Full text : Unser Pommernland. 3. Jahrgang 1915/16. (3)

Der  Triglaw  war'  durchaus  nicht  schwarz;  er
hatte,  wie  wir  von  anderen  Chronisten  erfayren,
drei  zusammenhängende  silberne  Kopfe;  Augen
und  Lippe  waren,  von  einer  goldenen  Binde  umschlossen.
  Der  Apostel  der  Pommern  sandte  das
Haupt  des  Götzen  zum  Zeugnis  dessen,  daß  das
Heidentum  nunmehr  ausgeroitet  set,  an  Papst  Honorius
  1I.  nach  Rom.  Ein  anderes  lange  vor  don
chrislichen  Priestern  vervorgen  gehaltenes  Triglawbild
  war  von  Gold.  Ein  schwarzes  Roß  war  dem
Gotte  geweiht,  durch  welches  er  die  Zukunft  weissagte.
  Nach  allem  diesem  ist  der  Triglaw  weit
eher  mit  dem  Swantewit  und  dem  Swaro-=schitz
  von  Rethra  als  mit  dem  Tjarnaglofi  zusammenzustellen.
  Die  3  Köpfe  könnten  ebenso  wie
die  4  des  Swantewit  die  Jahreszeiten,  die  verschieden
  gezählt  wurden,  sinnbilden.  Denn  daß  die
genannten  Gottheiten  zu  dem  Sonnenlicht  und  der

durch  den  Lauf  der  Sonne  bewirkten  Zeireinteilung
  in  Beziehung  stehen,  ist  ziemlich  klar.  Für

den  Tjarnaglofi  aber  gibt  es  eine  viel  einfachere
Erklärung:  er  ist  das  Idol  des  „schwarzen  Gottes“,
des  „Czerneboch“  des  Helmold,  der  als
malus  deus  dem  nicht  namentlich  erwähnten
bonus  deus  gegenübersteht.  Es  scheint,  daß
er  seine  üblen  Eigenschaften  besonders  die  Feinde
seiner  Verehrer  empfinden  ließ,  und  daß  man  ihn
deshalb  zum  Kriegsgott  erkoc.

Leider  erfahren  wir  zu  wenig  von  diesem  Gott,
um  uns  eine  ganz  klare  Vorstellung  von  seinem
Wesen,  seictem  Aussehen  und  der  Verbreitung  seines
  Kultus  machen  zu  können.  Jedenrfalls  haben
wir  in  dem  Tjarnaglofi  ein  neues  Zeugnis  des
Glaubens  an  ihn,  welches  in  Verbindung  mit  dem
Bericht  Helmolds  über  die  Religion  der  baltischen
Slawen,  mit  der  kaschubischen  Sage  und  dem  gewiz
  nicht  unsinniger  Weise  so  benannten  Berg
Czerneboh  in  der  Lausitz  ums  veranlassen
müßte,  in  Zukunft  mit  dem  traditionellen  Dualismus
  eines  guten  und  bösen  Gottes  als  einer  historischen
  Tatsache  zu  rechnen.

Der  Dizamar.

Neben  dem  Czerneboh  bei  Zittau  befindet  sich
ein  zweiter  Berg,  welcher  Bieleboh  heiöt.
Das  ist  wörtlich  der  schwarze  und  der  weiße  Gott.
Sie  bieten  nächst  dem  Zobten,  dem  schlesischen
Wetterpropheten,  (daher  mons  czobotus,  der
„behaubte“"  Berg),  von  dem  Thietmar  von
Merseburg  meldet,  daß  er  „wegen  seiner  Größe  und
Eigenschaft“  göttliche  Verehrung  genieße,  die  einzigen,
  nicht  überzeugenden  Hinweise  auf  einen  Bergkult
  der  Slawen.  Es  bleibt  dabei  zu  erwägen,  ob
nicht  auch  hier,  wie  anderwärts  (val.  Ratibor,  Jüterbog,
  Wladimir)  der  Name  von  der  Person  auf
die  Sache,  von  dem  Besitzer  auf  den  besessenen  Ort
unverändert  übertragen  worden  ist.

