Der Triglaw war' durchaus nicht schwarz; er
hatte, wie wir von anderen Chronisten erfayren,
drei zusammenhängende silberne Kopfe; Augen
und Lippe waren, von einer goldenen Binde umschlossen.
Der Apostel der Pommern sandte das
Haupt des Götzen zum Zeugnis dessen, daß das
Heidentum nunmehr ausgeroitet set, an Papst Honorius
1I. nach Rom. Ein anderes lange vor don
chrislichen Priestern vervorgen gehaltenes Triglawbild
war von Gold. Ein schwarzes Roß war dem
Gotte geweiht, durch welches er die Zukunft weissagte.
Nach allem diesem ist der Triglaw weit
eher mit dem Swantewit und dem Swaro-=schitz
von Rethra als mit dem Tjarnaglofi zusammenzustellen.
Die 3 Köpfe könnten ebenso wie
die 4 des Swantewit die Jahreszeiten, die verschieden
gezählt wurden, sinnbilden. Denn daß die
genannten Gottheiten zu dem Sonnenlicht und der
durch den Lauf der Sonne bewirkten Zeireinteilung
in Beziehung stehen, ist ziemlich klar. Für
den Tjarnaglofi aber gibt es eine viel einfachere
Erklärung: er ist das Idol des „schwarzen Gottes“,
des „Czerneboch“ des Helmold, der als
malus deus dem nicht namentlich erwähnten
bonus deus gegenübersteht. Es scheint, daß
er seine üblen Eigenschaften besonders die Feinde
seiner Verehrer empfinden ließ, und daß man ihn
deshalb zum Kriegsgott erkoc.
Leider erfahren wir zu wenig von diesem Gott,
um uns eine ganz klare Vorstellung von seinem
Wesen, seictem Aussehen und der Verbreitung seines
Kultus machen zu können. Jedenrfalls haben
wir in dem Tjarnaglofi ein neues Zeugnis des
Glaubens an ihn, welches in Verbindung mit dem
Bericht Helmolds über die Religion der baltischen
Slawen, mit der kaschubischen Sage und dem gewiz
nicht unsinniger Weise so benannten Berg
Czerneboh in der Lausitz ums veranlassen
müßte, in Zukunft mit dem traditionellen Dualismus
eines guten und bösen Gottes als einer historischen
Tatsache zu rechnen.
Der Dizamar.
Neben dem Czerneboh bei Zittau befindet sich
ein zweiter Berg, welcher Bieleboh heiöt.
Das ist wörtlich der schwarze und der weiße Gott.
Sie bieten nächst dem Zobten, dem schlesischen
Wetterpropheten, (daher mons czobotus, der
„behaubte“" Berg), von dem Thietmar von
Merseburg meldet, daß er „wegen seiner Größe und
Eigenschaft“ göttliche Verehrung genieße, die einzigen,
nicht überzeugenden Hinweise auf einen Bergkult
der Slawen. Es bleibt dabei zu erwägen, ob
nicht auch hier, wie anderwärts (val. Ratibor, Jüterbog,
Wladimir) der Name von der Person auf
die Sache, von dem Besitzer auf den besessenen Ort
unverändert übertragen worden ist.
Ist aber einmal das Wort Czernebog als ein
echter Göttername erkannt, dann muß es auch der
Unser Dommerland
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Bielebch, Bjelbog oder Belbog sein. Man sieht
unschwer ein, daß er zu dem ersteren als notwen—
diges Gegenstück gehört, entsprechend dem malus
und bonus deus. Wo der eine ist, da kann
der andere nicht weit entfernt sein; sie stehen zueinander
wie Baldr, der „weißeste“ der Asen,
und sein blinder Bruder Hodr. Das allein legt
den Gedanken nahe, daß der noch nicht identifizierte
Pizamar der Belbog sei-Der
schwer zu erklärende Name ist wohl trotz
der auch dem Deutschen geläusigen Endung keine
Uebersetzung, sondern wie aus der Schreibung
Pizam arv hervorzugehen scheint, die ungenaue
Wiedergabe eines flawischen Wortes (vgl. Prida
statt Prebislaus, Kassamar statt Kasimir, Domaburr
statt Dombor). Darnach wird man befugt
sein, eine Verlängerung aus Pizmar zu vermuten,
wobei mir — mily und der erste Teil aus dem Dativ
von Bis, Teufel, entstanden sein könnte.
Pizmar wäre — unter christlichem Einfluß, da die
Mehrzabl der Bewohner von West-Vindland bereits
bekehrt war — der Teufelsliebling, Bisumil.
Da aber Bis in keinem anderen Namen erhalten
ist, ist es vielleicht natürlicher, eine leicht begreifliche
Aenderung aus Wizmar anzunehmen,
das gut ein Personenname gewesen sein und
durch die Ortsnamen Wismar in Mecklenburg und
Pommern, ferner durch Witzmitz, Kr. Regenwalde,
bestätigt werden könnte. Das erste Element wäe
dann das in den rügischen. Götternamen uns begegnende
wit, das auch in Eigennamen wie Witoslaus
erscheint. Es wird wohl mit bösg, Gott,
ziemlich auf eine Stufe gestellt werden dürfen. Aber
während dieses von bogaty, reich, herzuleiten
ist, wird jenes am besten mit dem Stamm vonm
widac, sehen, widny, hell, licht, Swit, die
Morgendämmerung, in Verbindung zu bringen
sein.
Nach älteren Encyklopädieen soll der Belbog
unter verschiedenen Namen verehrt worden sein und
in dem berähmten Julin, dem heutigen Wollin,
eine Hauptstätte seines Kultes besessen haben.
Wir finden seinen Namen mit geringfügiger Abweichung
in dem des einst so mächtigen Klosters
Belbuck zu Treptow an der Rega wieder,
von dessen Herrlichkeit heut nur noch wenige
Ruinen predigen.
Es ist gewis kein bloßer Zufall, daß nicht
weit von diesem Belbuck ein Ort Zarnglaff
(im Kreise Greifenberg) liegt, der ebenso mythischen
Ursprungs sein kann (vgl. Tjarnaglofi), wie
das bei dem Ort Trieglaff feststeht, da eine
menschliche Person nicht gut ein Triglaw, Dreikopf,
sein und heißen kann, und ein Berg mit drei
Spitzen nicht in der Nähe ist. In dieser Auffassung
vermag mich auch Brückners Hinweis auf den
Unterschied von bog und buk nicht wankend zu machen.
Denn buck und buk kann natürlich durch