196 Sachsen während des Befreiungskriegs von 1813.
keiten, die ersten Opfer der unnatürlichen Waffengenossenschaft,
in der eine rerblendete Politik sie auszuharren zwang.
Die Niederlage Reyniers hatte auf den Geist des ganzen
französischen Heeres so niederschlagend gewirkt, daß Oudinot
die ganze Unternehmung gegen Berlin als gescheitert ansah
und, kaum vom Kronprinzen verfolgt, den Rückzug antrat.
Das 7. Corps gieng, nachdem es die Brücke bei Wittstock
hinter sich abgebrannt hatte, am 24 ten bei Schönfeld und
Dümde wieder über die sächsische Grenze und stand am 26 sien
mit den übrigen Corps vereinigt bei Hohen-Schlenzer, aber
erst unter dev Kanonen von Wittenberg hielt sich Oudinot
wieder ganz für geborgen.
Im großen Hauptquartier der Verbündeten war der von
Napoleon beabsichtigte Angriff auf Berlin keineswegs unbeachtet
geblieben. Hauptsächlich der Wunsch, dem Kronprinzen
von Schweden Luft zu machen, brachte am 19. August den
Beschluß zur Reife über das Erzgebirge in Sachsen einzudringen.
Zu verwundern war nur, daß man ungeachtet der den Verbündeten
günstigen Stimmung der sächsischen Bevölkerung gar
keine sichre Kunde darüber besaß, wo sich eigentlich Napoleon
befinde. In der Voraussetzung, daß er seine Hauptmacht in
der Ebene um Leipzig vereinigen werde, wurde der Plan zu
einer kräftigen Offensive nach dieser Richtung entworfen, an
welchem wahrscheinlich Langenau, gegenwärtig Generalquartiermeister
des österreichischen Heeres, wesentlichen Antheil hatte, da er
es nicht nur besser als der bescheidene Radetzki verstand sich
Geltung und Einfluß auf den Fürsten Schwarzenberg zu verschaffen,
sondern auch der Glaube ihm zu statten kam, daß
er als Sachse mit den Verhältnissen des Kriegsschauplatzes,
den man zu betreten im Begriff stand, besser als jeder Andere
vertraut sein müsse 1). Der Aufbruch verzögerte sich jedoch
bis zum 22 ten, an welchem Tage das Heer in vier großen
Colonnen das Erzgebirge überstieg. Die erste unter Wittgen-1)
v. Bernhardl, Dentwürdigkeiten des Generals Grasen Toll
(1865) III, 128.