Volltext: Das kleine Buch vom Deutschen Heere.

I. 
Zur Geschichte des deutschen Heerwesens. 
In den ältesten Zeiten war das Heer der Germanen 
das Volk in Waffen. Noch im 10. Jahrhundert waren bei den 
Sachsen die Ausdrücke „Heer“ und „Volk“ gleichbedeutend. Jeder 
freie Mann hatte unbeschränktes Waffenrecht, der Jüngling «lurfte 
aber erst die Waffen anlegen, wenn er von der Gemeinde als 
tüchtig anerkannt worden war. Drohte ein Angriff, so hatte die 
waffenfähige Mannschaft die Verpflichtung. sich snfort zur Ver- 
teidigung des Gaues zu sammeln. Angriffskriege dagegen durften 
erst nach einem Beschlusse der Volksversammlung unternommen 
werden. Handelte es sich hierbei darum, neue Sitze, ein neues 
Land einzunehmen, so zogen die Krieger eines Gaues oder eines 
ganzen Volkes mit Weib und Kind, Hab und (rut dem Ziele entgegen. 
Das Heer wurde nach Gauen geordnet. innerhalb eines jeden 
Gaues erfolgte eine Teilung in Hundertschaften: diese wiederum 
wurden in Geschlechter geteilt. Ein Herzog leitete das (Ganze, 
die Gaufürsten standen an der Spitze der Gauverbände Die 
Hundertschaften waren den Hundö£rtgrafen, die Geschlechter den 
Familienhäuptern untergeordnet. Zu Führern wurden durch das 
Volk solche Männer gewählt, die sich besonders ausgezeichnet 
hatten. Die Wahl erfolgte meist auf Lebenszeit. Man diente zu 
Fuss und zu Ross. Den Reitern waren besonders wsewandte Fuss- 
gänger zur Unterstützung beigegeben. Die Hauptmasse bildete 
aber immer das Fussvolk. Die Bewaffnung bestand zum Teil aus 
Pfeil und Bogen oder der Schleuder, meist jedoch aus Schild, 
Streitaxt, Hammer und Frame (Spiess mit Beil, oder meissel- 
förmiger Klinge), Für die Berittenen waren Schwert und Lanze 
die Hauptwaflen, 
Die Schlachtordnung war der Keil, innerhalb des Kails waren 
die Krioger nach Familien, Geschlechtern, Eundertschaften und 
Gauen geordnet. lm Keil standen vorne 2 Mann, in Jer 2. Reihe 4, 
in der B. Reihe 8 Mann und so fort, bis sich die Bogenschützen 
und Schleuderer anschlossen. Die Bogensshützen und Schleuderer 
oröffneten den Kampf, dann folgte der Einbruch des Keils, indem 
man im Handgemenge mit Streitaxt, Elammer und Frame auf den 
Das kleine Buch vom Deutschen Heere. ı