worden,  es  verblieb
ihm  nur  das  Großpriorat  in  Böhmen.
Der  Sitz  des  Ordenskapitels  ward  1834
vom  Papst  nach  Rom  verlegt,  und  sein
Oberhaupt  führte  fortan  nur  den  Titel
*Statthalter  des  Großmeistersc.  1839
wurden  im  österreichischen  Oberitalien  und
in  Neapel  zwei  Priorate  geschaffen.  Demgemäß
  bestehen  von  den  acht  Zungen:
Provence,  Auvergne,  Frankreich,  Italien,
Aragonien,  Kastilien,  Deutschland  und
England,  in  die  der  Orden  einst  zerfiel,
noch  zwei:  die  deutsche  (in  Böhmen)  unddie
italienische.  7  geitr  aesbeleen
zwei  Rittergenossenschaften  in  Preußi
Schlesien  und  Westfalen.  Er  wird  noch
immer  als  souverän  betrachtet  und  besitzt
einen  eignen  Gesandten  am  österreichischen
  Oc  Das  Hauptgewicht  legt  er  gegenwürtig
  auf  die  Organisation  der  Kranenpflege
  und  hat  sich  darin  trefflich  bewährt.


Was  die  innere  Einrichtung  des  Ordens
  in  der  Zeit  seiner  Blüte  betrifft,  so
war  darin  das  Prinzip  der  Nationalität
mit  dem  der  Hierarchie  verschmolzen.
Die  Vorsteher  der  acht  Zungen  oder  Nationen
  bildeten  den  Geheimen  Rat  des
Großmeisters;  es  waren:  der  Großkomtur,
  aus  der  Provence  gewählt  (Präsident
  der  Schatzkammer);  der  Großmarschall
  aus  der  Auvergne  (General  der
Infanterie);  der  Hospitalier  aus
Frankreich  (Aufseher  der  Wohlthätigkeitsanstalten);
  der  Admmiral  aus  Italien;
der  Großkonservator  oder  Trapier
aus  Aragonien  (Vorstand  der  innern
Verwaltung);  der  Turkopolier  aus
England  (General  der  Kavallerie);  der
Großbailli,  auch  Großprior  oder
Johannitermeister  genannt,  aus
Deutschland  (Aufseher  über  die  Festungswerke);
  der  Großkanzler  aus  Kastilien
  Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten).
  Aus  der  Mitte  dieser  Würdenträger,
  die  nach  ihrem  Abzeichen  auch
Großkreuze  genannt  wurden,  ward  der

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Großmeister  gewählt.  Die  Zungen  zerfielen
  in  Großpriorate,  Priorate,  welche
in  Kommenden  geteilt  waren,  und  Balleien.
  Neben  dem  Geheimen  Rat  bestanden
ein  sogen.  Ordensrat  und  der  Große  Rat
für  die  Gerichtsbarkeit,  dagegen  stand  die
gesetzgebende  Gewalt  dem  Generalkapitel
zu,  das  alle  fünf  Jahre  berufen  wurde.
Die  Ritter  zerfielen  in  Gnaden=  und  Gerechtigkeitsritter;
  die  letztern  mußten  eine
Ahnenprobe  bestehen,  bei  welcher  z.  B.  in
Deutschland  16  Ahnen  erforderlich  waren.
Bei  der  Aufnahme  der  Geistlichen  und
der  dienenden  Brüder  fiel  der  Ritterschlag
  weg.  In  geistlichen  Angelegenheiten
war  der  Orden  dem  Papst  untergeben,
sonst  aber  souverän.
Der  neue  königlich  preußische  St.
ward  von  Knig  öriedridh  Wilhelm  III.
3.  Mai  1812  als  uSseichnunzfür  ehrenvolle
  Dienstleistung  und  als  Beweis  königlicher
  Gnade  an  Stelle  der  ausgehobenen
  Ballei  Brandenburg  gestiftet.  Die
Stadt  Sonnenburg  in  der  Neumark,
welche  früher  Sitz  eines  Herrenmeisters
gewesen  war,  wurde  Mittelpunkt  dieses
neuen  Ordens.  1852  wurde  die  Balleie
Brandenburg  wiedererrichtet  und  1853
Prinz  Karl  zum  Herrenmeister  eingesetzt.
Die  Ordensmitglieder  zerfallen  in  Kommendatoren
  Gemturt  Rechtsritter  und
Ehrenritter.  Ausschließliche  Aufgabe  sind
die  Krankenpflege  im  Hospital  und  die
Sorge  für  Verwundete  auf  dem  Schlachtfeld.
  Unter  der  Leitung  des  Grafen
Eberhard  zu  Stolberg-Wernigerode,  später
  der  des  Fürsten  Pleß  hat  der  Orden
in  den  Kriegen  von  1864,  1866  und
1870/71  eine  verdienstvolle  Thätigkeit  entwickelt.
  Vgl.  Falkenstein,  Geschichte
des  Johanniterordens  (2.  Aufl.  1867).
Jolly,  Julius,  bad.  Staatsminister,
ec.  21.  Fchr.  1823  u  Mannheim,  Sohn
6  dortigen  Oberbürgermeisters  Ludwig
J.,  studierte  1840—44  in  Heidelberg  und
Berlin  die  Rechte,  ward  1847  Privatdo-7
  und  1857  Professor  in  Heidelberg.
861  trat  er  als  Rat  ins  Ministerium
des  Innern,  strebte  in  Verbindung  mit
Roggenbach  und  Mathy  nach  Einigung
Deutschlands  im  Anschluß  an  Preußen,
schied  bei  Beginn  des  Kriegs  1866  aus