Ist  aber  einmal  das  Wort  Czernebog  als  ein
echter  Göttername  erkannt,  dann  muß  es  auch  der

Unser  Dommerland

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Bielebch,  Bjelbog  oder  Belbog  sein.  Man  sieht
unschwer  ein,  daß  er  zu  dem  ersteren  als  notwen—
diges  Gegenstück  gehört,  entsprechend  dem  malus
und  bonus  deus.  Wo  der  eine  ist,  da  kann
der  andere  nicht  weit  entfernt  sein;  sie  stehen  zueinander
  wie  Baldr,  der  „weißeste“  der  Asen,
und  sein  blinder  Bruder  Hodr.  Das  allein  legt
den  Gedanken  nahe,  daß  der  noch  nicht  identifizierte
  Pizamar  der  Belbog  sei-Der

  schwer  zu  erklärende  Name  ist  wohl  trotz
der  auch  dem  Deutschen  geläusigen  Endung  keine
Uebersetzung,  sondern  wie  aus  der  Schreibung
Pizam  arv  hervorzugehen  scheint,  die  ungenaue
Wiedergabe  eines  flawischen  Wortes  (vgl.  Prida
statt  Prebislaus,  Kassamar  statt  Kasimir,  Domaburr
  statt  Dombor).  Darnach  wird  man  befugt
sein,  eine  Verlängerung  aus  Pizmar  zu  vermuten,
wobei  mir  —  mily  und  der  erste  Teil  aus  dem  Dativ
  von  Bis,  Teufel,  entstanden  sein  könnte.
Pizmar  wäre  —  unter  christlichem  Einfluß,  da  die
Mehrzabl  der  Bewohner  von  West-Vindland  bereits
  bekehrt  war  —  der  Teufelsliebling,  Bisumil.
Da  aber  Bis  in  keinem  anderen  Namen  erhalten
ist,  ist  es  vielleicht  natürlicher,  eine  leicht  begreifliche
  Aenderung  aus  Wizmar  anzunehmen,
  das  gut  ein  Personenname  gewesen  sein  und
durch  die  Ortsnamen  Wismar  in  Mecklenburg  und
Pommern,  ferner  durch  Witzmitz,  Kr.  Regenwalde,
bestätigt  werden  könnte.  Das  erste  Element  wäe
dann  das  in  den  rügischen.  Götternamen  uns  begegnende
  wit,  das  auch  in  Eigennamen  wie  Witoslaus
  erscheint.  Es  wird  wohl  mit  bösg,  Gott,
ziemlich  auf  eine  Stufe  gestellt  werden  dürfen.  Aber
während  dieses  von  bogaty,  reich,  herzuleiten
ist,  wird  jenes  am  besten  mit  dem  Stamm  vonm
widac,  sehen,  widny,  hell,  licht,  Swit,  die
Morgendämmerung,  in  Verbindung  zu  bringen
sein.

Nach  älteren  Encyklopädieen  soll  der  Belbog
unter  verschiedenen  Namen  verehrt  worden  sein  und
in  dem  berähmten  Julin,  dem  heutigen  Wollin,
  eine  Hauptstätte  seines  Kultes  besessen  haben.
Wir  finden  seinen  Namen  mit  geringfügiger  Abweichung
  in  dem  des  einst  so  mächtigen  Klosters
  Belbuck  zu  Treptow  an  der  Rega  wieder,
  von  dessen  Herrlichkeit  heut  nur  noch  wenige
Ruinen  predigen.

Es  ist  gewis  kein  bloßer  Zufall,  daß  nicht
weit  von  diesem  Belbuck  ein  Ort  Zarnglaff
(im  Kreise  Greifenberg)  liegt,  der  ebenso  mythischen
  Ursprungs  sein  kann  (vgl.  Tjarnaglofi),  wie
das  bei  dem  Ort  Trieglaff  feststeht,  da  eine
menschliche  Person  nicht  gut  ein  Triglaw,  Dreikopf,
  sein  und  heißen  kann,  und  ein  Berg  mit  drei
Spitzen  nicht  in  der  Nähe  ist.  In  dieser  Auffassung
  vermag  mich  auch  Brückners  Hinweis  auf  den
Unterschied  von  bog  und  buk  nicht  wankend  zu  machen.
  Denn  buck  und  buk  kann  natürlich  durch