382 Anhang.
deshalb nicht wahrscheinlich, daß einer der neuen Handelsverträge bekannt
gegeben wird, bevor auch die anderen Verhandlungen wenigstens im
wesentlichen zu Ende geführt sind. Die Gründe hierfür liegen so sehr
auf der Hand, daß ich sie nicht näher darzulegen brauche. Meine Herren,
die Verbündeten Regierungen haben den ernsten Willen, den neuen Zolltarif
sobald als möglich in Kraft treten zu lassen. Sie möchten vor
allem unserer Landwirtschaft sobald als irgend angängig den stärkeren
Zollschutz zuteil werden lassen, den ihr unser neuer Zolltarif gewährt.
Andererseits sind die Verbündeten Regierungen der Uberzeugung, daß
die Kontinuität unserer handelspolitischen Beziehungen zum Auslande
möglichst gewahrt werden muß, damit sich der Ubergang von den
alten zu den neuen Verträgen glatt und ohne Erschütterung vollziehen
kann. Deshalb ist bisher davon Abstand genommen worden, die bestehenden
Handelsverträge zu kündigen. Das Beste wäre an und für sich, wenn
sich die neuen Handelsverträge unmittelbar an die bestehenden Handelsverträge
anschlössen. Sonst könnte ein vertragsloser Zustand entstehen,
oder wir müßten uns mit interimistischen Meistbegünstigungsabkommen
behelfen. Einen solchen Zustand wechselnder Zollsätze und ständiger
Meinungskämpfe über eine bessere Gestaltung der Dinge möchten wir
unserer Industrie, unserem Handel und auch unserer Landwirtschaft
ersparen. Bedenken Sie auch, meine Herren, daß es oft nicht leicht ist,
ein einmal zerschnittenes vertragsmäßiges Band wieder anzuknüpfen,
Auch ist erfahrungsmäßig bei Vertragsunterhandlungen diejenige Regierung
immer im Nachteil, die unbedingt bis zu einem bestimmten Termin fertig
werden will. Erfüllen sich die Erwartungen der Verbündeten Regierungen,
verlaufen die Vertragsverhandlungen nach Wunsch und schließen sich die
neuen Verträge unmittelbar an die bestehenden an, so wird eine Kündigung
überhaupt nicht erfolgen. Vielmehr werden die alten Abkommen durch
die neuen Vereinbarungen ohne weiteres ersetzt oder modifiziert werden.
Wenn dagegen wider Erwarten die Dinge sich so gestalten sollten, daß
auf eine befriedigende Einigung mit den anderen Vertragsstaaten in
gegebener Zeit nicht gehofft werden könnte, so werden die Verbündeten
Regierungen mit dem Bewußtsein zur Kündigung schreiten, daß die
daraus sich ergebenden nachteiligen Folgen nicht Deutschland allein und
nicht einmal vorzugsweise Deutschland treffen würden.
(Lebhaftes Bravo.)
Ich hoffe, daß wir in dieser Frage bald klar sehen werden. Ich verstehe
sehr gut die Ungeduld, mit welcher die Neuregelung unserer handels-